Technikgeschichte 13.05.2011, 19:53 Uhr

Aufstieg mit Magnetzünder

In der kommenden Woche feiert Bosch das 125-jährige Firmenjubiläum. Anfangs wurde der Name Bosch vor allem mit dem Automobil in Verbindung gebracht, doch im Laufe der Zeit kamen unzählige Produkte hinzu: vom Kühlschrank bis zum Bohrhammer.

Man mag kaum glauben, dass es sich um einen Zufall handeln soll: Dieses Jahr feiert zum einen Daimler 125 Jahre Automobilgeschichte, und zum anderen begeht Bosch sein 125-jähriges Firmenjubiläum. Tatsächlich gründete Robert Bosch am 15. November 1886 in Stuttgart seine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ – mit einem Gesellen und einem Lehrling an seiner Seite.

Zunächst baute er mehrere Jahre lang Zündapparate für ortsfeste Motoren, bevor er 1897 mit der Magnetzündung für Kraftfahrzeugmotoren ins automobile Gewerbe einstieg. Dieses Standbein wurde 1902 noch gestärkt, denn mit der von Bosch eingeführten Hochspannungs-Magnetzündung samt Zündkerze – natürlich ging die erste an Daimler – gelang der wirtschaftliche Durchbruch des Unternehmens. Rückwirkend betrachtet mutet es beinahe irrwitzig an, wenn man Boschs Bedenken kennt, der Magnetzünder könnte eine Eintagsfliege sein.

Heutzutage würde man Robert Bosch als Vorreiter der Globalisierung bezeichnen, denn er erkannte nicht nur früh die Möglichkeiten im Auslandsgeschäft, er setzte sie auch um. Die erste Vertretung jenseits der Grenze entstand 1898 in Großbritannien, die erste Auslandsfertigung begann 1905 in Frankreich und 1906 gab es die erste Tochtergesellschaft in den USA. In dieser Zeit umwehte die schwäbische Firma bereits ein hervorragender Ruf – makellose Qualität, Komfort- und Sicherheitsgewinn für die Nutzer sollten fortan unabdingbare Voraussetzungen aller Produkte sein.

Der erste Bosch-Anlasser kam 1912 auf den Markt, bereits ein Jahr später gab es eine komplette elektrische Kfz-Anlage, bestehend aus Magnetzündung mit Zündkerzen, Anlasser, Lichtmaschine, Scheinwerfern und Reglerschalter. Dabei setzte Bosch schon früh auf den Export. Schon bei Ausbruch des ersten Weltkriegs werden 88 % der Erzeugnisse ins Ausland geliefert.

Besitzer von Oldtimern und Besucher von Automobilmuseen erfreuen sich an einer ebenso kleinen wie wirkungsvollen Erfindung von 1921: dem Bosch-Horn. Bahnbrechend wiederum ist ab 1927 die Serienfertigung von Einspritzpumpen für den Dieselmotor, denn damit gelingt dessen Verwendung im Kfz – 1936 hält der Selbstzünder auch im Pkw Einzug.

Bei aller Euphorie über die bezahlbare individuelle Mobilität: Eine allzu einseitige Ausrichtung aufs Automobilgeschäft sollte verhindert werden. Schon 1928 folgt deshalb der Einstieg ins Geschäftsfeld elektrische Handwerkzeuge mit einem Haarschneider und bald darauf mit dem Bohrhammer.

Erstaunen herrschte 1933 auf der Leipziger Frühjahrsmesse, als die Frischhaltung von Nahrungsmitteln thematisiert wurde: Bosch zeigte eine Trommel als Kühlschrank mit 60 l Nutzinhalt und war flugs in der Hausgeräteproduktion präsent. Robert Bosch treibt auch erfolgversprechende Ausflüge in die Welt der Gasgeräte mit Junkers oder im Zeitalter des Volksempfängers mit dem Radiohersteller Blaupunkt voran.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt der 1942 verstorbene Unternehmensgründer nicht mehr, er hat jedoch früh Vorsorge für das Unternehmen getroffen. Seine Nachfolger sollen die Erträge gemeinnützigen Zwecken zuführen. Nach dem Krieg entwirft und fertigt Bosch Taschenschirme, Elektrorasierer, Kochtöpfe aus Stahlhelmen und – als besondere Neuheit – Spätzlemaschinen, die übrigens heute noch in manchem schwäbischen Haushalt der Herstellung der sonntäglichen Sättigungsbeilage dienen.

In der Automobilindustrie macht Bosch 1951 mit der Benzineinspritzung Furore, zunächst für den Zweitaktmotor im Kleinwagen Gutbrod Superior, drei Jahre später im Viertaktmotor des Mercedes-Benz 300 SL, des Flügeltürers. Während der 1950er- bis 1970er-Jahre treten Hydraulik- und Heimwerkergeräte auf den Plan, das asymmetrische Abblendlicht erwacht, Bosch-Waschmaschinen halten Einzug in die ersten Haushalte, die Produktion von Verpackungsmaschinen in großem Stil läuft an und das erste elektronische System im Kraftfahrzeug: die elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung Jetronic geht in Serie.

Schließlich beginnt 1976 die von Bosch entwickelte Fertigung der Lambda-Sonde zur Abgasreinigung von Ottomotoren. Große Aufmerksamkeit erregt zudem der aus dem Schwabenland stammende erste Schwenkarm-Industrieroboter der Welt. 1978 wird das Antiblockiersystem ABS eingeführt. Obendrein schlägt sich die innovative Halbleitertechnik entscheidend auf die Entwicklung des Elektronischen Stabilitäts-Programms ESP nieder.

Die Bosch-Gruppe ist längst zu einem der führenden Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit den Geschäftsfeldern Kraftfahrzeug-, Industrie-, Gebäudetechnik sowie Gebrauchsgüter geworden. Bosch ist heute mit mehr als 350 Tochter- und Regionalgesellschaften in gut 60 Ländern vertreten – einschließlich Vertriebspartnern in 150 Ländern – und beschäftigt rund 285 000 Mitarbeiter. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 % bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH, den Rest hält die Familie Bosch und die Robert Bosch GmbH.

Der derzeitige Konzernchef Franz Fehrenbach strahlt zum 125-jährigen Jubiläum große Zuversicht aus: „Das Unternehmen ist nach der schweren Branchenkrise wieder in den schwarzen Zahlen und fuhr 2010 mit 47,3 Mrd. € den höchsten Umsatz seiner Geschichte ein.“ Mit Hochdruck werden die Weichen für die Zukunft mit den Herausforderungen Elektromobilität und erneuerbare Energien gestellt. Das hätte auch Robert Bosch so gewollt.

GUNDEL JACOBI

Ein Beitrag von:

  • Gundel Jacobi

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