Industrie 11.05.2001, 17:29 Uhr

Konjunktur-Flaute beschert Elektro-Industrie weitere Riesendeals

In der Elektroindustrie ist es in letzter Zeit, wie in anderen Branchen auch, zu extrem vielen Zusammenschlüssen gekommen. Die Rekorde der 80er Jahre sind längst übertroffen worden. Steffen Mezger, Chefredakteur der Zeitschrift M & A Review, schreibt im Folgenden, dass Unternehmer mit solchen Übernahmen den schlechten Aussichten der Branche entgegen wirken wollen.

War noch vor kurzem die Stimmung in der Elektro-Industrie sehr positiv, hat sich nun Skepsis breit gemacht. Siemens warnte bereits im März vor schlechteren Aussichten insbesondere in den Bereichen Telekommunikation und Halbleiter. Trotz oder gerade auf Grund dieser Entwicklung rollt die Konsolidierungswelle in der gesamten Elektro-Industrie weiter, wie man am Beispiel der bekannt gegebenen Akquisition von Catamaran durch Infineon sieht.
Um schlechten Aussichten zu begegnen, gehen Unternehmen Partnerschaften ein oder gründen Gemeinschaftsunternehmen. Der schwedische Telekommunikationsriese Ericsson und der japanische Unterhaltungselektronikkonzern Sony beispielsweise starten ein Joint Venture ihrer Handy-Sparten. Ziel ist es, dem angeschlagenen Bereich wieder zu mehr Wachstum und Profitabilität zu verhelfen. Die Weltmarktanteile von Ericsson und Sony liegen bei 10 % bzw. 2 %. Geplant ist, dass das Gemeinschaftsunternehmen, die Sony Ericsson Mobile Communications mit Sitz in London, den Betrieb am 1. Oktober aufnehmen wird. Mit etwa 3500 Mitarbeitern will das Unternehmen im zweiten Halbjahr 2002 erste Produkte auf den Markt bringen.
Daneben plant der deutsche Mobilfunkausrüster Balda ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Schweizer Anlagenbauer und Komponentenhersteller Mikron. Das Unternehmen, das im Mobilfunkbereich tätig sein wird, soll in diesem Monat starten. Für 2001 wird mit einem Umsatz von 32 Mio. Euro gerechnet.
Auch Siemens reagierte auf den Konsolidierungs-Trend auf dem Markt für Mobilfunkgeräte und ging eine Allianz mit Toshiba ein. Durch diese Entwicklung wächst selbstverständlich der Druck auf Nokia, den Marktführer, der noch völlig alleine agiert.
Die Perspektiven für die Halbleiter- und Chipindustrie haben sich verschlechtert. Auch hier gab es viele Transaktionen. Allein der Siemens-Spin-off Infineon Technologies AG war in den vergangenen zwölf Monaten an 14 Transaktionen entweder auf Käufer- oder auf Verkäuferseite beteiligt. Auch wenn noch nicht alle diese Aktionen abgeschlossen sind, vermitteln sie doch einen Eindruck von der momentanen Entwicklung.
Das jüngste Vorhaben des Konzerns ist die angekündigte Akquisition der amerikanischen Catamaran Communications Inc., die im Bereich integrierter Schaltkreise bei optischen Netzwerken tätig ist. Der Deal soll die Produktpalette des im Dax gelisteten Unternehmens abrunden. Für die kommenden vier Jahre prognostiziert Infineon bei optischen Netzwerken ein Wachstum von 45 %. Für 2004 ist ein Umsatzpotenzial von 16,17 Mrd. Dollar geplant. „Durch die Bündelung der Kompetenz beider Unternehmen gewinnen wir auf dem schnell wachsenden Markt für optische Netzwerke wesentliche Wettbewerbsvorteile“, so Infineon-Chef Ulrich Schumacher.
Auch Siemens, die Mutter von Infineon, hat zugelangt und kaufte zur Stärkung seiner Netzwerk-Sparte für 1,5 Mrd. Dollar die Efficient Networks. Mit der Übernahme soll die Entwicklung zu einem der drei führenden Lieferanten im Breitband-Markt forciert werden. Efficient Networks produziert Modems, Router und Software.
Insgesamt waren nicht nur in der Elektroindustrie, sondern über alle Branchen hinweg in den letzten Monaten Zusammenschlüsse mit Transaktionsvolumina zu verzeichnen, die die Rekordzahlen der Merger-Welle in den achtziger Jahren um ein Vielfaches übersteigen. Diese Mega-Merger induzieren regelmäßig weitere Deals in der gleichen oder in angrenzenden Branchen und starten bzw. beschleunigen Konsolidierungsbewegungen in verschiedenen Industrien. Der bislang größte Deal, die Akquisition der Mannesmann AG durch Vodafone Airtouch, entwickelte eine solche Sogwirkung, von der verschiedene Branchen betroffen waren und bis heute sind. Auch diese Transaktionen weisen zum Teil wieder beträchtliche Volumina auf, wie am Beispiel der Akquisition von Mannesmann Atecs durch Siemens, die ein Volumen von 9,6 Mrd. Euro umfasste, zu sehen war. Da auch dadurch wieder Deals induziert werden, entstehen zum Teil sehr komplizierte Konstruktionen sowohl im Hinblick auf wettbewerbsrechtliche Fragestellungen als auch bei den Transaktionsstrukturen selbst. Es dauerte rund ein Jahr, bis die Behörden den verschiedenen Transaktionen um Mannesmann Atecs zugestimmt hatten und auch die geplante Struktur zwischen den beiden Bietern Bosch und Siemens änderte sich mehrfach.
Dass die Weiterveräußerung von Teilen akquirierter oder fusionierter Unternehmen kein Einzelfall, sondern sogar die Regel ist, zeigt das Beispiel der Elektronikaktivitäten des E.ON-Konzerns. Dieser positionierte sich nach seinem Entstehen aus der Fusion zwischen Veba und Viag in den Bereichen Energie und Spezialchemie und veräußerte aus diesem Grund verschiedene Randaktivitäten von teilweise beträchtlichem Umfang.
Der größte Deal der letzten Monate ist die geplante Übernahme von Honeywell durch General Electric mit einem Volumen von 45 Mrd. Dollar. Diese Transaktion muss allerdings noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Um der EU-Kartellkommission entgegenzukommen, wurde nun ein Angebot unterbreitet. So will GE eine Garantie abgeben, dass der zukünftige GE-Honeywell-Konzern seine Preispolitik bei den Zulieferungen für die Flugzeugindustrie transparent gestaltet. Das US-Justizministerium wird die Fusion voraussichtlich in den nächsten Wochen genehmigen. Auflagen der US-Kartellbehörde waren der Verkauf eines Teils der Motorenproduktion für Militärhubschrauber sowie die Trennung von Aktivitäten im Bereich der Triebwerkwartung.
Die Beispiele zeigen, dass Fusionen und Übernahmen bei den Unternehmen ein beliebtes Mittel zur Umsetzung von Strategien bleiben. Im Hinblick auf die im nächsten Jahr eintretende Steuerfreiheit bei der Veräußerung von Kapitalbeteiligungen dürfte die Akquisitionstätigkeit in Deutschland mittelfristig auf ähnlich hohem Niveau bleiben. STEFFEN MEZGER

Von Steffen Mezger

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