IFA 2009 11.09.2009, 18:29 Uhr

Fernsehwelt wird für den Verbraucher komplizierter  

Noch hat der Regelbetrieb von ARD und ZDF in HDTV nicht begonnen, da zeigt sich auf der Konsumelektronik-Messe IFA schon der nächste TV-Schub: 3-D, also räumliche Bilder. Doch zunächst muss HDTV auch bei den Zuschauern ankommen. VDI nachrichten, Berlin, 11. 9. 09, jdb

Für die Hersteller von TV-Geräten ist das Thema „Hochauflösendes Fernsehen“, kurz HDTV, abgehakt: Seit Jahren können die Geräte unter dem Label HD-Ready die schönen, neuen, scharfen Bilder darstellen. Auch Full-HD, die volle, derzeit geplante HDTV-Auflösung von 1080 Zeilen können die meisten neuen Geräte abbilden. Differenzierung gegenüber den Wettbewerbern findet längst mit anderen Technologien statt: Mit energieeffizienter LED-Hintergrundbeleuchtung und damit einhergehenden Bildverbesserungen, mit Internet auf dem TV und natürlich mit Bildschirmgröße und Design.

Wenn HDTV dennoch auf der IFA ein Reizthema war, dann hing das eher damit zusammen, dass die Technik immer noch nicht endgültig beim Konsumenten angekommen ist. „Viele Kunden glauben, wenn sie sich einen HD-Ready-Fernseher zugelegt haben, können sie damit auch automatisch HDTV schauen,“ beklagte mehr als ein Branchenkenner das vorhandene Informationsdefizit seitens der Endverbraucher. Und dann begann sofort das fröhliche Zuschieben des Schwarzen Peters (s. Beitrag unten).

Auf dem Presseforum „Zukunft des Fernsehens“, das ARD und ZDF traditionell auf der IFA abhalten, wurde in seltener Einmütigkeit unter öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern, unter Händlern und Kabelnetzbetreibern dieses Informationsdefizit konstatiert, doch wer letztlich etwas dagegen tun könne, da gingen die Meinungen auseinander.

Der stellvertretende ARD-Vorsitzende Fritz Raff wertete zunächst einmal den HD-Testfall Leichtathlethik-WM als vollen Erfolg, äußerte dann aber gleich die Sorge, die Diskussion um die HD+-Plattform des Satellitenbetreibers Astra werde die Einführung von HDTV bei den Verbrauchern verzögern. Er forderte, den in Fahrt kommenden HDTV-Zug nicht durch verbraucherunfreundliche Maßnahmen zu verzögern.“

Mit HD+ will Astra den privaten TV-Anbietern, allen voran ProsiebenSat1 und RTL die Möglichkeit bieten, HDTV per Satellit auszustrahlen. Das geschieht verschlüsselt und mit weitgehender Kontrolle über die Verwendung des Gesendeten (z. B. Aufzeichnung, Kopierschutz etc.). Außerdem bietet die Plattform Möglichkeiten zur Kundenadressierung und damit auch zur Refinanzierung über einmalige oder monatliche Gebühren.

Astra wie auch die bereits auf HD+ eingeschworenen Sender hängten das Thema auf der IFA bewusst niedrig auf. Offiziell, so Ursula K. Adelt, Geschäftsführerin des Privatsenderverbandes VPRT, „weil wir damit ja erst im November starten.“ Adelt: „Ich bin stolz, weil die Privatsender auch in der Werbekrise das Thema HDTV angehen.“ Die hochauflösenden Sendungen seien ein Zusatzangebot, das Programm in Standardauflösung werde es weiter kostenfrei über Satellit geben. „Wir können so ein Zusatzangebot aber nicht über die Rundfunkgebühren refinanzieren“ äußerte sie mit Blick auf ARD und ZDF. Deswegen sei es legitim, dem Kunden mit HD+ die Wahl zu lassen, ob er die Programme in HD sehen wolle oder nicht.

Wenn aus der Diskussion überhaupt so etwas wie ein Fazit zu ziehen ist, dann dieses: Fernsehen wird für den Verbraucher komplizierter. Antennenstecker in die Dose an der Wand, Suchlauf und gucken – das funktioniert nur noch mit analogem Fernsehen in Kabelnetzen und ist mit ein Grund, warum die Digitalisierung der TV-Kabelhaushalte so schleppend verläuft. Gerade die großen Kabelnetzbetreiber tun derzeit relativ wenig, um ihre Kunden über HDTV zu informieren.

Immerhin: Die Zahl von 4 Mio. HD-Empfangsgeräten, die 2009 verkauft werden sollen, zeigt laut Bertram Bittel, Leiter der Produktions-und Technikkommission von ARD und ZDF, dass das Thema beim Verbraucher angekommen sei. Doch wird auch dem Fachhandel noch viel Informationsarbeit bleiben: Zu vielfältig ist mittlerweile die TV-Landschaft in Sachen Übertragungsweg, Verschlüsselungssystemen und Kompatibilität (s. Kasten).

Und die Industrie? Sie verfällt bei der diesjährigen IFA in das bewährte Schema: Mitten in den Einführungswehen einer neuen Technologie (HDTV) kommt schon das nächste Thema. Dieses Jahr war das 3-D. Vor allem die japanischen und koreanischen Hersteller zeigten marktreife Konzepte, die (natürlich) zu den bisherigen, zweidimensionalen TV-Geräten inkompatibel sind.

Müssen doch die beiden Bilder für das linke und rechte Auge über den gesamten Produktions- und Wiedergabeprozess getrennt bleiben. 3-D-Fernseher zeigen daher hintereinander in schneller Folge diese gegeneinander verschobenen Bilder und eine aktive Shutter-Brille sorgt dafür, dass jedes Auge nur das sieht, was es sehen soll.

Der Effekt ist verblüffend, doch angesichts der gerade laufenden Verkaufswelle von LCD-Fernsehern bleibt die Frage, wer bereit ist, schon wieder in neue Technik zu investieren. Die europäischen TV-Hersteller, allen voran Philips und Loewe, nähern sich dem Thema dann auch deutlich vorsichtiger. Loewe kann 3-D, versicherte Technikvorstand Gerhard Schaas, aber man warte noch ab. Und auch Andrea Ragnetti, Chef der Konsumelektronik bei Philips, äußerte Bedenken: „Wir können natürlich 3-D, aber noch fehlen Standards und es ist die Frage: Will der Verbraucher mit einer Brille fernsehen?“ Vielleicht sei es besser, zu warten, bis 3-D auch ohne Brille funktioniere. JENS D. BILLERBECK

Von Jens D. Billerbeck
Von Jens D. Billerbeck

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