Konsumelektronik 07.10.2005, 18:40 Uhr

Pfiffig Verbindungen herstellen  

VDI nachrichten, München, 7. 10. 05 – Netzwerk-Player sind die Alleskönner in der Unterhaltungselektronik. Denn sie geben die im heimischen Netzwerk angebotenen Medien wieder – egal ob Ton, Film oder Bild. Und dies noch möglichst komfortabel per Knopfdruck, vom Sofa aus. Die umständliche Suche nach CDs oder DVDs und deren Einlegen in den Player entfallen. Nur ohne Computer geht es nicht.

Eine zentrale Abspielanlage für die heimischen vier Wände benötigt einen Server, und diese Funktion übernimmt meist der Computer. Für MP3-Musik und Fotos ist der Rechner ohnehin erforderlich, dient er doch als Quelle und/oder Speicher für die Daten.

Um die PC-Musik zu Hause zu hören, musste bisher eine Verbindung zur HiFi- oder Audio-Anlage geschaffen oder ein Extra-Aktiv-Boxenset gekauft werden. Die Bedienung erfolgt dabei direkt am Rechner.

Mit der Windows XP Media Center Edition hat Microsoft sein Betriebssystem für Multimedia gerüstet. Dabei wird die Audio- und Videoanlage mit Fernbedienung und Fernseher als Display in den PC integriert. Nur muss dabei der Computer im selben Raum stehen, und eine Erweiterung auf andere Räume beinhaltet diese Lösung nicht.

Abhilfe schafft der Netzwerk-Player. Zwar ist dafür ein Heimnetzwerk erforderlich, doch zapft der Player dieses in beliebigen Räumen an und kann an jedem Ort aufgestellt werden. Zum Beispiel direkt nahe der Audio- und Videoanlage, wobei sich der Anschluss genauso einfach gestaltet wie der eines DVD-Players. Da der Netzwerk-Player seine Daten auch drahtlos per Wireless LAN (WLAN) bezieht, entfällt das lästige – und zuweilen unmögliche – Verlegen von Kabeln.

Für den Datentransport dient ein übliches Computernetzwerk (LAN), das sich mit einem Router preisgünstig aufbauen lässt. So können Netzwerk-Player auch Webradio empfangen. Eine interessante Alternative zur drahtlosen WLAN-Technik ist der Datentransport über das Stromnetz (s. Artikel).

Die Hersteller haben es bisher nicht geschafft, einen einheitlichen Begriff für den neuen Gerätetyp zu etablieren. Neben Netzwerk-Player laufen die Geräte auch unter Bezeichnungen wie Streaming Client oder Media-Receiver.

Grundsätzlich lassen sie sich in zwei Klassen unterteilen: die, die nur für Audio geeignet sind und jene, die auch das Anschauen von Videos und Fotos erlauben. Für unseren Test haben wir fünf Vertreter ausgewählt, die Bild und Ton beherrschen. Die Testkandidaten sind: der DSM-320 von D-Link (199 €), der Media MVP wireless von Hauppauge (149 €), Packard Bells Media@TV (279 €), das ShowCenter 200 von Pinnacle (279 €) und von WebPro das i-Theater DMS-110, ebenfalls 299 €.

Bei diesen Geräten erfolgt die Bedienung in Korrespondenz mit der Menüanzeige per TV-Monitor. So lassen sich tausende MP3-Files und Digitalfotos über den TV-Monitor optimal überblicken und auswählen. Dafür muss allerdings Fernseher auch beim Musikhören immer mitlaufen.

Die Multimedia-Geräte bieten per TV-Bildschirm ähnliche Anzeigemenüs wie DVD-Player. Die Daten sind sauber nach Audio, Video und Foto geordnet und per Tastendruck abrufbar. Obwohl also alle Kandidaten Audio, Video und Foto beherrschen, gibt es deutliche Unterschiede. Wichtig sind die verfügbaren Formate und Anschlüsse (s. Tabelle).

Sozusagen als Highend-Gerät präsentiert sich das ShowCenter 200 von Pinnacle. Als Erstes am Markt erhältliches Gerät ist es in der Lage, Videos und Fotos in High-Definition-Bildqualität (HD) wiederzugeben, also in den Auflösungen 720p und 1080i. Als Formate dafür werden MPEG2-HD und WMV-HD (WMV9) unterstützt.

In MPEG2-HD läuft seit letztem Jahr das Satellitenprogramm HD1, doch handelt es sich dabei eher um ein Auslaufmodell. Denn die zukünftigen Programme von Premiere und PRO7/SAT1 werden das Platz sparende Format H.264 einsetzen. Darauf lässt sich der Pinnacle auch nicht per Firmware aufrüsten.

WMV-HD ist ein von Microsoft entwickeltes Verfahren, mit dem sich Filme in High Definition auf DVD-ROMs unterbringen lassen. Auf den Rechner überspielt, gibt der Pinnacle solche Filme wieder. Für geschützte Discs gilt das, wenn die Original-DVD zuvor in das DVD-Laufwerk des PCs eingelegt und so das Abspielen autorisiert wurde. Auch die Wiedergabe sonstiger per DRM-Rechteverwaltung geschützter Inhalte erledigt das ShowCenter 200, während die anderen Kandidaten in dieser Hinsicht passen müssen.

Einen Sonderrolle bezüglich seiner Videoformate macht der preisgünstige Media MVP wireless. Anders als die getesteten Mitbewerber dekodiert der Hauppauge direkt nur MPEG2, so dass der PC während der Wiedergabe weiterer Formate eine Transkodierung vornehmen muss. Mit leistungsstarken Prozessoren ist davon im praktischen Betrieb aber nichts zu merken.

Wichtig für den Komfort ist die Fernbedienung. Sie sollte auch auf Reflexionen der dem Sitzplatz gegenüber liegenden Wand reagieren und – beim Anschluss über den Analogausgang – über eine fein gestufte Lautstärkeeinstellung verfügen. REINHARD PAPROTKA

Von Reinhard Paprotka

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