Konsumelektronik 14.12.2001, 17:32 Uhr

Kleisterlee setzt Philips auf Diät

10 % jährliches Wachstum sind die Zielmarke. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Timmer und Boonstra will er den Konzern­umbau diesmal tatsächlich vollenden.

Gerard Kleisterlee, seit Mai diesen Jahres Präsident des Philips-Konzerns, hat dem niederländischen Traditionsunternehmen einen straffen Wachstumskurs verordnet: Umschichtung der Ressourcen auf die Geschäftsbereiche mit hoher Dynamik, Straffung und Standardisierung der Verwaltung, das sind nur einige der Maßnahmen, mit denen er den oft als behäbig kritisierten Elektronikkonzern zu alter Pioniermentalität zurückführen möchte.

Vor 110 Jahren entwickelte Gerard Philips in Eindhoven Glühlampen, die er in der eigenen Fabrik produzierte. Sein Bruder Anton reiste kreuz und quer durch Europa, um die Produkte an die Käufer zu bringen. „Verkaufen lässt sich nur, was Nutzen bringt oder Spaß macht – oder am besten beides“, bringt Kleisterlee die Überzeugung der Gründer auf den Punkt und teilt sie: „Technik entwickeln wir nicht, um unsere Forscher zu beschäftigen, sondern um unseren Kunden das Leben leichter und angenehmer zu machen.“

Die rund 400 Ehrengäste im prunkvollen Festsaal des Hamburger Rathauses hörten diese Botschaft gerne, denn hanseatische Kaufmannstugenden haben mit dazu beigetragen, dass sich die deutsche Philips GmbH nach dem Kriege an Elbe und Alster niederließ und dort nun ihren 75. Geburtstag feierte.

Die Zeiten allerdings meinen es mit dem Jubilar nicht gut: Der Philips-Konzern und seine deutsche Tochter leiden wie alle Hightech-Unternehmen unter der derzeitigen Konjunkturschwäche und aus dem Rekordgewinn von 9,6 Mrd. µ im vergangenen Jahr droht dieses Jahr ein Verlust von rund 2 Mrd. µ zu werden. „Wir haben die Talsohle erreicht“, erklärt Kleisterlee. Helle Wolken am konjunkturellen Himmel hat er trotz des aktuellen Weihnachtsgeschäfts noch nicht ausgemacht.

Die Lage ist also ernst, aber nicht hoffnungslos, wie Kleisterlee versichert. Anders als Anfang der neunziger Jahre, wo Philips beinahe bankrott war, sei man jetzt in einer erheblich besseren Position. Dennoch werden bis Ende des Jahres rund 12 000 Stellen weltweit abgebaut, rund 1000 Mitarbeiter der deutschen Chipfabriken sind bis Ende Februar in Kurzarbeit.

Offene Kritik an seinen Vorgängern äußert Kleisterlee nicht. In der Rückschau allerdings sei z. B. jenes groß angelegte, Centurion benannte Sanierungsprogramm Jan Timmers 1994 unvollendet geblieben. Damals habe man sich dem Multimedia-Hype ergeben und gedacht, alles was Multimedia heiße, werde automatisch zu Gold werden. Unter Timmers Nachfolger Boonstra habe man dann richtigerweise zu den Kernkompetenzen zurückgefunden und diese in klar strukturierte Geschäftsbereiche geordnet. Kleisterlee jedoch hält auch die Schritte seines einstigen Förderers für unvollendet. Für den leidenschaftlichen Ruderer scheint es nun oberste Priorität, die Ziellinie zu nehmen und damit die begonnenen Reformen auch wirklich zu Ende zu führen.

Schließlich, so Kleisterlee, „sind wir in den vergangenen zehn Jahren praktisch nicht gewachsen.“ Die durchschnittlich 2,5 % Zuwachs pro Jahr seien kaum mehr als ein Inflationsausgleich gewesen. Ein Grund dafür sei die sehr große Selbständigkeit der einzelnen Business-Units gewesen, die zu großem Overhead und ineffizienter Verteilung der Ressourcen geführt hätten. „Braucht jede Unit eine eigene Personalabteilung?“, hat sich der Holländer gefragt und beantwortet jetzt diese Frage klar mit Nein.

Für die Zukunft hat Kleisterlee die Messlatte hoch gehängt. Jährliche Umsatzrenditen von 10 % fordert er von den einzelnen Geschäftsbereichen, 15 % Gewinn peilt er an. Fokus auf digitale Wachstumstechnologie und Abspecken bei den Verlustbringern ist daher angesagt.

Hehre Ziele, die gerade in der Unterhaltungselektronik, dem mit rund 33 % größten Umsatzträger, noch für viel Bewegung sorgen dürften: Die Unterhaltungselektronik ist das Sorgenkind des niederländischen Konzerns. Kleisterlee setzt hier auf Neuheiten wie DVD-Recorder und Flachbildschirme. „Natürlich brauchen wir Videorecorder und einfache, klassische Fernsehgeräte im Programm. Aber warum muss ich Millionen in die Entwicklung neuer Modelle stecken, wenn ich diese bei Lohnfertigern wesentlich günstiger bekommen kann?“ Da sei es doch sinnvoller Entwicklungsgelder z. B. in DVD-Recorder zu stecken. Diese derzeit rund 4000 DM teuren Geräte seien zwar noch nicht der Renner, aber laut Kleisterlee werden „einige 10 000“ pro Quartal abgesetzt – mit erheblich besseren Margen als Standardprodukte.

Anderes dagegen das Geschäft mit Licht, dem drittgrößten Umsatzträger von Philips. Dieses Geschäft unterliegt zwar wie die Medizintechnik und Haushaltsgeräte kaum konjunkturellen Schwankungen, wächst dafür aber zurzeit nur mit 1 % jährlich. Und doch hat Kleisterlee auch in der Business-Unit Licht neue, lohnende Felder ausgemacht, z. B. Elektronikkomponenten für Solaranlagen, Xenon-Speziallampen und die Halbleiter-Lichttechnik.

Auf die Handyflaute haben die Philipsianer bereits frühzeitig reagiert und die Fertigung vom französischen Le Mans nach China verlegt. Dort ist China Electronics Corp. seit Mitte diesen Jahres für Mobiltelefone zuständig. Unter dem Label Philips kommen jedoch auch im nächsten Jahr neue Handys auf den Markt – im Frühjahr eines mit Farbdisplay für GPRS und i-mode – made in China eben.

Eine Trennung von den derzeit krisengeschüttelten Halbleitern kommt für Kleisterlee nicht in Frage. Anders als bei Siemens seien bei Philips die Halbleiter eine strategische Komponente für fast alle Geschäftsbereiche, dementsprechend wichtig sei es, die Expertise im eigenen Hause zu haben. Und er weiß: „Gegenwärtig erleben wir den fünften Abschwung in 20 Jahren, insofern ist der nächste Aufschwung absehbar.“ Doch Kleisterlee weiß auch: „Wir müssen aktiv daran mitarbeiten. Noch kundenspezifischere Lösungen werden den Markt wieder in Schwung bringen.“ jdb/rb

Philips in Deutschland

Standbeine Hamburg und Aachen

Die deutschen Philips-Unternehmen gehören zu den größten und umsatzstärksten Tochtergesellschaften der Royal Philips Electronics und stellen deren zweitgrößtes Forschungslabor. Mit 14 000 Mitarbeitern erzielte die deutsche Philips GmbH und das Jointventure LG.Philips Displays in Aachen im Jahr 2000 ein Aktivitätsniveau von 5,4 Mrd. µ. Die wichtigsten Standorte sind Hamburg mit den Röhren- und Halbleiterwerken und der Medizintechnik sowie Aachen mit Glühlampen-, Display- und Bildröhrenfertigung sowie dem Konzernzentrum für Sprachtechnologien. jdb

 

Von Jens D. Billerbeck/Regine Bönsch

Stellenangebote im Bereich Elektrotechnik, Elektronik

PERO AG-Firmenlogo
PERO AG Vertriebsingenieur (m/w/d) International Königsbrunn
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG Referent Betriebsplanung (m/w/d) Hamm
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH-Firmenlogo
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH New Product Development Project Manager / Tender Manager Operations (w/m/d) Berlin
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Elektroingenieur / Ingenieur als Planer von Elektroanlagen (m/w/d) Stuttgart
odelo GmbH-Firmenlogo
odelo GmbH Projektleiter (m/w/d) in der Elektronikentwicklung im Bereich Automotive Stuttgart
Infineon Technologies AG-Firmenlogo
Infineon Technologies AG Entwicklungsingenieur Test Leistungselektronikmodule (w/m/div) Warstein
STOLL-Firmenlogo
STOLL Simulationsingenieur FEM (m/w/d) Lengede
Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW-Firmenlogo
Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW Ingenieure (w/m/d) für die Abteilungen Immobilienmanagement und Bundesbau Düsseldorf, Aachen
H.C. Starck Tantalum and Niobium GmbH-Firmenlogo
H.C. Starck Tantalum and Niobium GmbH Energiemanager / Betriebsingenieur (w/m/d) Laufenburg, Goslar
HENSOLDT-Firmenlogo
HENSOLDT Projektleiter (m/w/d) Ground Support Stations Immenstaad

Alle Elektrotechnik, Elektronik Jobs

Top 5 Elektronik