Energie 21.01.2000, 17:24 Uhr

Berater drücken Energiekosten nach unten

Den Bezug von Strom und Gas, Heizöl und Fernwärme müssen viele Unternehmen und Behörden oft teuer bezahlen. Energiekostenberater helfen ihren Kunden dabei, diesen beträchtlichen Ausgabenposten auf Dauer zu senken.

In Deutschland fallen die Strompreise. Auch die Gebietsmonopole sind mit der Liberalisierung des Energiemarktes gefallen. Die Stromverbraucher haben nun die Wahl zwischen einer Fülle von Anbietern mit unterschiedlichen Tarifen. Doch wie findet sich ein Unternehmen in dem Dschungel zurecht, und wie kann es seine Energiekosten senken?
„Firmen müssen nicht unbedingt Fachleute fürs Kostenmanagement einstellen. Oft ist es günstiger, einen Energieberater mit dieser Aufgabe zu betreuen“, sagt Rüdiger Kornblum von der Energiekostenberatung NUS Deutschland in Düsseldorf. „Als Berater prüfen und analysieren wir die Energierechnungen unserer Kunden, handeln bei den Energieversorgern optimale Tarife aus und holen das Geld zurück, das sie zu viel bezahlt haben. Unsere Aufgabe ist mit der eines Steuerberaters vergleichbar“, erklärt der NUS-Geschäftsführer.
Die schnelle Liberalisierung des deutschen Strommarktes hat eine Reihe von Maklern, Brokern, Agenturen und Energieberatern auf den Plan gerufen. Die Erfahrungen in Großbritannien, wo sich der freie Strommarkt über einen Zeitraum von zehn Jahren entwickelt hat, zeigten aber, dass auch auf dem deutschen Beratungsmarkt eine Bereinigung auftreten werde, glaubt Kornblum: „Viele Beratungsunternehmen, die erst gestern entstanden sind, werden vielleicht schon morgen wieder verschwinden.“
Sein Unternehmen mag der NUS-Chef nicht zu den künftigen Verlierern zählen. Die amerikanische Muttergesellschaft National Utility Service (NUS) bestehe schon seit 1933, habe weltweit 1400 Mitarbeiter und prüfe rund um den Globus jeden Monat rund 750 000 Energierechnungen ihrer Kunden. Auch hierzulande hat NUS eine lange Tradition: Die deutsche Gesellschaft ist seit 1966 aktiv und hat derzeit 80 Mitarbeiter, die 7300 aktive Kunden mit 60 000 Verbrauchsstellen für Energie betreuen.
Da die Düsseldorfer sich auf die konditionsbezogene, also die kaufmännische Seite spezialisieren und die technische Energieberatung anderen überlassen, können sie die Bereiche Strom, Gas, Heizöl und Fernwärme, daneben Wasser und Abwasser sowie in geringerem Maße die Telekommunikation unter einen Hut bringen. Dabei berät die NUS z. B. chemische Betriebe, die ihr Abwasser über eigene Klärwerke in kommunale Anlagen einleiten, beim Senken der Abwasserkosten. Bei Brauereien werden die Ausgaben für den Rohstoff Wasser unter die Lupe genommen, Supermärkte können Ratschläge für den günstigen Bezug von Fernwärme erhalten, und bei einer Ziegelei wurde der Gaspreis deutlich gesenkt.
„Aber die Musik im Geschäft spielt derzeit der Strommarkt. Dort schießen fast wöchentlich neue Angebote wie Pilze aus dem Boden“, erklärt NUS-Marketingleiter Wilhelm Garchow, „und dies macht den Kunden die Übersicht sehr schwer.“ Hier mache sich besonders bemerkbar, dass die fast 1000 deutschen Energieversorger neue Kunden außerhalb ihres ursprünglichen Absatzgebietes umwerben, aber auch Stromanbieter aus westlichen und skandinavischen Ländern auf den deutschen Markt drängen, weil in Deutschland die Energiepreise vergleichsweise hoch und damit lukrativ seien.
Und wie geht ein NUS-Berater vor, um für seinen Klienten den günstigsten Anbieter und Tarif zu finden? Am Anfang steht eine Analyse des Ist-Zustandes, bei der der Stromverbrauch (mit Bedarfsspitzen und künftigen Entwicklungen) mit den Energiekosten, die sich aus der letzten Rechnung ergeben, verglichen wird. Eventuell kann der Kunde bei seinem bisherigen Versorger ein preisgünstigeres Angebot erreichen, indem er von dem tatsächlich genutzten in einen anderen Tarif wechselt. Ist dies nicht möglich, sucht der Berater nach einem neuen Energielieferanten. „Diese Sondierung potenzieller Vertragspartner geschieht zunächst anonym. Nur der Berater führt die Gespräche, bis die Vertragseinzelheiten ausgehandelt sind“, sagt Marketing-Chef Garchow.
Dann kann der Kunde sich für den Abschluss dieses Vertrags entscheiden. Oder er unterlässt es. „Denn die günstigsten Konditionen sind nicht in jedem Fall die genialen. Oft gibt es persönliche, geschäftliche oder andere Verflechtungen zwischen dem Stromabnehmer und seinem bisherigen Lieferanten, die einen Wechsel ausschließen. Oder der Vertragsabschluss mit dem ins Auge gefassten neuen Lieferanten ist aus anderen Gründen nicht opportun“, weiß Garchow aus Erfahrung.
Neben den Arbeiten zum Wechsel eines Energielieferanten überwachen und betreuen die Berater aber auch bestehende Lieferverträge. Sie weisen die Kunden darauf hin, wenn ein Versorger seine Kondition verändert und sich neue Möglichkeiten der Kostenersparnis bieten. So wird das Risiko gemindert, in einem veralteten teuren Tarif eingestuft zu sein, was zu Überzahlungen führt. Diese Möglichkeiten können zu mehr Effizienz im Kostencontrolling und zu größerer Planungssicherheit führen.
Für die Energiekostenberatung kommen grundsätzlich Unternehmen aus allen Branchen, Handelsunternehmen, Versicherungen, Finanzdienstleister und öffentliche Betriebe in Frage. Bei der NUS reicht die Spanne der Klientel vom großen Industriekonzern bis zum Barbetrieb in Köln. Einzige Voraussetzung ist eine Mindestgröße beim Energieverbrauch. Der Strombezug müsse 250 000 kWh im Jahr überschreiten, sonst sei diese Beratung weder für den Kunden noch für sein Unternehmen wirtschaftlich interessant, sagt NUS-Chef Kornblum. Der Wert entspricht etwa dem, was 100 mit Elektrogeräten gut ausgestattete Single-Haushalte verbrauchen.
Für ihre Leistung verlangt die Beratungsgesellschaft gewissermaßen als „Eintrittsgeld“ eine jährliche Servicepauschale von 750 DM plus Mehrwertsteuer bei einem Vertrag von drei Jahren Mindestlaufzeit. Daneben berechnet NUS eine Erfolgsbeteiligung vom Wert aller durch sie erreichten Einsparungen der Energiekosten, begrenzt auf einen Zeitraum von 24 Monaten. Die Formel ist griffig: Ein Viertel für die Gesellschaft, drei Viertel verbleiben dem Kunden. MANFRED GROTELÜSCHEN
Die Versorgung mit Energie ist für viele Krankenhäuser, Behörden oder Unternehmen ein beträchtlicher Ausgabeposten. Ihn nehmen die Energieberater unter die Lupe.

Von Manfred Grotelüschen
Von Manfred Grotelüschen

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