Sendai geht ans Netz 11.08.2015, 12:53 Uhr

4 Jahre nach Fukushima fährt Japan erstes AKW wieder hoch

Vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 fährt Japan am heutigen Dienstag den ersten Reaktor im Atomkraftwerk Sendai wieder hoch. Japan reagiert damit auf die stark gestiegenen Energiepreise.

Der erste Reaktor des Atomkraftwerkes in Sendai im Süden Japans ist am Dienstag angefahren worden. Es ist das erste Kernkraftwerk, das nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 wieder ans Netz geht. Sendai ist die am weitesten von Tokio entfernt liegende Atomanlage.

Der erste Reaktor des Atomkraftwerkes in Sendai im Süden Japans ist am Dienstag angefahren worden. Es ist das erste Kernkraftwerk, das nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 wieder ans Netz geht. Sendai ist die am weitesten von Tokio entfernt liegende Atomanlage.

Foto: Kyushu Electric Power/dpa

Der regionale Energieversorger Kyushu Electric Power zog am Vormittag die Steuerstäbe aus einem Reaktorblock des Sendai-Kernkraftwerks im Süden Japans. Damit beginnt das atomare Feuer im Kern des Reaktors wieder zu glimmen. Proteste der Anwohner gegen das Wiederanfahren des Reaktors blieben erfolglos, ebenso die Klagen vor Gericht.

25 Anträge auf Wiederanfahren von Reaktoren

Sendai wird nicht der einzige Reaktor bleiben, der wieder ans Netz geht: Japans Ministerpräsident Shinzo Abe ist erklärter Befürworter der Nuklearenergie. Daran hat auch die Atomkatastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 nichts verändert. Japan verfügt über 48 Kernkraftwerke. Nach Fukushima wurden alle Reaktoren schrittweise zur Überprüfung abgeschaltet. Seit Herbst 2013 verzichtet Japan komplett auf die Nutzung der billigen Kernenergie.

Fünf der Reaktoren sollen dauerhaft außer Dienst gestellt werden, weil sie zu alt sind. Für 25 Reaktoren laufen derzeit Anträge auf Wiederzulassung. Mitte Oktober will Kyushu Electric Power den zweiten Reaktorblock in Sendai hochfahren.

60 % der Bevölkerung lehnt Atomkraft ab

Die Regierung beteuert, aus Fukushima gelernt zu haben. Die neuen Sicherheitsstandards seien laut Abe „die striktesten der Welt“. Etwa 60 % der Japaner sind nach Umfragen allerdings gegen den Neustart der Kernkraftwerke. Zu tief sitzt der Schock des atomaren Super-Gaus. In drei der vier Reaktoren von Fukushima-Daiichi kam es damals zur Kernschmelze. Rund 100.000 Menschen wurden evakuiert. Manche Gebiete rund um das Unglückskraftwerk werden wohl für Jahrzehnte gesperrt bleiben.

Bei Sendai gibt es einen der aktivsten Vulkane Japans

Im Umkreis von 30 km um das Kraftwerk Sendai leben rund 220.000 Menschen. Sie sorgen sich darüber, dass keine Notfallpläne für eine Evakuierung im Falle eines Falles existieren. Denn in der Region besteht nicht nur wie überall in Japan erhöhte Erdbebengefahr. Dort gibt es mit dem Sakurajima auch einen der aktivsten Vulkane Japans.

Nach erheblichen Investitionen soll die Atomanlage in Sendai gegen Tsunamis sicher sein. Deshalb soll auch in Kürze der zweite Reaktor der Anlage wieder ans Netz gehen.

Nach erheblichen Investitionen soll die Atomanlage in Sendai gegen Tsunamis sicher sein. Deshalb soll auch in Kürze der zweite Reaktor der Anlage wieder ans Netz gehen.

Foto: Kyushu Electric Power/dpa

Denn mit dem Verzicht auf die billige Energie aus den Atomen, die vor Fukushima fast 30 % zur Stromerzeugung in Japan beitrug, muss das Inselreich wesentlich mehr fossile Energien, vor allem Flüssiggas, importieren. Als Folge hat sich der Strom für die Haushalte um rund 20 %, für die Unternehmen sogar um 30 % verteuert. Es sind etwa 26 Mrd. € im Jahr, die Japan seit Fukushima für die teure Importenergie zahlen muss.

Und das ist der Plan von Shinzo Abe: Mittelfristig soll die Kernenergie bis 2030 etwa 20 bis 22 % der Stromversorgung übernehmen. Das bedeutet, dass die Laufzeiten der älteren Reaktoren über die gesetzlich festgelegte Maximal-Laufzeit von 40 Jahren hinaus verlängert werden. Oder Japan steigt ein in den Neubau von Kernkraftwerken. 

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