Interview zu Automotiven 21.12.2012, 18:28 Uhr

„Ich sehe keine Leistungsgrenze für Chips“

Je mehr smarte Anwendungen den Weg ins Automobil finden, desto mehr Rechenleistung wird benötigt. Ein wichtiger Player auf dem Markt ist Grafikprozessor-Lieferant Nvidia, vor allem bekannt aus der Computerspiel- und Medienszene. Die VDI nachrichten sprachen mit Danny Shapiro, Director Automotive, über kommende Entwicklungen.

Im Tesla S wurden alle wichtigen Knöpfe durch ein Touchpad ersetzt.

Im Tesla S wurden alle wichtigen Knöpfe durch ein Touchpad ersetzt.

Foto: Werkfoto

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Nvidia taucht immer häufiger im Zusammenhang mit Anwendungen im Automobil auf. Wie wichtig ist das Segment Automotive für das Unternehmen?

Shapiro: Unsere Prozessoren werden bereits seit 2008 in zahlreichen Automobilen verbaut. Bis 2011 waren wir bei Audi, Fiat und Lamborghini zu finden, in diesem Jahr kamen etwa BMW, Tesla, VW und Skoda hinzu. Momentan sind wir in 106 Modellen von 21 Marken zu finden.

2013 werden viele weitere Ankündigungen folgen. Der Bereich Automotive wird für uns immer wichtiger, wir sehen uns dabei als wichtigen Treiber des Marktes, der viele Entwicklungen überhaupt erst möglich macht.

Für welche Anwendungen im Automobil werden denn zunehmend leistungsfähige Prozessoren benötigt?

Shapiro: Grundsätzlich haben wir im Automotive-Bereich immer einen anderen Blick auf die Systeme, hier müssen wir viel tiefer entwickeln und genauer testen, denn alles muss maximal robust sein. Im nächsten Jahr werden viele Features den Weg in die Mittelklasse finden, die es bislang nur in der Premiumklasse gab. Beispielsweise die Navigation über Google Earth, Verkehrszeichen- oder Spracherkennung. Insgesamt wird die Grafik immer hochwertiger und realistischer, so wie wir es schon aus Computerspielen und TV-Animationen kennen. Das zeigt sich etwa bei der Abbildung von Reflexionen oder Straßenkarten in 3-D-Optik. Bei den Assistenzsystemen wächst zudem die Zahl der Sensoren und Kameras. Damit steigt auch der Bedarf, die anfallenden Daten in Echtzeit zu verarbeiten. Für Kollisionswarnungen, etwa bei der Fußgängererkennung, werden ja hoch komplexe Algorithmen benötigt.

Die Preise für solche Systeme sind noch sehr hoch. Welcher Markt wird stärker wachsen – Infotainment oder Assistenzsysteme?

Shapiro: Sicherlich der, für den die Kunden eher bereit sind zu zahlen. Das kann in den einzelnen Automobilklassen sehr verschieden ausfallen. Ich sehe aber den Trend, dass sich einige Sicherheitsfeatures serienmäßig durchsetzen und mit der höheren Verbreitung in der Masse die Preise fallen werden – so, wie wir es zuvor schon bei ABS oder Airbags gesehen haben.

Die Branche erwartet, dass Nvidia im kommenden Jahr den Tegra 4 mit deutlich höherer Leistung vorstellen wird. Sehen Sie eine Leistungsgrenze für Chips?

Shapiro: Die sehe ich im Moment nicht. Ich glaube, wir werden nie einen Prozessor entwickeln, der schnell genug ist, denn die Leute, die die Codes schreiben, holen gleichzeitig immer mehr Möglichkeiten aus ihnen heraus. Hinzu kommen völlig neue Materialien. Große leistungsfähige Prozessoren werden jedoch immer energieeffizienter arbeiten müssen.

Wenn in so vielen Autos Nvidia drin steckt, besteht nicht die Gefahr, dass alle Anwendungen irgendwann ähnlich aussehen?

Shapiro: Wir arbeiten zwar eng mit den jeweiligen Firmen zusammen und unterstützen sie bei der Entwicklung der Anwendungen. Wie genau dann das jeweilige Design aussieht, bestimmen die einzelnen Marken, die sich damit von der Konkurrenz abheben. Wir sehen uns nicht als Tier-1-Lieferant oder OEM, wir bieten auch keine Applikationen von der Stange, das ist nicht unser Geschäft. Vielmehr sorgen wir für die Zusammenarbeit der Systeme.

Wie sieht das Cockpit eines Autos in fünf Jahren aus?

Shapiro: Ich glaube, das Interface des neuen Tesla Model S, der gerade alle wichtigen Awards gewinnt, gibt hier einen guten Eindruck. Hier wurden alle Knöpfe und Geräte durch ein einziges großes Touchpad ersetzt. Künftig werden wir sehen, dass zunehmend Features aus anderen Bereichen ins Automobil wandern, zum Beispiel Augmented Reality. Immer wichtiger werden auch Head-up-Displays, da sie die Fahrer weit weniger ablenken als andere Geräte. Dazu wird Spracherkennung immer wichtiger, ebenso wie autonome oder teilautonome Fahrfunktionen. Ich sehe derzeit die Gefahr, dass sich die Autobauer zu sehr an den Smartphones orientieren. Die Bedienoberfläche sollte aber vielmehr dem Nutzungsszenario im Automobil angepasst werden.

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