Konsumelektronik 16.03.2001, 17:28 Uhr

Japans Elektronikproduzenten stellen auf bleifrei um

Es herrscht vielfach hierzulande Unklarheit, warum die japanische Elektronikindustrie auf bleifreie Technologien setzt. Doch dieses Umweltengagement ist alles andere als ein Marketinggag. Nachfolgend eine Analyse von Dr. Hartmut Poschmann, Geschäftsstellenleiter des Fachverbandes Elektronik-Design (FED).

Die Ablösung von Blei in der Elektronikproduktion Japans ist nur die „Spitze eines Eisbergs“, das jüngste Glied in einer ganzen Kette von Maßnahmen auf dem Umweltsektor, die japanische Unternehmen als Folge der inländischen Gesetzgebung und internationaler Trends bzw. Empfehlungen in Gang setzten.
Bereits auf der internationalen Elektronikmesse Ceatec in Japan im vergangenen Oktober zeigte sich, dass die dortige Elektronikindustrie intensiv dabei ist, wirklich grundlegend auf bleifreie Technologien umzustellen.
Die Unternehmen betten die Aktivitäten in so genannte „Environmental Protection Charters“ (Umweltschutz-Chartas) ein, die bereits seit Anfang der 90er Jahre Grundlage für breite, unternehmensumfassende Umweltprogramme der Elektronikhersteller sind.
Die Japaner erarbeiten sich so weltweit eine Vorreiterrolle und einen messbaren Technikvorsprung, der ihnen zu gegebener Zeit deutliche wirtschaftliche Vorteile geben dürfte.
Warum nun gerade die in Europa doch als relativ „sauber“ geltende Elektronikbranche in den vergangenen Jahren in Japan zum „Umwelt-Schrittmacher“ geworden ist, begründet Masataka Kataoka, Präsident des Bauelemente- und Gerätekonzerns Alps: „Die rasante Entwicklung der Elektronikindustrie und der Digitalisierung führt dazu, dass die Elektronikindustrie dabei ist, zu einem entscheidenden Faktor für die Umwelt zu werden. Die Geschäfte von Alps weiten sich global aus und das Unternehmen will durch entsprechende Maßnahmen in der Lage sein, unverzüglich auf alle zukünftigen Veränderungen bei Gesetzen, Regulierungen oder Richtlinien vorbereitet zu sein.“
In allen Umweltschutz-Chartas japanischer Firmen nimmt die Eliminierung bestimmter chemischer Substanzen von Anfang an, spätestens aber seit 1991, einen entscheidenden Platz ein.
Die Notwendigkeit der Ablösung von Blei und weiterer Metalle in der Elektronik kam jedoch erst Ende der 90er Jahre mit dem Beschluss der japanischen Elektroschrottverordnung (Law for Recycling of Specified Kinds of Consumer Electric Goods) und der Abfallverordnung (Packaging Waste Recycling) hinzu.
Beide Verordnungen treten zum 1. April in Kraft. Sie verbieten Blei nicht, machen aber ab diesem Zeitpunkt in Japan Hersteller bzw. Händler für das Recycling ihrer Produkte mit allen Kosten voll selbst verantwortlich.
Die Eliminierung von Blei und anderen umweltschädlichen Substanzen aus den Produkten ist bisher kostenintensiv. Folglich hat sich die gesamte japanische Elektronikbranche vom Hersteller bis zum Anwender darauf eingestellt, ab diesem Datum möglichst nur noch bleifreie Produkte für Japan herzustellen oder einzusetzen.
Eine wesentliche Rolle bei der Durchsetzung der Ablösung von Blei und anderer schädlicher Substanzen spielen die Großabnehmer von Elektronikerzeugnissen wie die japanische Telefongesellschaft NTT. Sie erklärte bereits 1999, dass ab 2001 weltweit nur bleifreie Elektronikprodukte für Japan eingekauft und eingesetzt werden.
Viele der japanischen Geräteproduzenten haben sich das Ziel gesetzt, ab dem 1. April 2001 für den japanischen Markt nur noch bleifreie Produkte zu produzieren bzw. anzubieten. Erste bleifreie Produkte wie der Camcorder von Sony wurden bereits vergangenes Jahr mit Erfolg dem internationalen Markt präsentiert. Bei Hitachi als dem anerkannten „Leader“ unter den Geräteproduzenten in der Bleiablösung sollen bis Ende 2001 alle für Japan bestimmte Produkte bleifrei sein.
Umweltschutzprogramme sind in Japan Chefsache. So wird den Programmen ein sehr hoher Rang eingeräumt. Das gilt für Konzerne wie Sony oder Matsushita, aber auch für kleinere Unternehmen. So erklärt Hitachi, dass es Gegenstand der Konzernpolitik sei, Umweltgesichtspunkte allen Abschnitten im Lebenszyklus eines Produktes zugrunde zulegen – vom Design bis zur Entsorgung. Ziel sei eine „totale Lösung“ für die Umweltprobleme.
Der Anteil der im Jahr 2000 an die japanischen Gerätehersteller gelieferten bleifreien Bauelemente an der Gesamtliefermenge war nach Auskunft der Zulieferanten, wie den Bauelemente-, Leiterplatten- und Baugruppenherstellern, mit einigen Prozenten noch gering, da sich die Fertigung bleifreier Produkte erst in der Einlaufphase befand. Für 2001 bereitet man sich auf den Beginn großer Liefermengen vor.
Noch ist die Herstellung und Anwendung bleifreier Bauelemente und Baugruppen weitgehend auf Japan konzentriert. Doch auch in den Nachbarländern haben sich bereits Firmen auf bleifreie Produkte umgestellt bzw. beginnen es, da sie weiterhin bei den Abnehmern in Japan als Lieferanten gelistet werden möchten.
Beim Elektronikkonzern Alps existieren bereits Richtlinien für einen „grünen Einkauf“. Die Einkaufsbereiche des Konzerns zur Förderung dieses „grünen Einkaufes“ würden solche Unternehmen bevorzugen, die ebenfalls sichtbar umweltbezogen arbeiten.
Auch andere Konzerne, etwa Sony und Omron, haben ihren Lieferanten bereits 1999 erklärt, dass sie von ihnen ab 2000 stufenweise die Lieferung umweltfreundlicher Produkte erwarten, die mit ihren Umwelt-Chartas und ihren Umweltzielen vereinbar sind.
Bleihaltige Produkte sind beim „grünen Einkauf“ natürlich ausgeschlossen. Dass dieses auch kurzfristig für deutsche Zulieferanten gilt, zeigten im Herbst vorigen Jahres Mitarbeiter von Hitachi bei Gesprächen mit einem bekannten deutschen Unternehmen.
Allerdings gibt es Zweifel, ob der Termin zum 1. April zu halten ist. Die japanischen Bauelementehersteller sind zögerlich, ob die von den Gerätekonzernen genannten Zieltermine zum massiven Übergang auf bleifreie Produkte realisierbar sind.
Es bestünden zahlreiche Probleme bei Bauelementen, etwa in puncto Qualität und Zuverlässigkeit sowie beim Temperaturverhalten. Diese würden 2001 im Mittelpunkt massiver Forschungs- und Entwicklungsarbeiten stehen und könnten zu zeitlichen Verzögerungen führen.
Ein entscheidendes Problem ist die gegenwärtige Vielfalt der Ersatzlote für PbSn. Noch ist man intensiv auf der Suche nach dem besten bleifreien Lot. Gefragt sind beste Verarbeitungseigenschaften für die Gerätefertigung und für das Recycling der Produkte. Allgemein rechnet man damit, dass die Temperaturbelastung der Bauelemente im Lötprozess oft höher sein wird als bisher bei bleihaltigen Loten.
Ein deutlicher Rückstand in der Zertifizierung nach ISO 14001 und in der Bleiablösung gegenüber Japan war bei den amerikanischen, europäischen als auch israelischen Ausstellern festzustellen. Firmen wie Vishay und Tyco AMP haben sich nach Aussagen ihrer Manager bisher kaum um diese Problematik gekümmert, da die Fertigungsstätten der von ihnen vertriebenen Produkte außerhalb Japans liegen.
Man habe einfach abwarten wollen, wohin der Trend wohl gehen mag. Die Kunden in Japan fordern aber zunehmend bleifreie Lösungen, worauf Vishay beschloss, in Israel beschleunigt entsprechende Arbeiten durchzuführen, um den Rückstand aufzuholen. HARTMUT POSCHMANN

Von Hartmut Poschmann

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