Konsumelektronik 14.07.2000, 17:26 Uhr

Hi-Fi für empfindsame Ohren und Augen

Die Frankfurter Hi-Fi-Messe Highend ist alljährlich ein Mix aus Produktvorstellung, Entwicklungsforum und Entwicklertreffen. Kurz, ein Dorado für Aufnahmefreaks, Akustik-Spezialisten, aber auch für Geschäftemacher und Lifestyle-Verfechter – und ein bisschen auch Mekka für Musikliebhaber. Eine Nachlese.

Die Highend war ehemals eine Insider-Hotelmesse, auf der nur Hi-Fi-Geräte ausgestellt werden durften, die die Normanforderungen der DIN 45 500 weit hinter sich ließen. Im 19. Jahr fanden auch neue Techniken wie DVD und damit die von Hör-Puristen verpönten bunten Bilderwelten Einzug in die Räume des Neu Isenburger Kempinski-Nobelhotels aber auch MD- und Kassetten-Rekorder: beide haben zwar nichts mit Highend zu tun, zeigen aber deutlich den Wandel zur Zwischen-Funkausstellung auf, in dem der eiserne Restbestand audiofanatischer Händler und Konsumenten sich begegnen.

Von MP3 keine Spur

In den meisten der zum Hörraum umfunktionierten Hotelzimmer fand man Plattenspieler. Doch CDs, teils schon als sterbender Schwan eingestuft, sowie CD-R haben sich längst durchgesetzt. Von aktueller Datendiät wie MP3 jedoch keine Spur – die Qualität reicht nach Ansicht der Klangpuristen für ernsthaftes Hören nicht aus.
Anders Röhrenverstärker und besondere Lautsprecherkonstruktionen wie die beinahe sagenumwobenen Corona-Ionen-Hochtöner von Otto Braun aus Saarbrücken (Vertrieb über Ingenieurbüro Lansche 07533/97001). Otto Braun war selbst anwesend und plauderte aus alten Hi-Fi- und Toningenieur-Zeiten. Die Begegnung mit diesem Urgestein der Branche rückte manchen übertriebenen Aufwand der Jung-Highender zurecht, die mit aufwendigen Racks, Kabeln und in jedem Punkt anscheinend durchdachten, in jedem Fall aber die Preise dreistellig nach oben treibenden Details, nicht annähernd die frische Natürlichkeit und Offenheit einer Wiedergabe wie bei Otto Braun erreichten. Der war mit einem einfachen Unterstellrack für seinen CD-Player und einer uralten Phase-Linear-Endstufe gekommen. Braun zeigte mit seinem aktuellen Lautsprecher der Branche, welche Reserven noch in der CD stecken. Brauns Geheimnis für den überragenden Klang waren seine eigenen Aufnahmen. Die klangen so überzeugend, dass nach diesem Hörtermin niemand mehr auf eine hochauflösende, „bessere“ CD wartete.
Sony (http://www.sony.de) mit der Super-Audio-CD (SA-CD) und Marantz (http://www.marantz.com) mit DVD-Audio setzen auf mögliche CD-Nachfolger. Allein – ein Krieg der Systeme fand nicht statt. Gleich zur Eröffnungspressekonferenz outete sich Pioneers General-Manager Thomas Hintze als Musikliebhaber, dem „es bei den geringen Klangunterschieden völlig egal ist, von welchem Tonträger die Musik kommt“.

Super-Audio-CD und DVD: Digitales für Klangpuristen

Tatsächlich trennen – außer Lizenzen – beide neuen Systeme keine Klangwelten mehr. Pioneer (http://www.pioneer.de) mit Hintze an der Spitze führte mit dem 12 000 DM teuren DV-AX10 einen Universal SAVD/DVD-Audio-Video-Player vor, dessen kompromisslose Klangqualität sich in der vom Chef selbst präsentierten Vorführung gegen Ur-LP-Klang behaupten musste. Nicht ganz einfach, denn „die Schallplatte spricht für sich“, bekannte Hintze. Am Klangmythos sauber aufgenommener und wiedergegebener Langspielplatten ist halt doch etwas Wahres: Neben wohligem Klang spielen Knistern und Knacken bei den Vorführungen kaum noch eine merkbare Nebenrolle.
Die Preise der designierten Nachfolger-CDs würden auf 250 DM steigen – sofern sie mit beiden neuen Systemen kompatibel sein müssten, erklärte Bernhard Rössle von in-akustik (http://www.in-akustik.com), einem der größten auf Klangqualität spezialisierten CD-Vertriebe Deutschlands. Für pure SA-CDs, die auch von normalen CD-Playern abgespielt werden könnten, wären 50 DM fällig. Weil niemand den Preis für Multinorm-CDs bezahlen und nur einen preisgünstigen Player ins Rack stellen möchte, ist schon deshalb die Einigung auf ein einziges CD-Nachfolgesystem erforderlich.
Alte und neue Technik ergänzen sich auf der Highend. CD-Player mit Röhrenbestückung (Tube Technology http://www.expolinear.de) gab es ebenso zu hören, wie reine Röhrenverstärker (http://www.cayin.com) oder reine Digitalverstärker, wie den 32000 DM teuren Sharp SM-SX 100 H (http://www.sharp.de).

Neue Digitaltechnik neben „alten“ Röhren

Digitaltechnik und Röhren passen klanglich bestens zusammen – so konnte man den kleinen, mit drei Röhren bestückten Kopfhörerverstärker Brocksieper Earmax (698 DM, bei Benno Salgert, Tel. 02241-917739) ebenso genießen wie Design-Röhrenendstufen im V2-Look eines Motorradmotors (Kronzilla HD von KR Enterprise aus Tschechien, Vertrieb Triode Sound AG, Tel. 0041-91- 9235812) italienische Nightingale-Röhrenverstärker im Stil der 50er Jahre (http://www.simetel.it) oder die in Japan mit besten Ausgangsübertragern nach Rundfunk-Anforderungen hergestellten Air-Tight-Röhrenverstärker zu Preisen, für die man anderswo schon einen neuen Zweitwagen erhält (Axiss Distribution, Tel. 001-310-329-0187). Die in diesen Boliden eingesetzten Western-Röhren werden in den USA in einer erst vor zwei Jahren wieder eröffneten Fabrik hergestellt mit einem Schalter kann man den Dämpfungsfaktor des Endverstärkers zwischen „Romantic Sound“ (weich) und „Modern Sound“ (hart, straff) umschalten.
DVD-Technik mit Raumklangeffekten von hinten hat mit High-end nichts mehr zu tun – scheint aber wesentlich zu sein, um neue Zuhörergruppen zu gewinnen. „Wen interessiert noch Naturtreue?“ – diese Effektjünger fanden bei Canton (http://www.canton.de) mit Krieg-der-Sterne-Getöse ebenso ihre Hardware wie die Vertreter der reinen Zweikanal-Lehre. Mit gekonnt aufgezeichneten Mehrkanal-Aufnahmen wurde in guten Vorführungen das Klangfeld mit mehr Naturtreue erweitert. Locker und leichter Klang aus dem Digitalplayer wird damit möglich. Als Fortschritt wurde verkauft, dass man nun keine getrennten Anlagen für Audio und Audio/Video mehr benötige.
Groß waren auch die Unterschiede in der Hörqualität der vorgeführten Anlagen im schicken Design. Oft entstand der Eindruck, dass edle Materialien und abstruse Philosophien dazu herhalten mussten, um hohe Preise zu begründen. Die Klangqualität kam viel zu oft zu kurz. So wie auch alle Versuche, mit aufwendigem Zubehör und Racks aus verschiedensten Materialien den Klang zu verbessern, nicht wirklich etwas nützten. Trotz Dämpfungsfüßen am Rack, Metall-Totem-Drehteilen auf Boxenecken, die üble Energie abführen sollten, blieb der Klang oft erbärmlich.

Design zu Lasten der Qualität

Ebenso wie viele Designversuche auch dem Klang schadeten: Sei es mit extravagant gestylten und stark verfärbt klingenden und teuren Lautsprechern oder bei dem Hersteller, der in Glasbausteine Lautsprecherchassis einbaute. Zu bewundern war dabei nur die Kunst, so präzise Löcher in Glas zu schneiden…
Und Gigantomanie: große Lautsprecher, die man mit Kleiderschränken verwechseln könnte, dazu armdicke und unflexible Lautsprecher- und Stromkabel – obwohl die Hotelverkabelung aus normalem 1,5 Quadratmillimeter-NYM besteht. Aber das sah man ja nicht. Gigantomanie auch bei Verstärkern und Plattenspielern, die oft mehr Anschauungs- als Funktionsobjekt waren – aber auch wunderbarste Klänge aus den schwarzen Scheiben zauberten. Neuen Nachschub für den Plattendreher gibt es wieder in bester Qualität zu kaufen, allerdings nicht zu Flohmarkt-Preisen. Im ars-magazin des Hamburger Versenders Jörg Kessler findet man nicht nur eine große Auswahl interessanter schwarzer Scheiben, sondern auch Nachrichten und Tipps aus der Vinyl-Welt: So zeigte Vestax (http://www.vestax-dj.de) einen Vinyl-Rekorder – nichts anderes als eine Schallplattenschneidemaschine für die speziellen Aufnahme-Vinyl-Rohlinge dieser Firma. 50 Exemplare sollen in einer ersten Serie hergestellt werden. Wer hätte angesichts allgemeiner Digital- und Mehrkanal-Euphorie geahnt, dass man sich im neuen Jahrtausend seine eigenen Langspielplatten auf dem Schreibtisch herstellen kann?
Ebenso dramatisch die Entwicklung bei den Lautsprechern. Manger (http://manger.msw.com) verkündete gar das Ende des Stereo-Dreiecks: Weil (wie eigene Forschungen ergaben) sämtliche Informationen des Eingangssignales von der Hälfte der Membranfläche vollständig abgebildet werden, deckt Manger mit einem „Holoprofil“ knapp vor dem Lautsprecherchassis etwa die Hälfte der Membranfläche ab – was die Wiedergabegenauigkeit bis ins Authentische steigere.
Wenn der Raum nicht mitspielt – dann helfen nur noch Computer-Optimierungen beim Aufstellen oder Schall-Absorber, die Reflexionen bedämpfen (http://www.echobusters.com) oder das Raum-Berechnungsprogramm Cara von Elac (http://www.cara.de). Die Kieler haben eine intelligent zusammengestellte Hörtest-CD herausgegeben, mit der man auch ohne Messtechnik akustische Problembereiche per Gehör entdecken kann. Durch optimierte Aufstellung der Lautsprecher ist der Einstieg in die Highend-Welt möglich, ohne sich von altbewährten Anlagenteilen zu trennen. REINHARD FRANK
Trägheitsarm schwingender Lichtbogen zaubert Klangperfektion: Corona-Ionen-Lautsprecher nach dem Gasentladungsprinzip.
Volumen aus der Muschel: Der Kopfhörerverstärker Earmax ist mit drei Röhren bestückt.
Musikwiedergabe ohne Signalverluste: Verspricht der 1-bit-Digitalverstärker Sharp SM-SX 100 H. Foto: Sharp CD-Technik für „Highender“: Die Super-Audio-CD (SA-CD) als Tonkonserve der Spitzenklasse.
Für Bild und Ton: Pioneers Audio-Video-Player spielt SA-CD und DVD ab.
„Analogperfektion“ für Audio-CD: Röhren-CD-Spieler von Tube Technology.

Von Reinhard Frank
Von Reinhard Frank

Stellenangebote im Bereich Elektrotechnik, Elektronik

RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG-Firmenlogo
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Elektrotechnik / Mechatronik Norderstedt
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Ingenieur Elektrotechnik (m/w/d) für Betriebsanlagen der Stromversorgung Stuttgart
A. Eberle GmbH & Co. KG-Firmenlogo
A. Eberle GmbH & Co. KG Technischer Support Spezialist (w/m/d) – Spannungsregelungs- / Kommunikations- / Fernwirktechnik für Energieversorger Nürnberg
ATP Planungs- und Beteiligungs AG-Firmenlogo
ATP Planungs- und Beteiligungs AG Gruppenleiter (m/w/d) Bereich Elektrotechnik Frankfurt am Main
Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH-Firmenlogo
Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH Sachgebietsleitung (m/w/d) für das Sachgebiet Technik Villingen-Schwenningen
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Technische Projektmanagerin/Technischer Projektmanager (m/w/d) in der Bundeswehrverwaltung – Beamteneinstellung Koblenz
Füll Systembau GmbH-Firmenlogo
Füll Systembau GmbH SPS-Programmierer / Automatisierungstechniker (m/w/d) Idstein
Bayernwerk AG-Firmenlogo
Bayernwerk AG Leiter Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) (w/m/d) Regensburg, München
SPITZKE SE-Firmenlogo
SPITZKE SE Projektleiter (m/w/d) Großprojekte deutschlandweit ausgehend von Großbeeren

Alle Elektrotechnik, Elektronik Jobs

Top 5 Elektronik

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.