Hybrid-TV 13.08.2010, 19:48 Uhr

Tête-à-Tête von Fernsehen und Internet in deutschen Wohnzimmern

Seit Langem wird das Zusammenwachsen von Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie beschworen. Zur kommenden IFA Anfang September soll eine Reihe von TV-Geräten vorgestellt werden, die Fernsehen und Internet in einem möglich machen. IPTV, also Fernsehen über das Internet mit eingeblendeten Zusatzdiensten aus dem World Wide Web, soll verstärkt in die Haushalte hierzulande Einzug halten.

Geht es nach Axel Schmiegelow, dann zählt die Empfehlung seiner Freunde in sozialen Netzwerken inzwischen sehr viel mehr als ein Tipp in einer Fernsehzeitschrift. Für den Chef des Kölner Videoportals Sevenload hat „dies allein massive Auswirkungen darauf, wie wir Fernsehen konsumieren“.

Auf dem „IPTV-Summit“ des Branchenverbandes Bitkom teilten Gerätehersteller, IPTV-Macher und Fernsehproduzenten fast einhellig diese Einschätzung mit ihm. Der „Bitkom-Webmonitor“, eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa, zeigt: Jeder zweite Internetnutzer schaut hierzulande WebTV, also Fernseh- und Videoangebote wie Youtube über den Internetbrowser. Das sind laut Bitkom-Webmonitor rund 25 Mio. Bundesbürger. Damit sei Deutschland weltweit der größte Markt hinter Südkorea und noch vor den USA.

Die dazugehörende Zielgruppe ist relativ jung, sehr gut ausgebildet und vorwiegend männlich. Bei ihr übersteige die Nutzungsdauer des Internets mit rund 13,8 Stunden pro Woche bereits die des herkömmlichen Fernsehens mit 12,2 Stunden pro Woche.

Für Schmiegelow, der zudem den Bitkom-Arbeitskreis „IPTV & WebTV“ leitet, ist kein Ende des Booms rund um WebTV & Co absehbar. Denn: „Auch HTML 5 ist da.“ Damit werde die Einbindung „audiovisueller Inhalte und sozialer Interaktionen in eine Webseite viel einfacher. Über den Browser wird dann nicht mehr eine ganze Seite ausgeliefert, sondern eine Art Legobaukasten.“ Dies erlaube es, einzelne audiovisuelle Inhalte oder Grafiken je nach Aktualität rasch auszuwechseln, weil sie direkt vom Server geladen werden.

Zwar beruhten bislang die Webseiten noch zu 90 % auf der Vorgänger-Programmiersprache HTML 4, doch das werde sich schnell ändern. Allein die beliebten Tablet-PCs geben hier einen enormen Schub. Neben iPad, WeTab & Co erwarteten die Experten auf dem IPTV-Summit rund 20 bis 30 weitere Geräte, die Anfang kommenden Jahres auf den Markt kommen sollen.

„Tablets sind auch eine Art neue Fernbedienung für das herkömmliche TV-Gerät und das Home-Entertainment“, ist Helmut Hoffer von Ankershoffen überzeugt, der im September das WeTab auf den Markt bringen will. Der Berliner Geschäftsführer der WeTab GmbH (siehe auch Seite 15) denkt zudem bereits darüber nach, wie diese Geräte eine Anbindung zur Settop-Box erhalten, um „z. B. zu recherchieren, wo man die Klamotten der Stars aus ‚Sex and the City‘ kaufen kann“.

Die logische Folge all dieser Entwicklungen für die Experten auf dem IPTV-Summit: Die Zeit ist reif für Geräte, die die Welten Fernsehen und Internet in einem möglich machen.

Dabei wird der „Flachbildschirm zum multimedialen Terminal, auf dem das klassische lineare TV nur als eine von zehn Anwendungen läuft“. Davon ist Matthias Greve, früherer Gründer des Internetportals Web.de und heutiger Chef der Karlsruher Videoweb, überzeugt: „In spätestens fünf Jahren werden rund 50 % der TV-Geräte vernetzt sein.“ Dies prophezeien Gerätehersteller schon lange, doch bislang sind ihre Bemühungen nicht so recht auf fruchtbaren Boden gefallen. Inzwischen gibt es jedoch hierzulande mehr als 25 Mio. hochauflösende HDTV-Flachbildschirme mit HDMI-Eingängen für digitales Bild und digitalen Ton in deutschen Wohnzimmern sowie rund 22 Mio. Breitbandanschlüsse.

Laut Greve seien jetzt zudem alle Komponenten im Markt und viele Standards von Weltgremien ratifiziert. Greve zählt dazu leistungsfähige Multimediaprozessoren, die speziell für die Unterhaltungselektronik in großen Stückzahlen am Markt seien und die zudem noch digitales Rechtemanagement beherrschten. Dazu kämen Codierverfahren wie H 264 für die leistungsfähige Komprimierung von Videos, die damit „direkt von einem Server in den Fernseher eingespielt werden können“.

Allem voran sei aber mit HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV), ein „neuer Standard der europäischen Broadcaster“ da, den die Gremien ETSI/EBU verabschiedet hätten. Laut Greve wird die HbbTV-Technologieplattform künftig die Entwicklung von interaktiven Anwendungen auf dem Fernseher möglich machen.

Eine davon heißt „Red-Button“: Sender mit einem Zusatzangebot im Internet blenden in ihr Satellitensignal den „roten Knopf“ ein. Wird dieser über die Fernbedienung gedrückt, öffnet sich über dem TV-Bild ein transparenter Browser. Ebenfalls per Fernbedienung kann nun via Internet im Angebot des Senders gesurft werden.

Dafür stehen laut Greve inzwischen internetfähige Satellitenreceiver seiner eigenen Firma Videoweb sowie des Wettbewerbers Humax bereit. „Weitere elf Settop-Boxen wurden bereits als Prototypen vorgestellt“, sagte Greve. Damit seien 80 % des Marktes für das Red-Button-Angebot bestellt. Zudem seien Sender wie ARD bereits damit live, das ZDF ziehe nach und auch RTL will hier aktiv werden.

NIKOLA WOHLLAIB

Ein Beitrag von:

  • Nikola Wohllaib

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Elektrotechnik, Elektronik

WEMAG Netz GmbH-Firmenlogo
WEMAG Netz GmbH Ingenieur Einspeisemanagement und Anschlussbearbeitung (m/w/d) Schwerin
Eckert & Ziegler BEBIG GmbH-Firmenlogo
Eckert & Ziegler BEBIG GmbH Wartungsingenieur Fertigungsanlagen (m/w/d) Berlin-Buch
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Kölner Verkehrs-Betriebe AG Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d) Köln
Deutsche Bahn AG-Firmenlogo
Deutsche Bahn AG Elektroingenieur (w/m/d) keine Angabe
Jungheinrich AG-Firmenlogo
Jungheinrich AG Versuchsingenieur AGV (m/w/d) Lüneburg, Moosburg
Oka Büromöbel GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Oka Büromöbel GmbH & Co. KG Betriebsingenieur für Produktionstechnik (m/w/d) Ebersbach-Neugersdorf
swa Netze GmbH-Firmenlogo
swa Netze GmbH Geschäftsbereichsleiter (m/w/d) Augsburg
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professorin/Professor für Embedded Systems (m/w/d) Rapperswil (Schweiz)
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Manager Manufacturing Quality (m/w/d) Oberursel (Taunus)
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Spezialist (m/w/d) Display-Systeme Weissach

Alle Elektrotechnik, Elektronik Jobs

Top 5 Elektronik

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.