Automobilelektronik 27.07.2001, 17:30 Uhr

Automatisierungssprünge mit Kabelsätzen

Porsche und GM zeichneten Leoni Bordnetz-Systeme als Lieferant des Jahres aus. Mit Hella wurde ein Joint Venture geschlossen. Im 1. Halbjahr 2001 stieg der Umsatz um 17 % auf 550 Mio. Euro. 2000 insgesamt gab es ein Wachstum auf 0,96 Mrd. Euro – plus 56 % gegen 1999.

Porsche-Kunden können die Ausstattung ihrer Fahrzeuge sehr individuell zusammenstellen. Das hat große Auswirkungen auf die Elektrik des Wagens und somit auch auf die Ausgestaltung der Bordnetze. Allein beim Porsche 911 sind theoretisch mehr als 5 Mio. Bordnetz-Varianten möglich. Diese Vielfalt, gepaart mit der Komplexität der Bordnetze, ergibt eine hohe Fehlermöglichkeit. Uwe H. Lamann, Mitglied des Vorstandes der Leoni AG, rechnet vor: „Im Durchschnitt bietet das Bordnetz eines Porsche-Sportwagens über 3 700 Fehlerquellen. Für jede Fehlerquelle gibt es ca. fünf Fehlerarten. Das ergibt über 18 000 Fehlermöglichkeiten pro Fahrzeug. Drückt man dieses nun noch in ppm, in der im Automobilumfeld üblichen Rechnungseinheit ,pass per million“, aus, ergeben sich 18 Mrd. theoretische Fehlermöglichkeiten.&ldquo

Umso höher ist also die Produktionskunst und Qualitätsüberwachung anzusehen, wenn es Leoni über lange Zeiträume gelingt, die Fehlerrate nahe Null zu halten. Das gilt erst recht, wenn man weiß, dass die komplizierten Kabelbäume mit bis zu 2000 Einzelleitungen und 3 km Kabellänge weitgehend von Hand angefertigt werden.

Ausschlaggebend für die Vergabe des Porsche-Preises war aber nicht nur die laufend hohe Qualität, „sondern auch die Innovation, die das Unternehmen in unser Geschäft einbringt. Gerade hier haben wir Leoni als besonders stark bewertet“, betont Wilfried Reinhardt, Leiter des Qualitätsmanagements Lieferanten bei Porsche.

Die Zusammenarbeit zwischen Leoni und Porsche besteht schon seit rund 50 Jahren. Bereits in den 50er Jahren wurden Kabelsätze für den Porsche-Traktor geliefert. Die erste komplette Verkabelung für den Sportwagen Typ 911 wurden ab 1968 gebaut, und auch im legendären Porsche 928 haben die Nürnberger die Strippen gezogen.

Im Lauf der Jahre wurden die Bordnetze so komplex, dass ein radikal neues Konzept her musste. Der riesige Kabelsatz wurde in einzelne Module zerlegt, die dann zu fahrzeugspezifischen Bordnetzen zusammengebaut wurden. Ab 1993 erfolgte die Anlieferung dieser Kabelsätze just in time und just in sequence, also Produktionsnummern-gesteuert.

Die Leoni AG arbeitet mit 60 Standorten dezentral, teils um in der Nähe der Kunden zu sein, teils aber auch, um Lohnkosten zu sparen. Das Gesamtunternehmen hat heute rund 16 000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von nahezu 2 Mrd. DM. Nach einer Neuorganisation in 1999 steuert eine Holding von Nürnberg aus drei Bereiche: Draht, Kabel und eben die Bordnetz-Systeme.

Die Bordnetze für Porsche werden im Werk Trencin nördlich von Bratislava in der Slowakischen Republik gefertigt. Es wurde 1993 eröffnet, um weiterhin kostengünstig fertigen zu können, denn die Lohnkosten liegen hier etwa um den Faktor 10 niedriger als in Deutschland. Trencin war der erste ausländische Standort, den Porsche als Just-in-time-Lieferanten akzeptierte. Die rund 1 000 km zwischen der Fertigung und den Porsche-Bändern werden täglich per Lkw überbrückt.

Dass man trotz des hohen manuellen Arbeitsanteils die komplizierten Produkte so tadellos hinbekommt, erklärt der Trenciner Werksleiter, Werner Geillinger, mit einer „Kombination von Technik und Organisation“. So ist die Fabrik in Sektoren aufgeteilt, die selbst fast wieder wie eine eigene Fabrik funktionieren, einschließlich eigener Arbeitsvorbereitung. „Innerhalb dieser Sektoren gibt es schlagkräftige Teams, die jeweils bestimmte Partien des Auftrags abwickeln, sich weitgehend selbst organisieren und über einen Teamsprecher auch artikulieren“ , so Geillinger.

Alle Mitarbeiter erhalten eine solide Grundausbildung und eine ständige Weiterqualifizierung. Ein umfangreiches Vorschlagswesen wird von der Fabrikleitung gefördert. „Die Löhne haben eine starke Prämienkomponente, so dass sich Leistung auch wirklich lohnt“, wie Werkleiter Geillinger berichtet.

Die technische Seite der außerordentlichen Qualität beginnt bei Leoni in der Konstruktion, wo die Bordnetze mit CAD-Systemen entworfen und detailliert werden. Leoni-Vorstand Lamann: „Hier wird der enge Kontakt mit dem Kunden gesucht, damit sich dessen Wünsche und unsere Realisierungen decken.“ Leoni ist für weitere Zukunftsaufgaben gerüstet. Lamann zählt dazu „das 42-V-Bordnetz, gedruckte Flachbandschaltungen anstelle vieler Leitungen und die Beherrschung noch größerer Systeme“.

Genau dazu hat die Leoni Bordnetz-Systeme gemeinsam mit der Hella KG Hueck & Co, Lippstadt, rückwirkend zum 1. März 2001 ein Joint Venture gegründet, an dem beide Firmen mit 50 % beteiligt sind. Das neue Unternehmen Inteldis GmbH, Würzburg, startet mit 50 Mitarbeitern. Ziel ist es, mit Unterstützung der beiden Muttergesellschaften völlig neue, intelligente Bordnetz-Systeme zu entwickeln und zu vermarkten. Dabei sollen Verkabelung und Elektronik in optimaler Weise kombiniert werden.

Die Nachfrage nach den von Leoni mit Kabelsätzen belieferten hochwertigen Fahrzeugmodellen ist weiterhin gut, so dass das Unternehmen von der nachlassenden Konjunktur im Automobilbereich nicht betroffen ist. Dieses Jahr wurde Leoni von General Motors zum zweiten Mal in Folge mit dem „Supplier of the Year Award“ als weltweit bester Bordnetz-Lieferant ausgezeichnet. Bewertet wurden Qualität, Service, Technologie und Preis. Bei GM werden Leoni-Bordnetz-Systeme in die Modelle Opel Astra und Zafira eingebaut. KLAUS OBERMANN/KÄM

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