Industrie 17.12.1999, 17:23 Uhr

Dynamik durch Dienstleistungen

Auch im 21. Jahrhundert bleibt die Metall- und Elektroindustrie eine zentrale volkswirtschaftliche Größe in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommen Astrid Ziegler und Karl Lichtblau, die Autoren des folgenden Beitrages.

Die M+E-Industrie ist in Deutschland ein wichtiger Industriezweig. Mehr als jeder zweite von insgesamt 6,1 Mio. Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe entfiel 1998 auf die M+E-Industrie. Die Bruttowertschöpfung betrug fast 350 Mrd. DM, das entspricht fast 54 % der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt. Mit einem hohen Exportanteil von über zwei Dritteln trägt die M+E-Industrie überdurchschnittlich zum Auslandsumsatz des Verarbeitenden Gewerbes bei. Auch gesamtwirtschaftlich hat die Branche eine große Bedeutung. Knapp jeder zehnte Arbeitsplatz befindet sich in einem Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie.
Gleichzeitig ist allerdings festzustellen, dass die positive Produktions- und Absatzentwicklung in der M+E-Industrie sich nicht auf die Schaffung von Arbeitsplätzen niedergeschlagen hat. Die Branche baut seit 1991 kontinuierlich Arbeitsplätze ab. Die Beschäftigung fiel von knapp 4,7 Mio. (1991) auf nur noch 3,3 Mio. (1998). Allerdings hat sich das Abbautempo nach 1993 deutlich verlangsamt. Zu Anfang der 90er Jahre hat der Umstrukturierungsprozess in den neuen Ländern, aber auch die Krise in Westdeutschland zu einem De-Industrialisierungsschub geführt, der auch an der M+E-Industrie nicht vorbei ging.
Wie wird sich die Beschäftigung der Branche auf mittlere Sicht entwickeln? Dies war die zentrale Fragestellung eines vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans Böckler Stiftung und vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag von Gesamtmetall und IG-Metall durchgeführten Projekts.
Der Beschäftigungstrend der 90er Jahre wird sich ins 21. Jahrhundert fortsetzen. Es wird davon ausgegangen, dass der deutsche M+E-Sektor zwischen 1998 und 2005 einen Beschäftigungsrückgang

  • im Basisfall von 417 000 Personen (- 12,5 %)
  • in der optimistischen Variante von 297.000 Personen ( – 8,6 %) und
  • in der pessimistischen Variante von 543.000 Personen (- 16,3 %) verzeichnen muss.

Dieser Beschäftigungsabbau fällt besonders deutlich in der Elektroindustrie (- 24,4 %) und im Bereich Metallwaren (- 16,9 %) aus. Wesentlich günstiger wird die Entwicklung im Maschinenbau (-6,6%) und im Fahrzeugbau (- 4,6 %) eingeschätzt.
Die beschäftigungspolitische Bedeutung der Metall- und Elektorindustrie in Deutschland ist aber größer als es die direkten Anteile der Branche an der Beschäftigung ausdrücken. Die M+E-Industrie ist ein wichtiger Kunde der Zulieferindustrie und sichert, bzw. schafft dort Beschäftigung. Industrie und Dienstleistungen sind mit steigender Tendenz wechselseitig voneinander abhängig. So stecken heute in den Industrieprodukten mehr Dienstleistungen als früher.
Der mittelfristig prognostizierte Beschäftigungsabbau in der M+E-Industrie wird zum größten Teil durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie kompensiert. Zwei Arbeitsplätze in der M+E-Industrie schaffen einen zusätzlichen Arbeitsplatz im Zulieferbereich. Dieser sog. Arbeitsplatzfaktor wird von 0,55 (1998) sogar auf 0,70 (2005) ansteigen.
In dem Vorleistungsverbund sind heute 1,9 Mio. Personen beschäftigt 2005 werden es gut 2 Mio. sein. Die von der M+E-Industrie abhängigen Arbeitsplätze werden zwar zwischen 1998 und 2005 von etwa 5,2 Mio. auf 5 Mio. zurückgehen, dieser Rückgang (- 4,3 %) ist aber weitaus weniger dramatisch als die Verluste im Kernbereich der Industrie (- 12,5 %). Die Entwicklung der gesamten, direkt oder indirekt von der M+E-Industrie abhängigen Beschäftigung zeigt, dass der Anteil der dem Vorleistungsverbund zurechenbaren Arbeitsplätze ständig steigt. Nur dadurch kann bis 2005 wenigstens mit einer Stabilisierung der Gesamtbeschäftigung auf dem heutigen Niveau gerechnet werden.
Die steigende Bedeutung der Zulieferer innerhalb des Gesamtverbundes der Metall- und Elektroindustrie ist vor allem durch einen Strukturwandel auf der Vorleistungsebene zugunsten der Dienstleister geprägt. Die M+E-Industrie bezieht heute etwa ein Drittel ihrer Vorleistungen aus dem eigenen Sektor und knapp ein Viertel aus anderen Industriebereichen. Diese Anteile werden bis zum Jahr 2005 deutlich fallen. Die Gewinner werden die Lieferanten aus den Dienstleistungssektoren sein, die ihren Anteil von gut 40 % (1994) auf 48 % (2005) steigern werden. Dies ist Ausdruck davon, dass die Tertiärisierung der Wirtschaft vor allem als eine „Tertiärisierung der Industrieproduktion“ aufgefasst werden muss.
Diese Entwicklung wird fast ausschließlich durch eine ständig wachsende Bedeutung des Sektors „Übrige Dienstleistungen“ angetrieben. In diesem Sammelposten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verbergen sich überwiegend wirtschaftsnahe Dienstleistungen (Unternehmensberatung, Rechtsanwälte, Architekturbüros, Werbung, etc.)
Der Trend hat natürlich Einfluss auf die sektorale Struktur der Arbeitsplätze innerhalb des Vorleistungsverbundes: In der mittelfristigen Perspektive wird nicht nur die Zahl der Beschäftigten im Kernsektor der M+E-Industrie fallen, sondern auch die ihrer industriellen Vorleister. Bis 2005 ist mit einem Wegfall etwa jedes zehnten Arbeitsplatzes zu rechnen. Dies wird überkompensiert durch zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich der tertiären Vorleister. Hier wird sich der Trend der letzten Jahre fortsetzen. Bis 2005 wird die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich um fast ein Drittel zunehmen. Nur die Dynamik bei den Dienstleistern ist dafür verantwortlich, dass sich die Gesamtbeschäftigung im M+E-Verbund auf einem Niveau von ca. 5 Mio. Beschäftigten stabilisieren kann.
Der sektorale Strukturwandel von der Industrie zu den Dienstleistungen verleitet oft zu der voreiligen These von dem Auslaufmodell „Industrie“. Gerade die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie sind aber wichtige Abnehmer von Vorleistungsgütern des Dienstleistungssektors sie sichern über ihre Nachfrage dort Arbeitsplätze. Ohne eine wettbewerbsfähige Industrie hätten viele Dienstleister keine Absatzmärkte – und umgekehrt.
Die Gewinner des Strukturwandels sind die Dienstleister im Vorleistungsverbund. Konkret heißt das, dass die beschäftigungspolitische Bedeutung einer Branche heute nicht mehr nur durch die Zahl der eigenen Arbeitsplätze gemessen werden kann. Der Blick muss auf den gesamten Industrie-Dienstleistungsverbund gerichtet werden. Bei dieser Betrachtung bleibt die Metall- und Elektroindustrie eine volkswirtschaftlich bedeutende Branche, von der auch in Zukunft rund 15 % aller Arbeitsplätze abhängen werden. A. ZIEGLER / K. LICHTBLAU
Beschäftigungspotenziale der M+E-Industrie und der M+E-nahen Dienste, Düsseldorf und Köln 1999
Astrid Ziegler: „Die steigende Bedeutung der Zulieferer … Karl Lichtblau: … sorgt für Jobs in der M+E -Branche“.
Nach erheblichen Verlusten Anfang der 90er Jahre wird sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Metallindustrie mittelfristig stabilisieren.

Von A. Ziegler/K. Lichtblau
Von A. Ziegler/K. Lichtblau

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