Bericht der IEA 14.11.2014, 08:33 Uhr

Beseitigung alter Atomkraftwerke bringt Kostenlawine ins Rollen

In den nächsten 25 Jahren werden weltweit rund 200 überalterte Atomkraftwerke stillgelegt. Ihre Beseitigung kostet rund 80 Milliarden Euro und könnte einige Länder überfordern. Das prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). 

Bis 2040 fallen laut IEA allein in Europa rund 51 Milliarden Euro für den Rückbau der Atomkraftwerke an. Ein weiteres Problem: Weltweit gibt es kein einziges Endlager für Atommüll. 

Bis 2040 fallen laut IEA allein in Europa rund 51 Milliarden Euro für den Rückbau der Atomkraftwerke an. Ein weiteres Problem: Weltweit gibt es kein einziges Endlager für Atommüll. 

Foto: dpa

Etwa 200 der insgesamt 434 Atomkraftwerke auf der ganzen Welt werden bis zum Jahr 2040 vom Netz gehen. Damit rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Jahresbericht zur Energieentwicklung. Der World Energy Outlook 2014 wurde am Mittwoch in Paris vorgestellt. Demnach sind es gewaltige Summen, die die Länder für die Beseitigung der Anlagen aufbringen müssen: Rund 80 Milliarden Euro wird es kosten, die überalterten Atomkraftwerke abzubauen.

Der Löwenanteil davon, 51 Milliarden Euro, wird auf Europa entfallen, wo sich Länder wie Deutschland, Belgien und die Schweiz von der Atomkraft verabschieden. Fatih Birol, der Chefökonom der IEA, kommt in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu dem Schluss: „Darauf sind wir nicht gut vorbereitet.“ Die IEA wies außerdem darauf hin, dass es auf der ganzen Welt bisher kein einziges Endlager für Atommüll gibt. Dabei würden die nuklearen Abfälle nicht weniger, sondern mehr: Bis zum Jahr 2040 werde sich der Atommüll auf rund 705.000 Tonnen verdoppeln.

Weltweiter Energiehunger wächst

Während europäische Länder und Japan der Atomkraft den Rücken kehren, setzen andere wie China, Indien, Korea und Russland auf den Ausbau der Nukleartechnik. Das hält die IEA laut Bericht der FAZ auch nicht für falsch. Sie begründet das mit dem wachsenden Energiehunger.

Mitarbeiter beim Rückbau des Atomkraftwerks in Stade (Niedersachsen). Laut IEA liefern erneuerbare Energien bis zum Jahr 2040 fast ein Fünftel der weltweit verbrauchten Primärenergie.

Mitarbeiter beim Rückbau des Atomkraftwerks in Stade (Niedersachsen). Laut IEA liefern erneuerbare Energien bis zum Jahr 2040 fast ein Fünftel der weltweit verbrauchten Primärenergie.

Quelle: dpa

Den Schätzungen zufolge wird sich der Energieverbrauch aufgrund der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten 25 Jahren um rund ein Drittel erhöhen. Wobei der Verbrauch langsamer steigen wird als heute. Ausschlaggebend dafür sind laut IEA höhere Energiepreise, mehr Energieeffizienz, aber auch der strukturelle Wandel der Weltwirtschaft hin zu mehr Dienstleistungen und leichterer Industrie.

Sonne und Co. auf dem Vormarsch

Eine gute Nachricht liefert der IEA-Bericht in puncto erneuerbare Energien: Wind, Sonne und Wasser sind weiter auf dem Vormarsch. „Die Rolle der Erneuerbaren im weltweiten Energiemix wird weiterhin wichtiger, vor allem im Stromsektor und in Regionen, wo die Politik ihre Nutzung fördert“, heißt es im Ausblick. Erneuerbare Energien werden bis zum Jahr 2040 fast ein Fünftel der weltweit verbrauchten Primärenergie liefern. Der Anteil wird von rund 13 auf 19 Prozent wachsen. Noch mehr mitmischen werden Sonne und Co. bei der Stromerzeugung: Im Jahr 2040 sollen sie rund ein Drittel der weltweit erzeugten Elektrizität abdecken.

Erneuerbare bleiben auf Subventionen angewiesen

Allerdings bleiben die Erneuerbaren auf Subventionen angewiesen. Im vergangenen Jahr pumpte die Politik in diesen Sektor weltweit 121 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2040 rechnet die IEA sogar mit 205 Milliarden Dollar. Nummer eins bei der Förderung der erneuerbaren Energien bleibt voraussichtlich die EU. Platz zwei werden nur knapp dahinter in 20 Jahren die USA belegen. Damit bezahlen diese Staaten laut IEA auch den Klimaschutz, schreibt das Onlinemagazin wiwo.de. Denn wenn Sonne, Wind und Co. wie vorgesehen fossile Brennstoffe ersetzen, lassen sich bis 2040 pro Jahr 7,2 Gigatonnen CO2-Ausstoß einsparen.

Mit Sorge blickt die IEA auf den Ölmarkt. Der Ölpreis ist im November auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Dafür verantwortlich gemacht werden unter anderem die schleppende Weltkonjunktur und der starke Anstieg der Schieferölförderung durch Fracking in den Vereinigten Staaten. Laut IEA sind fallende Ölpreise ein Risiko, weil sie Unternehmen dazu bringen, zurückhaltender in die Erdölindustrie zu investierten. Was sich langfristig rächen könnte, denn künftig werde der Erdölverbrauch deutlich steigen, heißt es in dem Bericht. Die größte Bedrohung für die Ölversorgung sieht die IEA in dem Konflikt im Irak und den Unruhen im Nahen Osten. Denn diese Region exportiert extrem viel Rohöl und ist davon abhängig.

 

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