Lautsprecher Echo von Amazon 11.11.2014, 10:51 Uhr

Persönlicher Assistent mit Standleitung nach Hause

Der Onlinehändler Amazon bringt einen Lautsprecher auf den Markt, der auf Zuruf Musik abspielt, Einkaufslisten erstellt und als persönlicher Assistent Siri & Co. Konkurrenz macht. Dafür nimmt der Besitzer jedoch einen ständigen Austausch mit den Amazon-Servern in Kauf – ohne zu wissen, was genau mit den gespeicherten Daten passiert.

Klein und unauffällig, aber keinesfalls zu unterschätzen: der rechts im Bild neben der Tischlampe stehende Echo-Lautsprecher von Amazon. 

Klein und unauffällig, aber keinesfalls zu unterschätzen: der rechts im Bild neben der Tischlampe stehende Echo-Lautsprecher von Amazon. 

Foto: Amazon (Screenshot Ingenieur.de)

Wem Google Now zu trocken und Siri zu sarkastisch ist, der hat demnächst eine neue Alternative: Echo heißt das neue Lautsprechersystem von Amazon, das nicht nur Musik abspielt, sondern auf Zuruf auch die Uhrzeit ansagt, mit Wikipedia-Wissen um sich wirft und den Amazon-Warenkorb vollstopft. 199 Dollar – für Prime-Kunden die Hälfte – kostet die Kreuzung aus Lautsprecher und persönlichem Assistenten für Vorbesteller aus den USA, die es per Einladung auf eine Warteliste geschafft haben. Denn noch ist Echo nicht frei verkäuflich, sondern soll zunächst exklusiv einem kleinen Kreis ausgewählter Kunden zugänglich gemacht werden – „in den nächsten Wochen“, wie es heißt.

Schickes Gerät mit 360-Grad Lautsprechern im Innern

Was der Käufer erhält, kann sich erstmal sehen lassen: Das smarte, per WLAN ans Internet angeschlossene System mit einer zylinderförmigen mattschwarzen schwarzen Hülle ist 23 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von gut acht Zentimetern. An der oberen Kante signalisiert ein leuchtender blauer Ring den Aktivitätsstatus. Bestückt ist der neue Wohnzimmergenosse mit der passenden 360-Grad-Lautsprechertechnik, um Musik abzuspielen, Radiosender bereitzustellen, Informationen zu geben und notfalls auch als Wecker zu dienen – je nachdem, was man von ihm will.

Das System auf einen Blick.

Das System auf einen Blick.

Quelle: Amazon

Das System hört auf den Namen „Alexa“, eine Anspielung auf die weltberühmte antike Bibliothek von Alexandria – seit jeher Sinnbild für schier grenzenloses Wissen. Die Technik, die dahinter steckt, ist dagegen alles andere als antik: Es handelt sich um einen lernfähigen, cloudbasierten Dienst, der ganz ähnlich wie Siri und ihre bisherigen Kollegen funktioniert. Außer auf Selbstgelerntes stützt sich die Software aufs Internet, persönliche Playlists und in der Cloud Hinterlegtes. Damit könnte Echo im Bereich digitaler Musik das werden, was der Kindle für Literatur ist, sagen Experten. Wer will, kann sich die passende Smartphone-App zu Echo besorgen, das Ganze funktioniert aber auch ohne.

Die sieben Mikrophone sind ein potenzielles Datenleck

Allerdings ist Alexa nicht nur ihren Besitzern gegenüber sehr auskunftsfreudig. Nebenbei telefoniert das System auch ständig nach Hause und tratscht dabei alles weiter, was es mitbekommt. Und das ist potenziell sehr viel, befürchten Datenschützer. Die sieben Mikrophone im Innern von Echo sind ständig auf Empfang, um auch das leiseste „Alexa“ nicht zu überhören – das Signal dafür, dass jetzt eine Aufgabe folgt.

Für Echo gibt es auch eine passende Smartphone-App.

Für Echo gibt es auch eine passende Smartphone-App.

Quelle: Amazon

Doch was außer der dann geäußerten Bitte schnappt der persönliche Wunscherfüller noch so auf, speichert es und leitet es postwendend auf die Server von Amazon? Möglicherweise alles, so die Befürchtungen – ein wahres Fest für Marktforscher, Hacker und natürlich auch Geheimdienste. Klar, man kann die Mikrophone per Tastendruck ausstellen – aber dann macht auch der persönliche Assistent Feierabend.

Sämtliche Anweisungen werden gespeichert

DASS die aufgezeichneten Anfragen auf den Amazon-Servern landen, ist keine Frage – das steht sogar ausdrücklich auf der Produktseite: Sämtliche Anweisungen werden hier gespeichert, bearbeitet und an Echo zurückgesandt. Was wiederum nicht hinterlegt ist, ist eine Datenschutzerklärung: Der Nutzer hat nicht nur keinen Einfluss darauf, wie seine durch seine Anfragen preisgegebenen Daten verwendet werden, er hat noch nicht einmal eine Ahnung, wer überhaupt darauf zugreift. Zudem nimmt Echo auch noch selbstständig und ohne weitere Nachfrage regelmäßige Updates vor.

Aber die potenziellen Kunden sind ja erwachsen. Und sicherlich wägen sie – mündig wie sie sind – vor einem Kauf genau ab, ob sie sich eine Standleitung zu den Amazon-Servern und sonstigen Lauschern ins Haus holen oder ob sie die Ehre, als einer der ersten zum Kauf eines Echo-Systems eingeladen zu werden, ausschlagen. Ganz sicher. Und für alle anderen zum Trost: Die Amazon-Wanzen in schickem Design sind sicherlich bald auch frei verkäuflich. Dann kann jeder die NSA & Co. mit Ehekrächen, Krisengesprächen und gelösten Abenden unter Freunden zutexten, und das ganz ohne extra zu hackendes Smartphone – ein Lauschangriff auf die Echo-Cloud reicht völlig.

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