Dokumentenmanagement 17.12.2004, 18:36 Uhr

Handy könnte bald Kopierer ersetzen

VDI nachrichten, Grenoble, 17. 12. 04 -Seitdem digitale Kameras immer besser werden, wird immer öfter die Möglichkeit diskutiert, Scanner in Zukunft durch digitale Kameras zu ersetzen. Dies ist in gewissen Bereichen sicherlich möglich. Im Bereich Dokumentenmanagement allerdings stand dieses Thema bislang nicht zur Debatte. Forscher von Xerox in Grenoble arbeiten an digitalen Kameras – und sei es in Mobilfunktelefonen – als Alternative zum Kopierer.

Grenobler Wissenschaftler des Druck- und Kopiererspezialisten Xerox forschen, so mag es erscheinen, an der eigene Abschaffung. Im Xerox Research Center Europe XRCE arbeiten die Tüftler um die Direktorin Monica Beltrametti nämlich an nichts anderem als dem Ersetzen des Kopierer durch digitale Kameras – und das bei Xerox, der Firma, deren Name lange als Synonym für das Kopieren stand.
Beltrametti und ihre Crew nutzen für die Dokumentenerfassung nicht nur Digitalkameras, sondern auch Mobilfunktelefone der neuesten Generation. Diese sind in der Auflösung heute so gut (zwischen 1 Megapixel und 5 Megapixel), dass es den Xerox-Mitarbeitern gelungen ist, das Thema unter der Überschrift „Mobile Document Imaging“ zur Marktreife zu entwickeln.
Die Kernfragen der Xerox-Forschungen dabei war: „Wie nutzen Menschen heute und in Zukunft Fotokopierer?“ und „Wie werden Menschen in Zukunft in Büroumgebungen arbeiten?“
Xerox erkannte, das die Fotokopierer, das Hauptgeschäft des Unternehmens, im Grunde keine Zukunft haben werden. Fotokopierer kopieren nur, sie vervielfältigen und verteilen Texte. Mit E-Mail und Internet und dem PDF-Format etablierte sich schnell eine andere Art Texte und Dokumente zu verteilen.
Basistechnologie für die Xerox-Technologie ist neben der Digitalfotografie eine automatische Texterkennung (OCR) in den gemachten Fotos. Hinzu kommt die Mobilphonebetriebssoftware Symbian 7. Sie erlaubt einen einfachen Austausch der JPEG-Bilddaten via E-Mail oder Bluetooth. Ein solches Foto ist rund 700 kByte groß, aufgenommen mit einer normalen Digitalkamera wäre es noch größer.
Da es bei der Anwendung der Xerox-Technologie ausschließlich um Text geht, nutzt dieses System die alt bekannte Faxtechnologie zum Datenversand, wobei ein solches Bild lediglich rund 70 kByte beansprucht. Xerox entwickelt aber gleichzeitig eine eigene Technologie, die die Bilder – ohne die Verluste der JPEG-Komprimierung – weiter auf ein Datenvolumen von rund 30 kByte reduziert. Dabei ist die Qualität – hierbei geht es um Lesbarkeit von Texten bei einem 10 kByte JBIG (Xerox Technologie) – sogar deutlich besser als bei einem 100 kByte großen JPEG.
Chris Dance, Senior Scientist und Imaging Processing Manager in Grenoble: „Der große Vorteil in der Bilderfassung mit digitalen Kameras liegt in der Schnelligkeit der Arbeitsabläufe. Niemand braucht zu einem Kopierer oder Scanner zu gehen, das Gerät einzuschalten, die Aufwärmphase abzuwarten, das Dokument glatt aufzulegen, zu scannen und den Scan- oder Druckvorgang abzuwarten. Ein Klick auf den Auslöser der Kamera genügt.“
Die Xerox-Software verarbeitet die „Schnappschüsse“ der aufgenommenen Dokumente automatisch zu brauchbaren digitalen Dokumentenvorlagen (s. Grafik). Die Software erkennt Fehler im Bild und verbessert es automatisch, und zwar direkt im Mobilfunktelefon. So sind nicht nur Aufnahmen von normalen DIN-A4-Ausdrucken, sondern auch von Magazinseiten, Bildschirmen und Präsentationswänden möglich.
In Zukunft will Xerox auch den automatischen Textumbruch in die Kamerasoftware integrieren. Viele Textzeilen laufen nämlich breiter als sie mit der Kamera aufzunehmen sind.
Die Lösung, so Dance: „Die Software findet automatisch Textzeilen, erkennt Wörter ohne OCR-Technologie und stellt dies automatisch neu umbrochen im Display des Mobiltelefons dar.“ Texterkennung im Fotohandy selbst ist ein Wunsch von Dance, aber: „Leider ist automatische Texterkennung sehr rechenintensiv, benötigt also eine entsprechende Prozessorleistung.“
Vorreiter sind kamerabasierende Verkehrsüberwachungssysteme und die Motiverkennungssysteme in den so genannten Minilabs, in Fotoentwicklungsanlagen wie den Fuji Frontiers. Hier werden Bilder allerdings nur charakteriert: Die Entwicklungsmaschine erkennt anhand den bei digitalen JPEG-Bildern angehängten Metadaten um welche „Art“ Bild es sich handelt. Dies funktioniert aber nur bei den eingestellten Kameraprogrammen „Panorama“, „Sport“, „Porträt“ usw. sowie bei der Unterscheidung zwischen Quer- und Hochformat.
Im Projekt „Image Categorisation“ entwickelte Xerox ihre Software weiter, so dass diese nun Gegenstände erkennen kann. Hintergrund war die Überlegung, dass die Menge digital geschossener Fotos rapide zunimmt und sich daraus das Problem einer effizienten Verwaltung der Bilder entwickeln wird.
Ein Bild aufzunehmen dauert nur wenige Zehntelsekunden, es zu beschriften und zu katalogisieren aber oft Minuten. Gleichzeitig spielen Bilder eine immer größere Rolle in geschäftlich wichtigen Dokumenten.
„Deshalb“, so Christopher Dance, „arbeiten wir bei Xerox daran, dieses Thema auch in unsere Dokumentmanagement-Lösungen zu integrieren.“ Ähnlich einer Suchmaschine nach Wörtern, die Keywords nutzt, gebraucht das System „Keypatches“ zur Bilderkennung. Diese Patches geben charakteristische Merkmale von Objekten wieder.
Die Forscher setzten diese charakteristischen Merkmale in einen Kontext mit dem Bildmotiv und entwickelten eine „Selbstlernfunktion“, ähnlich wie in Übersetzungsprogrammen. Nach dem derzeitigen Stand der Entwicklungen erkennt und unterscheidet die „Image Categorisation“ bereits Gesichter, Autos, Busse, Flugzeuge, Tiere, und diverse Gegenstände wie Mobiltelefone oder Werkzeug.UWE CLEVER

 

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