Automobilelektronik 11.10.2002, 18:22 Uhr

Hersteller wehren sich gegen Kritik an Elektronik

Neue Fahrzeuge, die auf Messen wie derzeit in Paris in glänzendem Licht gezeigt werden, müssen im Alltag vor allem zuverlässig sein. Gerade der steigende Elektronikanteil bereitet laut einer aktuellen Untersuchung allerdings zunehmend Probleme. Für die Hersteller ist die Elektronik jedoch ein Innovationsmotor.

Autos des Baujahres 2002 haben laut dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer „mehr Gemeinsamkeiten mit einem Airbus als mit einem Käfer.“ Einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Flugzeugtyp und einem modernen Kraftfahrzeug sieht Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen jedoch: „Während Flugzeuge wie der Airbus in hohem Maße die Ausfallsicherheit der Teilsysteme gewährleisten, machen bei allen Automobilherstellern Rückrufe und Pannenstatistiken auf ein neues Qualitätsproblem aufmerksam – die Ausfallstabilität der Elektrik und Elektronik in Automobilen.“
Eine Sonderauswertung des ADAC- „AutoMarxX“ am CAR, bei der fast eine Millionen Fahrzeuge mit einem Alter zwischen drei und fünf Jahren ausgewertet wurden, macht deutlich: Die festgestellten Elektrik- und Elektronik-Pannen sind zwischen 1998 und 2001 um 23 % gestiegen, während die sonstigen Pannen lediglich um 3 % zunahmen. Wenn der Trend anhalte und keine Maßnahmen in Entwicklung und Bau der Fahrzeuge eingeleitet würden, ist nach der am CAR entwickelte Prognose bis 2013 sogar mit einem Anteil der Elektrik/Elektronik-Pannen von fast 63 % zu rechnen.
„Es reicht einfach nicht mehr aus, ausschließlich die Fehlerzahl der Teilsysteme und Zuliefererteile zu reduzieren“, resümiert Dudenhöffer. Jedes neue Teilsystem steigere das Fehlerrisiko im Fahrzeug exponentiell. Seine Folgerung lautet deshalb: Um keine Verschlechterung der Ausfallsicherheit zu erreichen, müssten Teilsysteme in ihrer Zuverlässigkeit verbessert werden.
Elektronikhersteller wehren sich gegen die Kritik an ihren Produkten. Johannes Winterhagen, Sprecher von Siemens VDO Automotive, Schwalbach: „Hard- und Software für Automobilanwendungen sind grundsätzlich nicht mit Office-Produkten zu vergleichen.“ Motorsteuerungen werden z.B. in einem mehrjährigen Entwicklungsprozess unter Extrembedingungen am „Polarkreis und in der Wüste“ getestet. Dazu kommt, dass der Einsatz von Elektronik im Ernstfall, z.B. durch Airbags Leben rettet. Ebenso wie Sicherheitssysteme benötigten moderne Antriebskonzepte unbedingt elektronische Steuerungen, um immer sparsamer zu arbeiten, weiß der Branchenkenner. „Seit 1990 ist der durchschnittliche Verbrauch deutscher Automobile um fast 20 % zurückgegangen, obwohl die Fahrzeuge komfortabler, sicherer und damit auch schwerer wurden“, so Winterhagen.
Rückendeckung erhält er vom Geschäftsführer des Fachverbandes „Bauelemente der Elektronik“ im Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI), Frankfurt/Main, Christoph Stoppok: „In den vergangenen Jahren ist die Menge an elektronischen Geräten im Kfz sehr stark gestiegen.“ Die Umsatzsteigerung in diesem Bereich täusche über den tatsächlichen Umfang hinweg, weil die Gerätepreise kontinuierlich in hohem Maße gesunken seien. „Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Ausfallraten deutlicher gestiegen sind als die mechanischen“, so Stoppok.
Die Vertreter der Elektronikbranche sehen sich durch die Entwicklung bei den Pannen im Verhältnis zu den erfassten Fahrzeugen bestätigt. Denn: Die gestiegene Zahl der Pannen ist vor allem auf eine gewachsene Zahl an Fahrzeugen zurückzuführen. Pro 1000 Fahrzeuge zeigt die Statistik dagegen die Tendenz zu weniger Ausfällen.
Auch Rudolf Probst, Konzernsprecher von BMW in München, relativiert die Kritik an den Elektronikbauteilen: „Oft kann sich ein Fehler an einem mechanischen Bauteil als Elektronikdefekt bemerkbar machen.“ Er sieht zudem eine Verzerrung der Ergebnisse, da die Laufleistung beim Vergleich der einzelnen Marken nicht berücksichtigt würden.
Dass die Zunahme der Elektronik gravierende Auswirkungen hat, lässt sich nicht verleugnen. So haben sich insbesondere die Anforderungen an den Kfz-Mechaniker gewandelt. Gleiches gilt für die Fahrer der Straßenwacht. Helmut Schmaler vom ADAC dazu: „Der Unterschied liegt darin, dass wir in erster Linie bestrebt sind, Fahrzeuge wieder flott zu bekommen, auch wenn das durch provisorische Maßnahmen erfolgt.“ Autowerkstätten müssten das Auto dagegen reparieren, was unter Umständen entsprechende Diagnose- und Reparaturmethoden erfordere, so der Fachmann.
Diskussionen gibt es auch über die Langzeitversorgung mit Elektronikbauteilen, die durch die deutlich kürzeren Innovationszyklen gegenüber der Mechanik wesentlich komplexer ist. Automobilhersteller schreiben in der Regel eine gesicherte Ersatzteilversorgung für 15 Jahre nach Auslaufen eines Pkw-Modells vor. Auf Initiative der Fachgruppe I im ZVEI wurde deshalb von Vertretern der Halbleiter-, Zulieferer- und Kfz-Industrie ein Weißbuch erarbeitet, in dem Kriterien zur Sicherstellung der Versorgung beschrieben werden. Christoph Stoppok geht davon aus, „dass diese Richtlinien in naher Zukunft ein Weltstandard werden.“
Mit universellen Lösungen rechnet der Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands in nächster Zeit nicht. „Es gibt Ansätze zu genormten Systemen, die sich an ältere Fahrzeuge anpassen lassen,“ weiß Stoppok. In vielen Bereichen der Kfz-Elektronik sei das aber nur mit großem Aufwand und entsprechend hohen Kosten möglich. Und die zunehmende Integration von mechatronischen Systemen erschwere die Vereinheitlichung von Schnittstellen.
Bei DaimlerChrysler, Stuttgart, sieht man neben einheitlichen Richtlinien auch das Recycling von Altfahrzeugen als Baustein für die Langzeitversorgung. So könne eine Wiederverwendung geprüfter Bauteile durchaus Sinn machen, selbst wenn sich beim Austausch von Steuergeräten ein Software-Update von Schnittstellen nicht vermeiden lasse. Genau hier sieht BMW-Sprecher Probst auch Chancen: „Die Elektronik hat den Vorteil, dass ältere Software-Stände durch verbesserte Versionen ausgetauscht werden können.“ Damit ließen sich auch noch nachträglich Funktionen verbessern oder die Zuverlässigkeit erhöhen. MARTIN CIUPEK

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