Konsumelektronik 23.09.2005, 18:40 Uhr

Tanz um die Festplatte in Handy und MP3-Player  

VDI nachrichten, Berlin, 23. 9. 05 – Die bisher getrennten Welten des legalen Musik-Downloads auf Rechner, portable Player und Handys wachsen zusammen. Auf der größten europäischen Musikmesse „Popkomm“, die in der vergangenen Woche in Berlin lief, wurden neue Kombi-Dienste vorgestellt. Experten geben aber auch Abonnement-Lösungen gute Chancen, wie sie Napster zum Weihnachtsgeschäft auch hier zu Lande anbieten will.

Als durch und durch „analog“ outete sich Herbert Grönemeyer, Schirmherr des IMEA-Awards (Innovation in Music and Entertainment), bei der Preisverleihung auf der Popkomm. Dennoch zeigte sich Grönemeyer beeindruckt von all den neuen Geschäftsmodellen rund um die digitale und mobile Musikwelt und übergab Nimrod Lev den ersten Preis für „seine spielerische Karaoke-Anwendung über das Internet“. Der Gründer und Geschäftsführer des New Yorker Start-ups kSolo verspricht Nutzern, dass ein Computer, ein Mikrofon, eine Internetverbindung und ein legaler Musikkatalog aller großen Labels ausreiche, um Lieblingslieder zu singen, aufzunehmen, um sie schließlich per E-Mail oder E-Card zu verschicken. „Unsere kompakte Java-Anwendung reagiert durch eine ausgefeilte Technologie im Hintergrund auf die Stimmung des ausgewählten Songs und ändert dann ihr Look and Feel auf der Internetseite“, erklärt Lev. Im Oktober soll auch die Handyversion entwickelt sein, mit der man seinen selbst eingesungenen Lieblingssong in einen Klingelton konvertieren kann.

Doch eigentlich wurde die Popkomm vom Trend dominiert, Musik auf Handys, Rechner oder portable Player via Download zu übertragen. Flaggschiff soll dabei das neue „ROKR-Handy“ von Motorola werden, das erst gegen Jahresende auf den europäischen Markt kommt. Der Clou: Es hat die beliebte iTunes-Software von Marktführer Apple integriert. Allerdings beherrscht der Multikönner kein direktes Herunterladen von Songs über Mobilfunknetze.

Dafür standen auf der Popkomm Majors wie Universal Music Deutschland schon in den Startlöchern. Stefan Schulz, Chef der Mobilsparte bei Universal, will den Vertrieb ganzer Songs über das Handy ab Ende des Jahres zulassen. Dies bringe neue Erlöse im Geschäft mit Inhalten, das derzeit zu 95 % aus Klingeltönen bestehe.

Hier allerdings gibt es einen Wermutstropfen. „Der Umsatz hier zu Lande mit Klingeltönen ist im vergangenen Quartal um 14 % eingebrochen“, bedauert Schulz und macht dafür die aggressive Vermarktung des mobilen Portals Jamba! verantwortlich. Hat die Branche genug von Schnappi und Konsorten? Wohl kaum. Marktforscher wie Informa Media erwarten nach wie vor attraktive Umsätze bei Klingeltönen, der Markt soll weltweit von 4,9 Mrd. $ im Jahr 2004 auf 6,8 Mrd. $ in 2010 wachsen.

Dagegen sind die Erwartungen bei den Umsätzen mit ganzen Songs auf dem Handy noch bescheiden. Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2008 rund 800 Mio. € erzielt werden können. Marktforscher von IDC und Jupiter schätzen, dass in Europa die Anzahl der Downloads ganzer Musikstücke von derzeit 10 Mio. auf 395 Mio. im Jahr 2008 hochschnellt. Dann sollen auch 85 % der Mobiltelefone Songs abspielen können, um den beliebten MP3- Playern Konkurrenz zu machen.

Für die mobile Downloadwelt hat sich inzwischen die Audiokodierung aacPlus durchgesetzt. AacPlus wurde ursprünglich am Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen entwickelt und wird nun vom Stockholmer Unternehmen Coding Technologies vermarktet. Sie liefert im Vergleich zu anderen Kodierungsverfahren höchste Audioqualität bei sehr niedrigen Bitraten. AacPlus kommt mit 32 kbit/s bei der Wiedergabe aus, im Gegensatz zu 128 kbit/s in der Online-Downloadwelt. „2005 werden 20 Mio. aacPlus-fähige Mobiltelefone verkauft, dies könnte sich 2006 leicht vervierfachen“, freut sich David Frerichs, US-Manager von Coding Technologies.

Mobilfunkunternehmen, Handyhersteller und Labels rüsten sich zudem gerade mit bis zu 4 GByte großen Festplatten in UMTS-Handys für den neuen Markt. Der Download eines Songs soll über die schnellen UMTS-Netze nur eine Minute dauern. Pünktlich zur Popkomm senkten sowohl Vodafone als auch die Telekom-Töchter T-Online und T-Mobile nicht nur die Preise je Song. Die Konzerne verkündeten auch neue Angebote, die Downloadplattformen im Internet und mobile Portale miteinander verzahnen. Bei Vodafone, bisher Vorreiter in Sachen mobiler Musikdownload, kann man nun auch im Internet Musik kaufen und vom PC aus auf derzeit neun UMTS-Handys laden.

Umgekehrt ist es beim deutschen Marktführer Musicload von T-Online. Der neue Dienst „Mobile Jukebox“ ist derzeit auf drei UMTS-Handys vorinstalliert und so lassen sich Songs via Handy kaufen. Danach steht der mobil gekaufte Song auch im Musicload-Webshop zum Herunterladen auf den PC bereit. Gleiches funktioniert auch online im proprietären Windows Media Audio-Format (WMA). „Einmal bestellt, erwerben Kunden sowohl die Nutzungsrechte für Handy und PC“, so Susanne Peter. Die Marketingmanagerin von Musicload setzt auf „Zielgruppen, die sich ideal ergänzen“. Während die Nutzer online zwischen 25 und 39 Jahre alt seien, sind die mobilen Musikhörer mit 18 bis 25 Jahre wesentlich jünger. Für die mobile Auslieferung setzt man auch bei Musicload auf aacPlus. Sukzessive werden die derzeit 300 000 verfügbaren Titel in aacPlus auf das gesamte Musicload-Repertoire von derzeit 570 000 Titel aufgestockt.

Doch sowohl auf der Popkomm wie auf dem Kongress „Pimp your rights“, der vom Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten veranstaltet wurde, sprachen die Branchenvertreter die technischen Hemmnisse für den neuen Hörspaß an. Sei es der proprietäre Formate-Wirrwarr, der immer noch die Musikwelt beherrscht, oder die Konfusion der Nutzer über Einschränkungen beim Rechteerwerb für Musik.

Experten geben deshalb Abodiensten wie Napster, die in den USA längst brummen, sehr gute Chancen auch auf dem deutschen Markt. Das Modell erlaubt für 10 € monatlich unbegrenztes Stöbern in rund einer Million Songs und für 15 € auch das Herunterladen von Musik auf portable Player. Zusätzlich besteht die Option zum Kauf von Musik. Damit „wollen wir Nr. 2 auf dem Markt werden“, sagte Thorsten Schliesche, Deutschlandchef von Napster, auf der Popkomm. N. WOHLLAIB

Von N. Wohllaib

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