15.09.2000, 17:26 Uhr

Japaner geben den Ton bei der grünen Elektronik an

Bleifreies Löten und umweltgerechtes Produktdesign – das Ökothema hat sich auch in der Elektronikbranche etabliert, wie der Kongress „Electronics goes green“ in Berlin zeigt.

Noch hadert die europäische Elektro- und Elektronikindustrie mit dem Umwelttrend in der Branche. So sollen etwa die bislang üblichen bleihaltigen Lote bis zum Jahr 2008 ersetzt werden, so ein Richtlinienentwurf der Europäischen Union (EU) für die Begrenzung gefährlicher Substanzen in elektrischen und elektronischen Geräten (ROS). „Die Industrie kann die Regelung nicht unterstützen“, verkündete Orgalime, der europäische Dachverband der Elektroindustrie, bereits im August.
Doch der Bleiausstieg ist längst beschlossene Sache, so der Tenor auf dem weltweiten Kongress „Electronics goes green 2000+“ vom Montag bis Mittwoch dieser Woche in Berlin. In Japan machen die Branche und das Handels- und Industrieministerium Miti kein langes Federlesen: „Japanische Firmen erobern schon den Markt mit bleifreien elektronischen Produkten“, erläutert Professor Herbert Reichl, Vorsitzender des Kongresses und Leiter des Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM).
Die großen im Markt wie Sony, Matsushita, Hitachi oder Toshiba haben längst komplette Ausstiegszenarien. So will etwa Hitachi bis März 2004 in der Unternehmensgruppe bleihaltiges Lot zu 100 % ersetzt haben, betont Hiroshi Yokoyama, Geschäftsführer des Büros für unternehmensweite Umweltpolitik bei Hitachi. Andere große Firmen in Japan hätten ähnliche Ziele.
Die japanische Vorherrschaft gilt auch für andere Themenbereiche, etwa beim Einsatz halogenfrei flammgeschützter Leiterplattenmaterialien und Hüllmassen für die Elektronik. Im Gehäusebereich für Computer sollen in Zukunft auch Leichtmetalle eine größere Rolle spielen. Hitachi-Manager Yokoyama kündigte etwa ein Modell mit Magnesiumboden an.
„Die Umweltkonzepte kommen von Europa aus nach Japan“, erläutert Masamitsu Aoki, Managing Director von Toshiba Chemical Europe aus Meerbusch bei Düsseldorf. Treibende Kräfte seien die kommende EU-Gesetzgebung, die auf dem europäischen Markt bedeutsamen Umweltzeichen, wie der „Blaue Engel“ oder das schwedische Label der schwedischen Angestelltengewerkschaft TCO (Tjänstemannens Centralorganisation).
Doch auch in Japan selbst zieht die Gesetzgebung im Umweltbereich an. Toshiba-Manager Aoki verweist auf das Recyclinggesetz für elektrische Haushaltsgeräte. Ab April 2001 sind davon Fernseher, Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen betroffen. Aber die japanischen Unternehmen erwarten ebensolche Regelungen für Computer und andere Produkte der Informationstechnikbranche, so Masamitsu Aoki.
„Diese Aktivitäten haben die europäische und amerikanische Industrie überrascht und her-ausgefordert“, glaubt der Kongressvorsitzende Herbert Reichl. Vor allem, da die japanischen Unternehmen die Öko-Ausstattung ihrer Produkte als Marketinginstrument nutzen. Toshiba-Manager Aoki spricht denn auch von einem Wettbewerbsvorteil. Bis zum Jahresende will das Unternehmen alle Notebooks mit halogen- und antimonfreien Leiterplatten ausstatten.
Der US-Mobiltelefonhersteller Motorola hat denn auch reagiert. Bereits im Frühjahr werde man mit dem Concorde ein Handy mit wesentlich weniger bleihaltigem Lot und bromhaltigen Flammschutzmitteln auf den Markt bringen, kündigte Robert C. Pfahl, Direktor für Umwelttechnologie, auf dem Kongress an.
In den Roadmaps der SIA (Semiconductors Industry Association), der IPC – Association Connecting Electronics Industries und der NEMI (National Electronics Manufacturing Initiative) finden sich ökologische Leitlinien für die Produktentwicklung und bleifreies Löten.
Motorola-Manager Pfahl sieht deutliche Unterschiede bei den treibenden Kräften für das Umweltengagement der Branche in den USA, in Europa und Asien. Während die Japaner produktfokussiert für den Markt ökologische Alternativen entwickelten, lege man in den Vereinigten Staaten einen Schwerpunkt auf den Herstellungsprozess. Flüchtige organische Lösemittel (VOC), Fluorchlorkohlenwasserstoffe und die Bleiverringerung seien die Hauptthemen.
In Europa würde dagegen mehr umweltgerechtes Produktdesign, Lebenszyklus- und Materialflussanalysen eine Rolle spielen. Es gab denn auch in Berlin eine Vielzahl umweltorientierter Produktbilanzen zu sehen, vom Nokia-Handy bis zum Apple G4.
Standardisierte und ausgereifte Softwaremethoden wie die Environmental Engineering (EE) Toolbox aus dem IZM haben dazu beigetragen, ökologische Lasten und Auswirkungen elektronischer Produkte besser, einfacher und vor allem schneller ermitteln zu können.
Das Problem bei Lebenszyklusanalysen ist in der Elektronik immer noch der Mangel an wichtigen Daten. Dies trifft einerseits unabhängige Institute, deren Arbeit vom Gutwillen der Hersteller abhängt, andererseits die Produzenten selbst. Auch sie haben angesichts der geringen Fertigungstiefe Probleme mit den Daten, wenn beim umweltgerechten Design Stoffverbote und -einschränkungen beachtet werden sollen.
Unternehmen wie Ericsson haben deshalb Verfahren für die Materialdeklaration entwickelt, die sie in die Zuliefererkette geben. Die Daten sind hochbrisant. Göran Mälhammer von Ericsson Radio Systems betont, dass nur ausgewählte Personen die einzelnen Daten einsehen können. Auch Leena Oiva von Nokia betonte, dass die Zulieferedaten nicht weitergegeben würden.
Schließlich ist das Umweltengagement der Informationstechnikindustrie auch für Aktienkäufer ein Thema. Ob die Bank Sarasin in Basel, das Umwelranking von Oekom Research oder der Dow Jones Sustainability Group Index – die Anleger wollen wissen, wie weit sich die Firmen der Branche ökologisch und sozial engagieren.
Über 530 Teilnehmer zählten die Organisatoren des IZM in Berlin.“Das Thema grüne Elektronik hat einen kräftigen Schwung in die Elektronikbranche gebracht“, meint Motorola-Manager Pfahl. Den dürfte auch der europäische Branchenverband Orgalime nicht mehr umkehren können. STEPHAN W. EDER

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