Konsumelektronik 16.05.2003, 18:25 Uhr

Auf der Suche nach dem vollendeten Klang

Jahrelang dauerte die Entwicklung des High-End-Lautsprechers BeoLab 5. Maßgeblich dabei waren die technischen Vorgaben der „akustischen Linsen“. Die neue Aktivbox von Bang & Olufsen sollte jedoch nicht nur durch Technik überzeugen, auch optisch wollten die Macher Innovatives leisten.

Alles begann 1982: Professor David Moulton entwickelte an der State University of New York die Grundlagen für breit streuende „Wide-Dispersion“-Lautsprecher, die den Schall im Mittel- und Hochtonbereich breit verteilen und so einen Klanggenuss fast unabhängig von der jeweiligen Hörposition ermöglichen. Einer seiner damaligen Studenten war Manny LaCarruba, der später als Aufnahmeingenieur unter anderem für Mariah Carey und Carlos Santana arbeitete.
Gemeinsam mit Moulton entwickelte und patentierte LaCarruba die Technologie der „akustischen Linse“. Sie besteht aus einem nach oben gerichteten Lautsprecher und einem darüber sitzenden konkav-elliptischen Reflexionskörper, der den Schall weitestgehend homogen 180° horizontal und 30° vertikal abstrahlt. LaCarruba berichtet stolz, dass er „die ersten Prototypen der akustischen Linsen unkonventionell aus Ton gefertigt hat“.
Gemeinsam mit Moulton gründete er 1995 Sausalito Audio Works (SAW) und baute Prototypen einer Lautsprecherbox, die allerdings alles andere als hübsch waren: Sie bestanden aus einem fassförmigen Massivholz-Basslautsprecher und zwei darauf montierten akustischen Linsen. Diese wurden 1996 in einem Hotel in Los Angeles mehreren High-End-Herstellern vorgeführt, von denen aber nur einer an eine künftige Serienfertigung glaubte. Poul Praestgaard, der Acoustic Technology Manager von Bang & Olufsen, gesteht ein, „dass ich damals ein bisschen skeptisch war, als ich in der Einladung ein Foto des mehr als seltsam aussehenden Lautsprechers gesehen hatte“. Er war dann aber sehr schnell begeistert: „Schon nach einer Minute erkannte ich, dass wir hier etwas ganz Außergewöhnliches hörten.“
In den darauf folgenden Jahren erforschten sie gemeinsam mit SAW die komplexe Funktionsweise der Linsengeometrie, um dann ab 1999 per Lizenzvertrag ein Lautsprechersystem zu entwickeln. Bei der Realisierung des BeoLab 5 brachte die dänische Technologieschmiede neben dem futuristischen Design auch viel Technologie-Know-how ein. So wurde in das kegelförmige Gehäuse unter den beiden akustischen Linsen für Hochtöne bzw. Mitteltöne ein nach unten gerichteter 38-cm-Tiefbass und ein nach vorne gerichteter normaler Basslautsprecher integriert.
Für jeden Lautsprecher erhielt die Box einen eigenen von B&O erfundenen verlustleistungsarmen „ICEpower“-Digitalverstärker, der laut B&O-Produkttrainer Anton Schwarz „einen Wirkungsgrad von 94 % hat“. Für die Tiefton-Lautsprecher wurde eine adaptive Bass-Linearisierung entwickelt, die sich mit Hilfe eines im Lautsprecherboden integrierten ausfahrbaren Messmikrofons automatisch in zwei Minuten auf die Raumverhältnisse kalibriert. Für den Sound sorgt in jeder Box ein Hochleistungs-DSP mit 32 bit Gleitkomma-Arithmetik und 180 MFLOPS Rechenleistung. Die Aktivbox kann auch autark ohne B&O-Hifi-Anlagen betrieben werden, denn sie erhielt zusätzlich einen Line-Eingang und einen digitalen SPDIV-Eingang sowie einen Infrarot-Empfänger zur Lautstärkeregelung. Und schließlich ist BeoLab 5 auch noch die weltweit erste Box mit integriertem Diebstahlschutz – nach 30 min Netztrennung hilft nur ein PIN-Code, der per Fernbedienung eingegeben wird. P. PERNSTEINER

Technische Daten
BeoLab 5  – was dahinter steckt
Typ Aktiv-Lautsprecher mit zwei akustischen Linsen  und integriertem Tiefbass-System
Abmessungen:
Höhe: 97 cm, Durchmesser: 49 cm,
Gewicht:  61 kg
Max. Schalldruck:  108 dB (stereo, Paar)
Verstärkerleistung : 2 x 1000 W, 2 x 250 W (Class D, ICEpower)
Effektiver Frequenzgang: 20 Hz bis 20 000 Hz
Raumanpassung : Adaptive Bass Control (selbstkalibrierend)
Digitaler Signalprozessor:  32 bit floating point, 180 MFLOPS
Anschlüsse:  PowerLink (B&O), Phono (line), Digital SPDIF
Besonderheiten : Infrarot-Lautstärkeregelung und PIN-Zugangscode
Markteinführung  Juni 2003
Preis:  voraussichtlich 7400 €/Stück

Von P. Pernsteiner

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