Energie 03.03.2006, 18:43 Uhr

Baseler Projekt soll Wärme aus 5000 m Tiefe heraufholen  

VDI nachrichten, Basel, 3. 3. 06, mg – Erdwärme soll Strom und Nutzwärme für Baseler Haushalte liefern. Ob ein Kraftwerk machbar ist, wird in einem Jahr bewertet. Bis dahin zeigen erste Bohrungen, ob das Wasser aus 5000 m Tiefe in genügender Menge und ausreichend heiß zur Verfügung steht.

Das Geothermieprojekt Deep Heat Mining in Basel geht in die entscheidende Phase. Anfang Mai wird die Injektionsbohrung bis in 5000 m Tiefe auf dem Gelände der IWB (Industrielle Werke Basel) niedergebracht. In den darauf folgenden Monaten klärt sich, ob das Aufbrechen und Durchspülen von heißem Kristallingestein mit Wasser an der Bohrstelle im Basler Norden technisch möglich und die Energiegewinnung wirtschaftlich ist. Dazu muss die Produktionsbohrung zunächst einmal 200 °C heißes Wasser mit einer erwarteten Schüttung von 75 l/s bringen.

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Bis zum Frühjahr 2007 will das Unternehmen Geopower Basel Gewissheit über diese Fragen haben. Dann entscheiden die Aktionäre, ob auf dem fußballfeldgroßen Bohrgelände bis 2009 das weltweit erste kommerziell betriebene Geothermiekraftwerk unter Einsatz des Hot-Fractured-Rock-Verfahrens arbeiten wird. Heinrich Schwendener, Verwaltungsratsvorsitzender von Geopower, nennt das Vorhaben „ein Energieforschungs- und Entwicklungsprojekt mit Pioniercharakter und wegweisend für die Zukunft der geothermischen Energiegewinnung“.

Das Kraftwerk soll Strom für 10 000 und Wärme für 2700 Haushalte liefern (6 MW/17 MW). Es vermindert laut Geopower den Kohlendioxyd-Ausstoß in der Region Basel um jährlich 20 000 t CO2. Die Betriebsdauer ist auf 20 Jahre ausgelegt. Dann wird das Gestein auf die für die Wärmeförderung unrentable Temperatur von 175 °C abgekühlt sein. Innerhalb von 30 Jahren baut sich das ursprüngliche Reservoir erneut auf. Die Wärme wird in das städtische Fernwärmenetz der Stadt Basel eingespeist. Im Sommer wird hauptsächlich Strom produziert.

Bis zum Anfahren des Kraftwerks sind die Kosten derzeit mit 108 Mio. Schweizer Franken (72 Mio. €) veranschlagt. Für eine zusätzliche Gasturbine fallen weitere 10 Mio. Schweizer Franken an. 70 % der Projektkosten verbraucht die reine Bohrtätigkeit. Unter anderem hat der Preisanstieg für Öl und Bohrstahl sowie für Bohrgerät und Bohrdienstleistungen das Projekt verteuert. Den Auftrag für zwei 5000-m-Bohrungen mit der Option für eine dritte erhielt die deutsche KCA Deutag. Anfang April wird der 63 m hohe Bohrturm aus den Niederlanden in Basel angeliefert.

Geistiger Vater des Projekts ist der Schweizer Geologe Markus O. Häring, Geschäftsführer der Geothermal Explorers Ltd. Er war 1996 in jener Kerngruppe dabei, die im Auftrag des schweizerischen Bundesamtes für Energie eine Studie unter dem Titel Deep Heat Mining ausarbeitete. Häring brennt förmlich für das Projekt, bleibt aber realistisch bei der Risikoabwägung: „Der Nachweis, dass die projektierte Energieleistung erreicht wird, steht noch nicht.“ Das mit EU-Mitteln geförderte Bohrprojekt in Soultz-sous-Forêts im Elsass setzt ebenfalls auf das Hot-Fractured-Rock-Verfahren. Dort übertraf der Erfolg die Erwartungen.

Eine bis auf 2700 m abgeteufte Sondierbohrung in Weil-Otterbach brachte im Jahr 2001 den Nachweis, dass die Temperatur und die Gesteinsstruktur in der Tiefe die Voraussetzungen für ein Geothermiekraftwerk erfüllen. Im Februar 2004 wurde die Geopower Basel AG als ausführendes Unternehmen gegründet. Federführend im Kreis der nunmehr zehn Aktionäre sind die Industriellen Werke Basel mit einem Kapitalanteil von knapp 28 %.

Die weiteren Kapitalgeber sind die Umweltämter der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, die Schweizer Energieunternehmen Elektra Baselland, Axpo, der Gasverbund Mittelland, das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, die Azienda Elettrica Ticinese, die für die Bohrtätigkeit zuständige Geothermal Explorers Ltd sowie die deutsche Energiedienst Holding AG, Laufenburg, ein Beteiligungsunternehmen von Energie Baden-Württemberg. Ferner wird das Projekt von der G. H. Endress Stiftung gefördert.

Geothermie zählt zu den erneuerbaren Energien, ist frei von Kohlendioxyd-Emissionen sowie unabhängig von Tageszeit, Saison und Klima. Sie liefert elektrische Energie rund um die Uhr. Sie wirkt sich bei geringem Platzbedarf minimal auf die Umwelt aus und ist nah am Verbrauchsort lieferbar. Urs Steiner, Geschäftsführer der Elektra Baselland: „Im 21. Jahrhundert kann Geothermie, ähnlich wie die Wasserkraft im letzten Jahrhundert, eine Schlüsselstellung in der Energieversorgung einnehmen.“ Jedoch haftet der HFR-Technologie ein elektrischer Wirkungsgrad von lediglich 15 % bis 18 % an. Die große Menge an Abwärme ist kaum nutzbar.

Das noch hohe wirtschaftliche Risiko wird durch den Zeitvorsprung der Basler Hot-Fractured-Rock-Pioniere relativiert. Sie sehen sich an der Quelle praktischer und wissenschaftlicher Erkenntnis und hoffen exportfähiges Know-how zu gewinnen.

CHRISTEL TREFZGER-BETZING

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