Automobilelektronik 25.10.2002, 18:22 Uhr

Big Brother greift nach dem Auto

Mit Hightech-Instrumenten Temposünder erkennen und überführen oder Straßenzölle kassieren – daran denken immer mehr Behörden in Europa. So stand die Hard- und Software für Überwacher und Überwachte im Mittelpunkt der Ausstellung zum 9. Weltkongresses Intelligent Transport Systems in Chicago.

Das Kürzel ISA bedeutet an sich „Intelligent Speed Adaption“. Der 9. Weltkongresses Intelligent Transport Systems (ITS) vom 14. bis 17. Oktober in Chicago zeigte aber, dass es auch anders verstanden werden kann: „In-car Speed Adaption“ heißt es in Schweden, „Intelligent Speed Assistance“ in den Niederlanden mit Ausnahme von Brabant, wo man von „Intelligent Speed Adjustment“ spricht. Gemeint ist aber immer dasselbe: ein System, das den Autofahrer auf die eine oder andere Weise an ein Tempolimit erinnert, wenn er zu viel Gas gibt.
Manche Einsatzmöglichkeit von ISA ist freilich sehr umstritten. Während man in Schweden ein reines Informationssystem favorisiert, sprechen sich die Niederländer und die Franzosen mehr oder minder unverblümt für eine „Zwangsbremsung“, also für Systeme aus, die beim Erreichen des zulässigen Höchsttempos Gas wegnehmen oder sogar bremsen. So bildete denn das Angebot an Hard- und Software für Überwacher und Überwachte einen Schwerpunkt der Ausstellung im Rahmen des ITS-Weltkongresses.
Dr.-Ing. Georg Lerner, Leiter Verkehrstechnik bei BMW, kann sich durchaus vorstellen, dem Kunden die Freude am Fahren unterhalb obligatorischer Tempolimits schmackhaft zu machen. Allerdings unter keinen Umständen als Zwangsbremsung. „Da sind wir strikt dagegen. Allein die Haftungsfrage ist völlig ungeklärt, wenn in diesem Zusammenhang ein Unfall passiert, dessen Ursache nicht eindeutig zu klären ist. Was ist, wenn der Fahrer behauptet, das System habe mit einem Bremseneingriff den Unfall verursacht?“
Solche Fragen halten die Experten des Niederländischen Transportministeriums für nicht wirklich problematisch: „Nur drei Fragen sind für die Zukunft von ISA entscheidend. Wie soll das Tempolimit ins Fahrzeug übertragen werden? Wie wollen wir zuverlässige und genaue Informationen als Basis für die vorzuschreibende Höchstgeschwindigkeit sammeln? Und welche Marktanteile können wir in den nächsten Dekaden erreichen?“
Eine Antwort auf die dritte Frage lieferte Schwedens Verkehrsbehörde Vägverket in Chicago, die bereits konkrete Zeitvorstellungen erkennen ließ: Ab 2005 sollen ISA-Systeme für Neuwagen Pflicht werden, für 2012 wird ein Gesetz zur Nachrüstung von Altfahrzeugen erwartet. 2017 soll jedes Auto mit einem ISA-System ausgerüstet sein.
Die Uni Lund in Schweden war von 1999 bis 2001 das wissenschaftliche Zentrum eines Großversuchs (Kosten: 7,6 Mio. „) mit 6000 Autofahrern. Man wollte der „Vision Zero“ bei Verkehrsunfällen mit Todesfolge näher kommen. Dabei wurde den Fahrern über eine digitale Anzeige und einen Druckpunkt im Gaspedal das jeweilige Tempolimit angezeigt. Als „ganz wichtig“ unterstreicht die „Limit-Adviser“-Broschüre im Fettdruck: „Sie können jederzeit schneller fahren, der Wagen sendet keinerlei Signale nach draußen aus.“
Auch da ist die Ertico, Europas ITS-Vereinigung, an der auch die Autohersteller beteiligt sind, mittlerweile eingeknickt. „Wenn ein Fahrer zu schnell fährt und trotz der ISA-Warnungen sein Tempo nicht drosselt, werden die Informationen über diese Geschwindigkeitsüberschreitung erfasst und gespeichert“, schlägt man in der jüngsten Ertico-Imagebroschüre vor.
Eine konziliante, aber dennoch deutliche Absage an Zwangssysteme liefert Deutschland: „Allgemein ist man der Meinung, dass der Fahrer im Regelkreis bleiben sollte das bedeutet, dass jede Unterstützung von außen ihm helfen soll, die Verkehrsregeln einzuhalten“, so Fritz Bolte von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Mit ein Grund für die Zurückhaltung ist neben allen theoretischen Bedenken die Tatsache, dass die oft versprochenen Vorteile der ISA für Sicherheit, Umwelt und Verkehrsfluss häufig auf wackligen Füßen stehen.
Oliver Carsten von der Uni Leeds, einer der großen ISA-Verfechter in Europa, prophezeite bereits vor zwei Jahren, dass es durch ISA „36 % weniger Unfälle und 58 % weniger Crashs mit tödlichem Ausgang“ geben werde. Sein lange angekündigter Praxistest beginnt wegen technischer Probleme aber frühestens in diesem Herbst.
PETER WEIDENHAMMER/WOP

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