Konsumelektronik 29.08.2008, 19:36 Uhr

TV-Bildschirm wird Fenster ins Internet  

Es ermöglicht Einblicke in die Zukunft der TV- und Internetnutzung. Mehr als 20 Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Projektgemeinschaften zeigen in Halle 5.3 Entwicklungen, die sonst nur Experten vorbehalten bleiben.

Gleich am Eingang des Technisch-Wissenschaftlichen Forums hat es sich Bob gemütlich gemacht. Als Teil einer „Community“ braucht er den ganzen IFA-Tag nur fernzusehen, Telefonanrufe werden auf dem Bildschirm angezeigt. Und meistens ist es Alice, die immer wieder was von ihm will. Doch Bob verpasst ungern etwas im Fernsehen, und so nutzt er die Technik, bei der das Bild automatisch eingefroren wird, sobald er die grüne Taste auf seinem Telefon drückt. Und ist das Gespräch beendet, läuft das Bild weiter.

Aber Bob schaut nicht beliebig fern, er lässt sich Sendungen über eine „Content Recommendation Engine“ vorschlagen. Der Anbieter kennt die Metadaten der Programme und die Profile seiner Kunden, und die werden mit jeder abgegebenen Bewertung einer Sendung schärfer. Denn alles läuft über das Internet, ebenso wie Voting oder interaktive Werbung.

Bei den vielen Sendungen gibt es die eine oder andere, die Bob auch seinen Freunden empfehlen möchte. Da weiß er genau, wer von seiner „Community“ gerade den Fernseher eingeschaltet hat und schickt die Empfehlung oder gleich das ganze Programm in die Lande. Und wenn das auch bei Alice angekommen ist, können sich beide per TV-Chat austauschen – bis zur Verabredung einer gemeinsamen Reise.

„Alle hierfür genutzten Dienste basieren auf dem Internetprotokoll, und so kommt es zur Konvergenz von Internet, Fernsehen und Telekommunikationstechniken auf technischer Ebene. Wir sprechen da von der NGN-Plattform, dem Next Generation Network. Die bisherige Leitungsvermittlung wird durch eine paketvermittelnde Infrastruktur ersetzt“, erklärt Robert Seeliger vom Fraunhofer-Institut Fokus.

Doch die Individualisierung hört bei Programmempfehlungen nicht auf. Bob und Alice bekommen im gleichen Programm unterschiedliche Werbespots vorgesetzt. Während er sich für Vierrädriges interessiert und zur Probefahrt mit dem neuen BMW eingeladen wird, steht sie mit allen Vierbeinern auf „Du“ und bekommt eben öfter mal „Whiskas“- oder „Chappi“-Reklame zu sehen. Streuverluste lassen sich durch dieses „Target-Advertisment“ jedenfalls reduzieren.

Teilnahme an Quizsendungen und Umfragen wird ebenso möglich wie Teleshopping der neuen Art: Ein Druck auf die „Kaufen“-Taste – und schon blättert sich ein Menü auf, das zur Eingabe der üblichen Angaben auffordert. Im Internet ist das zum Teil schon selbstverständlich, im Fernsehen waren alle Ansätze bislang gefloppt.

Jetzt also der neue Weg – Internet, Fernsehen und Handy kommen zusammen. Die jeweiligen Anwendungen, auch Widgets oder Applets genannt, sind kleine portierbare Computerprogramme, die auf dem TV-Bildschirm ablaufen und selbst keine ständige Internetverbindung benötigen. „Die Zuschauer bleiben vor dem Fernseher, brauchen den PC nicht zu starten und können trotzdem über beliebige Entfernungen miteinander kommunizieren und interagieren“, ist Seeliger zuversichtlich.

Doch wo bleibt die Praxis? „Die namhaften Lieferanten und Diensteanbieter sind an solchen Techniken brennend interessiert, wollen die Werbung zielgerichteter einsetzen. Wir zeigen dazu Möglichkeiten auf“, so Oliver Friedrich, Leiter des Projekts, bei dem es um interaktive und personalisierte Zusatzinformationen im IPTV geht.

An der nächsten Web-Generation wird bereits heftig gearbeitet. Nicht mehr alles aus einer großen Zentrale, sondern jeder Nutzer wird auch Inhalteanbieter, aus Consumern werden Prosumer, eben Produzenten und Konsumenten. Was jetzt schon bei Flickr und YouTube passiert, was mit Microblogging in Form von Twitter & Co. möglich wird, ist Kommunikation in einer anderen Dimension, ist – aufs Handy gebracht – Web 2.0 in der Hand. „Das ist eher die Idee vom Mitmach-Web – und das wollen wir mit einfachen Mitteln der Widgets auf ganz normale Handys bringen“, erläutert David Linner vom Fraunhofer-Institut Fokus.

Mit den schnellen drahtlosen Internetzugängen geht das zumindest immer einfacher und schneller. „Doch das Web 1:1 aufs Handy geht nicht, wir müssen uns fragen, welche Dienste machen mobil überhaupt Sinn“, relativiert Linner. Daher ist seine Abteilung gleich mit zwei Präsentationen möglicher Anwendungen ins TWF gezogen, nämlich mobilem Carsharing und dem virtuellen Notizzettel.

Ende der 60er klebte in vielen Autos ein roter Punkt an der Windschutzscheibe – als Signal für die Mitnahmebereitschaft von Anhaltern, die sich gegen steigende Tarife wehrten. Jetzt kommt Fokus mit einer ähnlichen Idee daher: Wer Bus oder Bahn verpasst hat, aktiviert auf dem Handy ein Widget und signalisiert der virtuellen Mitfahrzentrale seinen Fahrwunsch. Ein bereitwilliger Autofahrer – oder eine Fahrerin – in der Nähe bekommt den aufs Handy und erfährt so Straßenecke oder Bushaltestelle des Mitfahrers sowie dessen Wunschziel.

Möglich ist auch ein Telefongespräch zwischen beiden oder die Sammlung weiterer Mitfahrkandidaten. „Später können beide Parteien auch noch Bewertungen abgeben“, denkt Linner das Szenario weiter. Für Handys mit GPS an Bord sollte der 10-m-Ortungskreis genügend exakt sein, um den Mitfahrer zu erkennen. Vielleicht kommt es ja dann doch noch zu einer Renaissance des roten Punkts.

Eine weitere Anwendung macht nun richtig Appetit. Da geht es um die Currywurst, die an dieser Bude wohl die beste sein soll. Das haben die Freunde gepostet und so steht es nun auf dem Handydisplay. Die elektronischen Zettel sind ein Zwischending zwischen einer LBS-Information (Location Based Services) und der guten alten Haftnotiz. Gezielt lassen sich „gepostete Orte“ ansteuern, das Handydisplay wird zum Navigator.

An Sehenswürdigkeiten könnten ebenfalls virtuelle Notizzettel kleben. Wer an der Berliner Siegessäule vorbeiläuft, wird erfahren, dass 285 Stufen nach oben führen oder wo auf der Messe die Freunde sind, nämlich im TWF in Halle 5.3. RAINER BÜCKEN

Vom Fernsehsessel aus im Internet surfen – und das, ohne den PC starten zu müssen

  • Rainer Bücken

Stellenangebote im Bereich Elektrotechnik, Elektronik

B. Braun Melsungen AG-Firmenlogo
B. Braun Melsungen AG Abteilungsleitung Technik, Gebäude und Anlagen (TGA) (m/w/d) Bad Arolsen
Deutsche Rentenversicherung Bund-Firmenlogo
Deutsche Rentenversicherung Bund Elektroingenieur (m/w/d) Bereich Schwachstrom Berlin
AGCO GmbH-Firmenlogo
AGCO GmbH Systemingenieur (m/w/d) Software Marktoberdorf
RAYLASE GmbH-Firmenlogo
RAYLASE GmbH Projektleiter/-in Kunden- und Entwicklungsprojekte (m/w/d) Weßling
Netzgesellschaft Frankfurt (Oder) mbH-Firmenlogo
Netzgesellschaft Frankfurt (Oder) mbH Netzingenieur Strom (m/w/d) Frankfurt (Oder)
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Spezialist (m/w/d) Display-Systeme Weissach
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) modellbasierte Softwareentwicklung Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Mitarbeiter Elektrik Musterbau (m/w/d) im Bereich Automotive Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) Embedded Softwareim Bereich Automotive Fellbach bei Stuttgart
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Automotive System Engineer (m/w/d) Fellbach bei Stuttgart

Alle Elektrotechnik, Elektronik Jobs

Top 5 Elektronik

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.