Consumer Electronics Show 20.01.2012, 12:01 Uhr

CES: Trübe Aussichten trotz Rekordergebnis

Die diesjährige Consumer Electronics Show (CES) ging mit dem besten Ergebnis aller Zeiten zu Ende. Doch unter den Experten gilt die Zukunft der größten amerikanischen Technologiemesse als ungewiss. Vor allem das Ausbleiben von Microsoft gilt als deutliches Anzeichen für eine schwere Zukunft.

Mit 153 000 Besuchern wurde das bisherige CES-Rekordjahr 2006 knapp überboten, und auch mit den 3100 Ausstellern wurde das entsprechende Rekordergebnis von 2008 leicht übertroffen. Grund zur Freude bei dem veranstaltenden Verband, der Consumer Electronics Association, kurz CEA. „Die soeben zu Ende gegangene CES 2012 ist die erfolgreichste in der 44-jährigen Geschichte dieser Messe“, freute sich CEA-Präsident Gary Shapiro in der Abschlusspressekonferenz.

Doch die weiteren Aussichten werden von vielen Experten als bestenfalls „heiter bis wolkig“ eingestuft. Diese pessimistische Prognose geht vor allem auf die Ankündigung von Microsoft zurück, dass der Softwaregigant in diesem Jahr zum letzten Mal an der Messe und an den Keynote-Reden teilgenommen hat.

Consumer Electronics Show (CES) verkümmert, wenn Konzerne wie Microsoft fehlen

„Bei weiterer Abstinenz der Großen verkümmert die CES zu einem Gemischtwarenbasar, auf dem nur noch kleine Anbieter technologische Gimmicks anbieten“, warnt Roger Kay, Analyst von Endpoint Technologies. Und mit dieser Ansicht ist er nicht alleine: „Wir beobachten schon seit Langem einen anhaltenden Abwärtstrend bei allen Technologiemessen, und die CES ist dabei keine Ausnahme“, meint Ezra Gottheil von Technology Business Research.

Einer der Gründe für die abnehmende Bedeutung solcher Publikumsveranstaltungen ist für ihn das Aufziehen von Cloud Computing. „Die Endgeräte wandeln sich zu schicken Terminals, die man nach Geschmack und Geldbeutel anschafft, eine Messe macht bestenfalls noch als Order-Messe für den Handel Sinn, so wie man es bei Mode und anderen Konsumgütern kennt“, so Gottheil weiter. Eine andere Konsequenz von Cloud Computing sei die, dass man für diese Softwareangebote gar keine Messe benötige. Google hat für seine Google-Apps nie eine Messe genutzt, und auch Microsoft benötigt für Azure und Office 365 keinen Messestand.

Nun hängt das Schicksal der CES nicht nur von Cloud Computing oder der Teilnahme von Microsoft ab, doch mit deren Ausbleiben beschleunigt sich ein Trend, der schon seit geraumer Zeit zu beobachten ist. So fehlen Apple und Dell bereits seit vielen Jahren. Vor allem die CES-Abstinenz von Apple macht sich immer stärker bemerkbar. „Apple überschattet die CES schon seit Langem. Alle Aussteller wollen es mit dem MacBook Air und dem iPad aufnehmen, doch keiner schafft es – wozu soll man also noch nach Las Vegas reisen“, sagt Tim Bajarin, Präsident von Creative Strategies.

Amazon ebenfalls nicht auf der CES

Der einzige ernsthafte iPad-Konkurrent in den USA, Amazon, ist mit seinen Kindle-Systemen ebenfalls nicht vertreten. Philips und Lenovo haben auch keinen eigenen Stand und sind nur so weit engagiert, dass sie an einigen Sonderausstellungen und Präsentationen teilnehmen können. PC-Weltmarktführer HP hat seinen CES-Auftritt ebenfalls stark zurückgefahren.

Alle diese Unternehmen praktizieren das, was bereits bei der vor einem Jahrzehnt letztmalig durchgeführten US-Computermesse Comdex gang und gäbe war – und dort letztlich das Ende bedeutete: individuelle Präsentationen für geladene Gäste, Partner und Presse in angemieteten Hotelsuiten. Der Trend ergreift verstärkt auch die CES. Beispiel Acer: Zwar gibt es einen Stand für den Endkonsumenten, doch die wichtigen Gespräche und Neuvorstellungen finden in einem entfernten Hotel statt. Auch Microsoft plant wohl für die Zukunft einen ähnlichen Auftritt. „Ich brauche auf der Messe die Gespräche mit Kunden, aber ich muss doch nicht nochmal die Xbox zeigen“, sagte Microsoft-Manager Achim Berg gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Gespräche könne man schließlich auch abseits der Messe in Hotels führen.

Zusätzlich haben die Unternehmen, die in den letzten Jahren auf der CES für Schlagzeilen sorgten, viel Vertrauen verloren, denn eine Reihe der groß angekündigten Produkte floppten später. Die im Jahr 2009 präsentierten Netbooks verschwanden in der Versenkung, nachdem Apple 2010 das erste iPad auf den Markt brachte. Auch Palms WebOS hatte keinen Markterfolg. HP kaufte später das Unternehmen und das System. Jetzt soll WebOS Open Source werden. Die größte Pleite waren die über 100 Ankündigungen von Android-Tablets im vorigen Jahr – die nahezu allesamt in der Versenkung landeten. Auch RIMs Tablet PlayBook schaffte den Durchbruch nicht, obwohl der Blackberry-Hersteller ein gutes Renommee bei den IT-Chefs hatte.

Consumer Electronics Show (CES) auch für den Mobilfunk weniger interessant

Auch die Mobilfunker verabschieden sich auf leisen Sohlen, da der Mobile World Congress (MWC) im Februar in Barcelona immer wichtiger wird. Die meisten neuen Handys auf der CES sind lokal auf den US-Markt beschränkt und setzen kaum noch internationale Akzente. Selbst die großen US-Provider, wie AT&T, Verizon und Sprint haben ihre Auftritte stark reduziert und stellen nichts Neues mehr vor. Auch sie verweisen auf den kurz darauf folgenden MWC.

Vielleicht gibt es aber noch eine Zukunft für die CES: als „AES – Automotive Electronics Show“. Seit Jahren steigt die Zahl der Automobilhersteller, die dort ausstellen. Ford ist besonders stark vertreten, aber auch Daimler, Audi und GM bauen ihr Engagement aus. Insgesamt sollen auf der letzten CES bereits zehn Autohersteller vertreten gewesen sein, die vor allem ihr In-Car-Entertainment präsentieren.

IBM-Manager Scott Burnett sieht bereits klare Anzeichen für einen weitreichenden Strukturwandel: „Elektronische Geräte sind heute überall im Einsatz und sie sind alle untereinander vernetzt – das ruft neue Industrien auf den Plan“, so seine Prognose. Neben der Autobranche erwartet er vor allem ein stärkeres Engagement der Branchen Gesundheit/Fitness, Stromversorgung, Verkehr und Medien.

 

 

Ein Beitrag von:

  • Harald Weiss

    Freier IT-Journalist, IT-Analyst und IT-Consultant in Kaiserslautern. Nach verschiedenen Positionen in Softwareentwicklung,  MarCom und PR, 17 Jahre President New York Reporters in New York. Seit 2016 freischaffend wieder in Deutschland.

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