Photovoltaik 14.10.2005, 18:40 Uhr

Ackerflächen mausern sich zu Sonnentankstellen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 10. 05 – Solarkraftwerke werden immer leistungsfähiger. Im Monatsrhythmus purzeln die Rekorde bei den Stromerzeugungsanlagen. Derzeit findet eine wahre Inflation „weltgrößter Solaranlagen“ statt. Doch die großen Sonnenkraftwerke geraten wegen ihres großen Flächenverbrauchs oft auch in die Kritik.

Friedlich grasen die Heidschnucken in der oberpfälzer Landschaft. Sie sorgen dafür, dass das Gras im derzeit größten Solarpark der Welt kurz gehalten wird. Auf ehemalig landwirtschaftlich genutzten Flächen, die unter den Solarmodulen nicht versiegelt wurden, sind kürzlich die drei Solarkraftwerke des weltgrößten Solarparks Bavaria eingeweiht worden.

Die Anlagen in den Gemeinden Mühlhausen, Günching und Minihof verfügen insgesamt über eine installierte Leistung von 10 MW und bestehen aus 57 600 Modulen des Weltmarktführers Sharp. Sie wurden mit der neuen Nachführtechnik PowerTracker des amerikanischen Generalunternehmers und Betriebsführers PowerLight Corporation ausgerüstet. Dadurch lassen sich die Module dem Sonnenstand einachsig nachführen und erwirtschaften so einen höheren Stromertrag als herkömmliche, starr installierte Solaranlagen. Maximal können sie den jährlichen Strombedarf von über 3000 privaten Haushalten decken.

Anlässlich der Eröffnung bekräftigte der Ehrengast MdB Dr. Hermann Scheer, dass „die Photovoltaik die intelligenteste Energietechnologie aller Zeiten ist. Sie begründet ein neues Zeitalter umweltfreundlicher, dauerhafter, unabhängiger und kostengünstiger Energie für alle“. Die 49,5 Mio. € teure Anlage rechnet sich vor allem durch die Einspeisevergütung bei Freiflächen-Kraftwerken von 45 Cent/kWh nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) – und das 20 Jahre lang.

Schon Ende des Jahres wird die Anlage in Mühlhausen den Weltrekord wohl nach Unterfranken abgeben müssen: Dort entsteht derzeit bei Arnstein im Landkreis Main-Spessart auf dem Gelände des ehemaligen Weingutes Erlasee in mehreren Bauabschnitten das größte nachgeführte Solarkraftwerk Deutschlands mit einer Gesamtleistung von 12 MW – genug für 3500 Haushalte. Wegen der vielen Sonnenstunden – etwa 1700 im Jahr – sind die Standorte im Freistaat bei den Betreibern der Solaranlagen besonders beliebt.

Ein weiteres Solargroßprojekt soll bis Frühjahr 2006 im niederbayerischen Pocking entstehen: Auf dem früherem Bundeswehrgelände wird ein zusammenhängendes Kraftwerk mit 10 MW Leistung errichtet. Shell Solar ist Generalunternehmer der 40 Mio. € teuren Solaranlage, die auf 32 ha Fläche aus insgesamt etwa 62 500 Modulen besteht und die den Sonnenstrom in sechs Einheiten mit jeweils 1,667 MW ins Mittelspannungsnetz von E.on Bayern einspeist. Die Module werden auf Aluminiumgestelle montiert, die eine Gesamtlänge von rund 16,5 km haben. In diesen Tagen ist Baubeginn. 28 Fachbehörden mussten für die Genehmigung eingeschaltet werden. „Alle haben an einem Strang gezogen“, freut sich der Projektentwickler Martin Bucher.

Allerdings kann sich in der Branche derzeit niemand auf seinen Superlativ-Lorbeeren ausruhen – schon ein halbes Jahr später kann er nur noch Zweitgrößter sein. Denn die Solarbranche steht erst am Anfang ihrer Entwicklung: „Inzwischen wird über Projekte mit mehr als 100 MW Leistung nachgedacht“, so Bucher. Nicht alle sind jedoch glücklich mit der als umweltfreundlich gelobten Energieerzeugung der Megapower-Anlagen.

Der BUND Saar (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) beobachtet die flächenzehrende Errichtung von Solarparks in gewachsenen Kulturlandschaften mit Sorge: „Landwirtschaftliche Nutzflächen dürfen nicht beliebig großtechnischer Nutzung preisgegeben werden – auch nicht für Solaranlagen, hier gibt es keine Privilegierung“, so Joachim Götz,vom BUND Saar. Der stößt sich besonders an der Freiflächen-Solaranlage im saarländischen Bliesransbach. Das von Shell Solar errichtete Kraftwerk mit 53 000 Solarmodulen und 8,5 MW Leistung soll eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche von 30 ha überdecken. Da kommt ein Landwirt bei einer jährlichen Pacht von 10 bis 15 € je kW leicht auf Gesamteinnahmen von 100 000 € im Jahr. Dadurch werden Landwirte versuchen, Flächen mit entsprechenden Anlagen zu bestücken, vermutet Götz, denn einen solchen Pachtertrag können sie sonst kaum erzielen.

Der BUND sieht eine sinnvolle Nutzung der Solarenergie eher weg von Freiflächen, rauf auf die Dächer. Auch beim Solaranlagenhersteller Conergy glaubt man, dass sich „der Trend bei der Planung solarer Großanlagen zunehmend auf Dächer verlagert.“ Immerhin liegt die Einspeisevergütung laut EEG für Aufdachanlagen mit rund 54 Cent/kWh deutlich über denen für Freiflächen.

Bis Mitte 2005 will der Reifenhersteller Michelin gemeinsam mit dem Solarfondspezialisten voltwerk auf seinen Firmendächern an vier deutschen Standorten mit einem Investitionsvolumen von 50 Mio. € das weltgrößte Dach-Solarstromprojekt mit rund 10 MW Leistung realisieren – doppelt so viel wie die bisher stärkste Anlage der Welt. 60 000 Solarmodule finden dabei auf 200 000 m2 Dachfläche Platz, was rund 40 Fußballfeldern entspricht. „Das Projekt zeigt, dass sich Ökologie und Ökonomie durch innovative Technik hervorragend miteinander vereinbaren lassen“, erklärt Nikolaus Krane, Vorstandsvorsitzender von voltwerk. EDGAR LANGE

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  • Edgar Lange

    Freier Fachjournalist in Düsseldorf. Schreibt vor allem über IT-Themen.

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