Automobilelektronik 16.11.2001, 17:31 Uhr

Schneller Lieferantentausch dank Bussystem

Die Autofahrer selbst haben davon allerdings Vorteile.

Kein Zweifel: DaimlerChrysler ist aus Sicht seiner Zulieferer ein anspruchsvoller Kunde. Das hat jetzt auch der Hildesheimer Navigationsspezialist Blaupunkt zu spüren bekommen. Der „technisch bedingte Zeitverzug“ bei der Entwicklung eines Navigationssystems für die künftige E- und S-Klasse führte denn auch prompt zum Verlust eines Großauftrags für die Bosch-Tochter. Die Systemkomponenten – alles in allem ein Auftrag in Höhe von 800 Mio. DM – werden nun die Konkurrenten Siemens VDO Automotive und Becker fertigen. Ein Imageverlust für Blaupunkt, der auch mit anderen Aufträgen nur schwerlich wettzumachen ist.

Entscheidend für diesen schnellen Schachzug der Stuttgarter Edel-Autobauer war allerdings auch ein technisches Detail. Um Radio-, CD-, Telefon- und Navigations-Komponenten verschiedener Elektronik-Spezialhersteller unter einer Bedien- und Funktionsoberfläche zu kombinieren, setzt die Automobilindustrie genormte Datenübertragungs-Schnittstellen ein. So auch DaimlerChrysler. Der MOST-Bus (Mobile Oriented System Transport) ersparte den Stuttgartern lange Entwicklungszeiten.

Der schnelle Lieferanten-Wechsel war also nur möglich, weil Blaupunkt und Navigations-Nachfolgelieferant Becker bereits Komponenten mit MOST-Schnittstellen „im Angebot“ hatten. Nach mehreren Jahren Vorlaufzeit entschied die Becker-Tochter „Innovative Systems“ in Hamburg quasi auf der Zielgeraden das Rennen für sich, weil sich die Tochter des zum amerikanischen Harman-Konzern gehörenden Autoradiospezialisten in der Lage erklärte, mit nur einem halben Jahr Vorlauf bis zum Frühjahr 2002 serienreif liefern zu können.

Erst Anfang 2000 hatte Becker die Hamburger Intelligence-Dependance Innovative Systems erworben, die nun für schnellere Serienfertigung steht. Pikantes Detail: Vor etwa 10 Jahren hatte es den Versuch einer Kooperation zwischen der Blaupunkt-Mutter Robert Bosch GmbH und Innovative-Systems gegeben, die aber nicht zustande kam.

Doch auch für die nun erwählten Lieferanten dürfte die fristgerechte Lieferung eine große Herausforderung sein. Trotz standardisierter Bussysteme ist das „Plug-and-Play“ bei der Auto-Navigation eben nicht so einfach wie in der PC-Welt. Für Siemens VDO Automotive als Lieferant der Rundfunkempfangs-, Telefon- und Bedieneinheiten und die Becker-Ingenieure jedenfalls bedeutet es Wochenend- und Nachtarbeit. Noch immer sind Detailanpassungen nötig. Eben genau jene Änderungswünsche, die die Zusammenarbeit zwischen DaimlerChrysler und Blaupunkt bei diesem Projekt scheitern ließen.

Mercedes-Käufer dürften sich im nächsten Frühjahr über dieses Hin und Her wenig Gedanken machen. Die künftigen Nutzer von „Comand“ – Cockpit Management und Data System werden den Hersteller-Wechsel allerdings an der komfortableren Navigation erkennen. Bei einer Fahrt mit elektronischer Unterstützung von Hamburg nach Paris und zurück über Darmstadt muss ein Blaupunkt-Nutzer vier Mal Navigations-CDs wechseln: Deutschland, Benelux, Frankreich, Deutschland. Erst mit erheblich teurerer DVD-Technik wäre dies über den derzeitigem Blaupunkt-Datenspeicher-Standard zu lösen.

Becker-Navigationsbenutzer brauchen das nicht. Deren Hamburger Datensammler bringen auf dem Speicherplatz einer einzigen CD schon seit Jahren die Straßennetze von 15 europäischen Ländern unter. Weiterer Vorteil: Nach Eingabe des Zielortes sind die Daten-Wege im Becker-Autoradio gespeichert – so dass der CD-Rom-Player ungehindert zum CD-Hören benutzt werden kann.
REINHARD FRANK/ REGINE BÖNSCH

www.blaupunkt.de
www.becker.de

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