Recycling 06.02.2009, 19:39 Uhr

Auf dem Weg zum Solarzellenkreislauf  

Die Vorbereitungen für ein freiwilliges Rücknahme- und Recyclingsystem für Photovoltaikmodule kommen voran. Mittlerweile sind die 29 wichtigsten Hersteller in der europäischen Vereinigung „PV Cycle“ organisiert. Im Frühjahr 2009 soll die Modulrücknahme anlaufen. Einige Hürden gilt es allerdings noch zu nehmen. VDI nachrichten, düsseldorf, 6. 2. 09, swe

„Making the Photovoltaic Industry double green“ – mit diesem Slogan wirbt der Geschäftsführer von „PV Cycle“, Jan Clyncke, für die Mitgliedschaft bei der Vereinigung, die ein flächendeckendes Rücknahme- und Recyclingsystem für Solarmodule in Europa aufbauen will.

In den vergangenen Monaten traten die REC-Group, GE Solar, Ersol Solar Energy, Aleo-Solar, Solpower und als erster französischer Hersteller Photowatt dem PV-Cycle-Konsortium bei. Die Zahl der Firmenmitglieder bei dem im Sommer 2007 gegründeten Verein mit Sitz in Brüssel kletterte innerhalb eines Jahres von 17 auf 26, heute sind es 29 Unternehmen. Schwergewichte wie Sharp, Q-Cells, Solarworld, First Solar, BP Solar, Sanyo oder Kyocera sind mit dabei.

„Damit repräsentieren wir mehr als 70 % des Marktes“, sagt Clyncke, der zuvor im kommunalen Abfallmanagement in den Niederlanden arbeitete. Mindestens 65 % der von ihnen auf die Märkte gebrachten Module möchten die Mitgliedsfirmen bis zum Jahr 2015 kostenfrei einsammeln. Mindestens 85 % der gesammelten Solarzellen sollen wiederaufgearbeitet werden.

„Ab Frühjahr 2009 beginnen wir mit der praktischen Umsetzung der Modulrücknahme“, sagt Clyncke, „momentan stecken wir noch voll in den Vorbereitungen.“ So untersucht das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG ergänzend zu einem Gutachten des Hamburger Instituts Ökopol die tatsächlich anfallenden und verkauften Mengen und Recyclingströme.

Rund 4000 t Modulabfälle aus der Photovoltaik fielen nach Schätzungen von Ökopol 2007 in Europa an, wovon 6 % bis 7 % gesammelt und verwertet wurden. Diese Angaben werden nun überprüft, um eine noch bessere Datengrundlage zu bekommen.

Bei der neuen KPMG-Studie soll zum Beispiel auch die Modulrücknahme durch Recyclingfirmen berücksichtigt werden, die nur die Metallrahmen abnehmen und den Glasschredder als Unterbau im Straßenbau verwenden – was gängige Praxis ist. Breiten Raum in der Arbeit von Clyncke nehmen derzeit „die Verhandlungen mit Logistikpartnern“ ein, die das Rücknahmesystem künftig vor Ort umsetzen sollen.

Derzeit gibt es nur zwei Recyclinganlagen in Europa, die speziell für Photovoltaik ausgelegt sind und ausgediente Module annehmen. Die größte und älteste steht bei der Solar Material, einem Tochterunternehmen von Solarworld, im sächsischen Freiberg. Dort wurden im vergangenen Jahr kristalline Module wiederverwertet, die einem elektrischen Leistungsvermögen von 1 MW entsprechen. Die Recyclingquote liegt bei 75 %. Nun steht allerdings eine Umrüstung an, denn die Pilotanlage ist für Module mit einer dickeren Siliziumbeschichtung ausgelegt als heute üblich.

First Solar startete 2008 in Frankfurt/Oder eine Recyclinganlage für Dünnschichtmodule auf Cadmiumtellurid(CdTe)-Basis. Mit einer Aufarbeitung von rund 30 t/Woche ist die Kapazität der Anlage derzeit etwa zur Hälfte ausgelastet, berichtet Fabrikmanager Burghard von Westerholt. Der US-Hersteller First Solar garantiert seinen Kunden eine jederzeitige kostenlose Rücknahme defekter Module und finanziert die Kosten durch eine Versicherung vor, was in der Branche als vorbildlich gilt.

In der Frankfurter Anlage werden nach Unternehmensangaben in einem nass-chemischen Verfahren 90 % wiederverwertbare Masse, vor allem Glas, und ein Filterkuchen mit einem CdTe-Anteil von 95 % gewonnen. Bei der Glasauftrennung wird „momentan noch nicht die Reinheit erreicht, die für eine Wiederverwertung als Modulglas nötig wäre“, sagt First-Solar-Manager Westerholt. Daher kann der mit kleinen Resten von Laminatfolien verunreinigte Glaskuchen derzeit nur für andere Zwecke, wie die Herstellung von Glasfasern, genutzt werden.

Mit der Wiederverwendung des Cadmiumtellurids wurde laut Fabrikleiter Westerholt in Frankfurt noch nicht begonnen. Diese Wiederverwendung ist Sache des Recyclingpartners 5N PV, eines deutschen Ablegers des kanadischen Mutterkonzerns 5N Plus. 5N PV soll das Halbleitermaterial für die Modulproduktion wiederaufarbeiten, hat aber geplanten Betrieb in Eisenhüttenstadt bisher nicht aufgenommen. Derzeit wird in Frankfurt zwischengelagert.

Erleichterung für die Branche kommt aus Brüssel: Die EU hat – zumindest vorerst – von Plänen Abstand genommen, über die Aufnahme von Solarmodulen in die EU-Elektronikschrottrichtlinie einen gesetzlichen Zwang für die Wiederverwertung zu schaffen.

„Ich begrüße die Absicht der Photovoltaikindustrie, sich zur Einrichtung eines freiwilligen Sammel- und Recyclingsystems zu verpflichten“, erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Er baut auf die formelle Anerkennung der Recyclinginitiative als freiwillige Umweltvereinbarung, wie sie das EU-Recht vorsieht. HANS-CHRISTOPH NEIDLEIN

Ein Beitrag von:

  • Hans-Christoph Neidlein

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