Konsumelektronik 20.11.1998, 17:20 Uhr

Philips schließt ein Drittel seiner Fabriken

Der Elektronikkonzern Philips hat drastische Sanierungen angekündigt. Die Niederländer wollen weiterhin auf digitale Konsumgeräte, spezielle Chips, aber auch auf den Verlustbringer Mobilfunk setzen. Hingegen wird in manch einer Keimzelle des Unternehmens der Rotstift gezückt.

Die niederländische Royal Philips Electronics NV steht vor neuen umfangreichen Umstrukturierungen. Philips wird in den kommenden vier Jahren 84 der insgesamt 244 Fabriken in aller Welt schließen. Ziel der Reorganisationsmaßnahme ist es, vorhandene Überkapazitäten abzubauen und damit die Kosten in einzelnen Unternehmensbereichen noch weiter zu senken. Gleichzeitig aber sollen drei der insgesamt sieben Unternehmensbereiche, nämlich die Sparten Beleuchtung, Medizintechnik und Halbleiter zügig weiter ausgebaut werden, so teilte Philips in Amsterdam mit. Nach Angaben von Philips ist noch kein „detaillierter Plan“ entworfen worden, welche Fabriken von der Schließung betroffen sein werden.
Für Amsterdamer Analysten jedoch ist bereits deutlich, welche Sektoren mit Fabrikschließungen rechnen müssen. Sie meinen, die mit der Reorganisation verbundene Schließung zahlreicher Philips-Produktionsanlagen werde hauptsächlich in den Sektoren Sound & Vision (Unterhaltungselektronik) sowie bei den Bauteilen stattfinden und voraussichtlich Fabriken in Ländern wie Holland, Österreich, Deutschland, Spanien, Belgien oder Polen betreffen.
Auch in der Philips-Keimzelle, der Beleuchtung, werden die Produktionskapazitäten aller Voraussicht nach gestrafft. Dort muß künftig mit weniger Personal an weniger Standorten mehr und kostengünstiger produziert werden. Die Gewerkschaften sind über den drohenden neuerlichen massiven und völlig unerwartet angekündigten Stellenabbau erbost. Sie wollen diesmal nicht, wie bei der letzten großen Sanierungsrunde im Jahr 1990, stillhalten und drohen mit Gegenmaßnahmen.
Aber Philips will nicht nur schrumpfen, sondern in anderen Bereichen wieder wachsen. Zügig ausgebaut werden sollen die Sektoren Medizintechnik und der Halbleiterbereich (Chips), in dem Philips in Singapur gemeinsam mit der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) rund 1,2 Mrd. Dollar investieren will. In Singapur soll bis zum Jahr 2000 eine der größten und modernsten Chipfabriken von Philips entstehen.
„Die nun angekündigte Sanierung ist eigentlich ein logischer Schritt, weil das Volumenwachstum in wichtigen Märkten, auf denen Philips tätig ist, niedriger als erwartet ist“, erläutert Wouter de Ridder, Analyst bei der Amsterdamer Effektenbank Kempen & Co., die neuerliche Philips-Sanierungsmaßnahme. Das gebremste Volumenwachstum sei bei Philips hauptsächlich in den Sparten Unterhaltungselektronik, Bauteile und Beleuchtung zu spüren, meint de Ridder. Ad van de Laar, Analyst bei der Bank Labouchere, rechnet sogar damit, daß Philips im laufenden vierten Quartal aus dem operativen Geschäft – also ohne den etwa rund 15 Mrd. Gulden umfassenden Buchgewinn, der aus dem Verkauf der Schallplatten-, CD- und Film-Tochter Polygram resultiert – sogar einen Verlust buchen muß, „der einige 100 Mio. Gulden betragen könnte“.
Edwin Flick, Analyst bei der renommierten Amsterdamer Merchant Bank Mees Pierson, dagegen kritisiert vor allem das Festhalten von Philips an der Produktion von Mobilfunkgeräten, hauptsächlich Handies. „Diese strategische Entscheidung ist für mich äußerst fraglich. Denn es steht nicht fest, ob dieses Engagement mittelfristig für Philips gewinnbringend sein wird.“ In der Sparte Mobilfunk, in der Philips soeben sein Joint-venture mit den amerikanischen Lucent Technologies aufkündigte, wird das niederländische Elektronikunternehmen nach Einschätzung der Amsterdamer Analysten 1999 voraussichtlich einen Verlust in einer Größenordnung von 1,2 Mrd. Gulden buchen müssen. Trotzdem bekräftigte Philips-Chef Cor Boonstra noch im November, daß das Unternehmen auf diesem Gebiet aktiv bleiben werde – entweder selbständig oder mit einem neuen Partner.
Mit der nun von Philips-Chef Cor Boonstra angekündigten neuerlichen Sanierungsrunde wird die neue Philips-Strategie endlich deutlicher. Das Unternehmen will auf der einen Seite Massenhersteller von digitalen Geräten der Unterhaltungselektronik bleiben, gleichzeitig aber die Spezialbereiche wie die Halbleiterfertigung und die Medizintechnik zu neuen Wachstumssäulen des Unternehmens ausbauen und das Engagement im Mobilfunk bis auf weiteres beibehalten. Finanziell kann sich Philips die Verluste im Mobilfunk bisher noch erlauben, da Ende des Jahres ein warmer Geldregen auf das seit Mitte des Jahres mit Hauptsitz in Amsterdam ansässige niederländische Elektronikunternehmen herunterprasseln wird. Er resultiert aus dem Verkauf der Musik- und Entertainmentgruppe Polygram an die kanadische Seagram. Dieser Verkauf wird Philips nach Schätzungen Amsterdamer Analysten rund 15 Mrd. Gulden als Buchgewinn in die Kasse bringen.
HELMUT HETZEL

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