Automobilelektronik 23.09.2005, 18:40 Uhr

Nachts sind nicht alle Katzen grau  

VDI nachrichten, Frankfurt, 23. 9. 05 – Ein Auto, das Verkehrsschilder und Ampelzeichen erkennen kann und den Fahrer in kritischen Situationen warnt oder gar das Fahrzeug stoppt, ist längst nicht mehr Vision. Auf der IAA in Frankfurt (15. 9. bis 25. 9.) zeigen die Hersteller und Zulieferer neue Fahrerassistenzsysteme, die nicht nur dem Fahrer, sondern auch anderen Verkehrsteilnehmern mehr Sicherheit bieten.

DaimlerChrysler hat sich dabei in seiner Forschung auf die Unfallverhütung an Kreuzungen konzentriert. „Ursache von Kollisionen sind meistens Müdigkeit, Ablenkungen des Fahrers oder dessen Fehleinschätzung der Situation“, beschreibt Ulrich Kreißel aus der Forschungsabteilung von DaimlerChrysler. Kreuzungen sind nach Einschätzung der Experten dabei die Orte mit dem höchsten Gefährdungspotenzial: Rund 60 % aller innerstädtischen Unfälle geschehen durch Missachtung einer roten Ampel, eines Stoppschildes oder beim Ein- und Abbiegen. „Dabei ließe sich die Hälfte aller Unfälle an durch Ampel geregelten Kreuzungen vermeiden, wenn der Fahrer rechtzeitig durch die Elektronik gewarnt würde“, erklärt Kreißel.

Anders als der Mensch lässt sich das Warnsystem nicht ablenken und kennt auch keine Schrecksekunde, die ein situationsgerechtes Handeln verhindert. Die hinter der Windschutzscheibe angebrachte Videokamera zeichnet die Bilder der aktuellen Verkehrssituation auf und wertet sie in Sekundenschnelle aus: „Das System hat die Lage etwa 5 s schneller erfasst als der Fahrer“, lobt Kreißel die buchstäbliche Vorsicht des elektronischen Fahrerassistenten. Der ist so programmiert, dass er z. B. Ampeln von ähnlichen Bildinhalten wie den Bremslichtern vorausfahrender Fahrzeuge unterscheiden kann. Im Abgleich mit gespeicherten Informationen erkennt das System sogar den Schriftzug auf dem Stopp-Schild und warnt den Fahrer rechtzeitig mit einem akustischen Signal. Wenn der darauf nicht reagiert, bremst das Fahrzeug automatisch ab.

Immer mehr wird Elektronik in der Lage sein, Menschen und Tiere, die über die Straße laufen, als Unfallrisiko zu erkennen. Dazu wird in der Daimler-Forschung eine bewegliche Stereokamera eingesetzt, die das Geschehen vom Fahrzeug aus beobachtet. In Abstimmung mit Informationen von einer digitalen Straßenkarte sucht sich bei dem Kreuzungsassistenten von Daimler die Kamera den optimalen Blickwinkel und erfasst dann in Millisekunden Objekte, die sich von der Seite auf die Straße zu bewegen. Nach Auswertung der Bewegungsrichtung, des Abstands und der Geschwindigkeit im Verhältnis zum Fahrzeug beurteilt das System das Unfallrisiko.

Weniger Zukunftsmusik, vielmehr Realität sind bei BMW in der 7er-Reihe Assistenzsysteme, die das Fahren bei Dunkelheit erleichtern sollen. Auch hier spricht die Unfallstatistik für sich: Schätzungen zufolge werden in Europa pro Jahr bei Verkehrsunfällen in der Dunkelheit rund 560 000 Personen verletzt und etwa 23 000 getötet.

BMW Nightvision ist ein System, das über eine Wärmebildkamera einen Bereich bis zu 300 m vor dem Fahrzeug erfasst. Menschen oder Tiere, die sich auf der Straße bewegen, erscheinen als helles Bild auf dem Monitor und sind so in der Nacht für den Fahrer gut sichtbar.

Dieses System wurde von Siemens VDO entwickelt. Für den Nahbereich haben die Augsburger ein Infrarotsystem in petto, das Objekte bis zu 150 m entfernt registrieren kann. Die Ergebnisse beider Techniken sollen nach Ansicht von Siemens VDO als Schwarz-Weiß-Bild erscheinen – am besten auf dem Head-up-Display, bei dem die Informationen auf die Windschutzscheibe ins Blickfeld des Fahrers projiziert werden. Diese Technik, die bereits auf der letzten IAA vorgestellt wurde, wird demnächst auch in Audi-Modellen zu finden sein. „Wichtig ist jedoch, dass der Fahrer selbst entscheiden kann, was angezeigt wird“, erklärt Siemens-VDO-Sprecher Johannes Winterhagen. Er weiß genau: Zu viel Information, zu viel Ablenkung wäre kontraproduktiv für die Sicherheit.

Auch der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch bietet ein Nightvision-System im Infrarot-Bereich an. „Mit ihm sieht der Fahrer etwa dreimal so weit wie mit herkömmlichem Abblendlicht“, so die Stuttgarter. Ab 2006 soll die S-Klasse von Mercedes-Benz damit ausgestattet werden.

Ebenso nützlich wie Nightvision ist der Fernlichtassistent, den BMW ab sofort in der 5er, 6er und 7er Serie verbaut. Ein Kamerasensor in der Innenspiegelhalterung des Fahrzeugs überwacht den Verkehr und steuert selbstständig das Ein- und Ausschalten des Fernlichts. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Fernlicht selten genutzt wird, obwohl die Situation es verlangt hätte“, so Uwe Greiner, Produktmanager der 7er Serie. „Oft sind die Fahrer unsicher, wollen andere Verkehrsteilnehmern nicht behindern.“ Der Fernlichtassistent entlastet von diesen Sorgen. Er erkennt die Lichter anderer Fahrzeuge und schaltet sich ein, wenn der Fernlichtkegel keine vorausfahrenden und entgegenkommenden Fahrzeuge erfassen kann.

Auf den Ständen der Zulieferer lässt sich während der IAA ein Hauch von Zukunft in Sachen Assistenzsysteme erhaschen. So können Besucher bei Siemens VDO den „Parkmate“ testen. Mit Hilfe von Ultraschallsensoren sucht das Auto die passende seitliche Parklücke und übernimmt auf Wunsch die Lenkung. „Der Fahrer muss nur noch nach Hinweisen Gas geben und bremsen“, erklärt das Unternehmens-Chef Wolfgang Dehen. Und er ist überzeugt: „Künftig werden alle Assistenzsysteme miteinander vernetzt werden. Das ist eines der Wachstumsfelder der Zukunft.“

Assistenzsysteme könnten jedoch auch etablierten Automobilbauern Wettbewerbsvorteile gegenüber preisaggressiven Newcomern bieten. So ist die Gewöhnung an Komfort und Sicherheit für Ulrich Weber, Manager Corporate Communication bei GM Europe in Rüsselsheim, der beste Weg, einen Kunden langfristig an die Marke zu binden. Extras wie das Kurvenlicht bietet Opel seinen Kunden schon jetzt auch in Mittelklassewagen wie dem Astra oder dem Zafira.

D. WENDELN/R. BÖNSCH

Höchste Gefahr vor Kreuzungen: Dort passieren 60 % aller Unfälle in der Stadt

Opel will Kunden auch über Komfort und Sicherheit an die Marke binden

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