Konsumelektronik 06.12.2002, 18:23 Uhr

Schönster Klang vom analogen Datenträger

Die Tage der Musikkassette scheinen gezählt, eine Investition in diese Technik nicht mehr zeitgemäß. Doch was ist, wenn das getreue Tapedeck in der Hi-Fi-Anlage den Geist aufgibt und Hunderte von Kassetten noch der Überführung auf CD harren? Es gibt noch Ersatz auf dem Markt, vielleicht die letzte Investition in das Medium „Magnetband“, um mit bester Qualität den Schall vergangener Jahre ins digitale Jahrtausend zu überspielen.

Anders als im digitalen Musikbereich kann man beim analogen Hörvergnügen durch sorgfältige Geräteauswahl und Justage viel versteckte Qualität in der Hi-Fi-Anlage mobilisieren. „Digital“ funktioniert – oder auch nicht. Bei der analogen Technik ist das anders: Hier kann man sich behutsam, Stückchen für Stückchen an das Optimum herantasten. Wenn allerdings die Grundqualität nicht stimmt, ist das vergebens.
Trotzdem scheinen zum Beispiel die Tage der Musikkassette im Bereich aktiver Musikhörer und -nutzer gezählt. Der Trend geht zur CD-R besonders, seit es mit MP3 ein Speicherverfahren gibt, mit dessen Hilfe fast ein halber Tag Musik auf die Scheibe passt.
Um es ein vielleicht letztes Mal zu klären, was Tapedecks zu leisten im Stande sind, haben wir fünf Geräte unterschiedlicher Kategorien untersucht: Einen Billig-Marken-Walkman mit Klangverbesserungs-Schaltungen und Autoreverse (Panasonic RQ-E14), ein Autoreverse-Doppeldeck von Teac (W-860R), zwei Highend-Rekorder mit Hinterbandkontrolle (Sony TC-KB920QS und Teac V-1050) sowie als gutes, einfaches Normal-Gerät das Yamaha KX-493.
Das Yamaha ist besonders durch die Play-Trim-Schaltung zur Verbesserung der Wiedergabequalität stumpf klingender Kassetten geeignet. Play-Trim ist ein Spezial-Höhenregler im Rekorder, der die Höhenverluste innerhalb des Gerätes ausgleicht – ohne dass das Rauschen dabei über Gebühr zunimmt.
Wie gut Kassetten am Ende einer langen Erfolgs-Story und Entwicklung klingen können, bewies im vergleichenden Hörtest der Teac V-1050 und bei der Rückwärts-Wiedergabe im zweiten Laufwerk der Teac W-860R. Mit Sony und Yamaha waren sie dem – preislich allerdings konkurrenzlosen – Panasonic-Player überlegen.
Das Teac V-1050 überzeugte im Hörtest durch klare, stabile Höhen und eine innere Feinzeichnung des Klanges, die ihresgleichen sucht. Das W-860R aus dem gleichen Haus konnte fast mithalten.
Sony und Yamaha lösten den Klang vorbespielter Kassetten nicht ganz so fein auf, klangen etwas dichter und dicker. Die Wiedergabe des kleinen Panasonic wurde erst mit der High-Boost-Schaltung klar, dennoch vermissten wir die deutliche Durchzeichnung.
Musikkassetten sind eine ausgereifte Technik: Vom problemlosen Tonspeicher, der zunächst für die Freizeitberieselung entwickelt worden war, mauserten sich Compact-Kassetten seit den 60er Jahren zum universellen Speichermedium.
Eine Sensation war der Qualitätssprung mit Chromdioxid-Band und Dolby-B-Rauschunterdrückung, mit der das dünne Band in der kleinen Kassette akustisch mit den großen Spulentonbändern und den Langspielplatten gleichzog. Aber es war viel handlicher und praxisgerechter für die sich mobilisierende Gesellschaft.
Sogar Computerdaten wurden zu Zeiten des seligen Commodore 64 darauf gespeichert. Im Radiorekorder, im Auto, in der Hi-Fi-Anlage, im Computer, Walkman, in Bus und Bahn: Kassetten schienen überall zu sein.
Mit dem Walkman von Sony wurden die kleinen Tonbandspulen im Kunststoffgehäuse zum weltweit erfolgreichsten Tonträger. Erfüllten sie doch den Wunsch, das eigene (Musik-)Programm überall zu hören. Entweder mit Kopfhörern oder über eine Anlage mit Lautsprechern. Noch heute kann man davon ausgehen, dass es in vielen Haushalten mehrfache Möglichkeiten gibt, Kassetten abzuspielen.
Computertechnik und beschreibbare CDs haben im Hi-Fi-Bereich die Musikkassetten schon fast vollständig verdrängt. CDs werden heute auf CD-R kopiert, es entsteht eine absolut gleichwertige Kopie, die akustisch und im Gebrauch nicht vom Original zu unterscheiden ist. Damit können Kassetten nicht dienen. Komfortfunktionen wie nummerierte Titel, Zeitanzeige beim Abspielen und das sekundenschnelle und präzise Abrufen aller Titel oder die programmierte Wiedergabe in einer beliebig wählbaren Reihenfolge der Titel sind ihre Sache nicht.
Die technisch identische, rausch- und verzerrungsfreie Kopie gelingt trotz teils sehr guter Qualität mit Kassetten nicht. Sie sind im Vergleich zur CD immer am Klang erkennbar. Er ist eine Generation „schlechter“. Auch kann man nicht sicher sein, beim Tausch der Wiedergabegeräte Top-Klangqualität zu erhalten. Zu viel hängt ab von dessen Pflegezustand und Einstellungen.
Kein Wunder, wenn die in der Praxis erheblich einfachere digitale Technik mit einer Scheibe als Speichermedium dem knapp 4 mm schmalen Tonband in der Kassette den Garaus macht. Wenn dann noch die Preise für das Rohmaterial günstig sind, hat die alte Technik ausgedient. Eine Stunde Spielzeit von CD-R mit allen Vorteilen kostet weniger als eine Stunde Kassette.
Dennoch: Die Kassette hat ihre Vorteile. Autoreverserekorder bieten über 90 min (fast) ununterbrochene Aufnahmezeit, daraus werden sogar 3 h mit einem geeigneten Doppeldeck, das zwei Kassetten nacheinander bespielt.
Das ist ideal für lange Rundfunksendungen vom Satellitentuner, um sie zeitversetzt zu hören. Fehlaufnahmen können überspielt werden. Auch im Flieger sind Kassettenhörer im Vorteil: Sie dürfen ihre eigene Programmquellen nutzen. Digitale Wiedergabetechnik mit CD-Playern ist wegen der möglichen Störstrahlung aus dem Batteriegerät oft verboten. REINHARD FRANK

Von Reinhard Frank

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