ROHSTOFFLAGER WÄCHST WEITER 02.04.2015, 11:15 Uhr

100 Millionen alte Handys liegen in Haushalten herum

Die Zahl der ungenutzt herumliegenden Mobiltelefone in Deutschland steigt immer weiter. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Zahl nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom um 39 Prozent. Dabei sind sie im Grunde recht einfach zu entsorgen – und zu einem großen Teil wiederverwertbar.

Stopp: Alte Handys dürfen nicht in den Hausmüll. Und dort landen sie auch nicht. Stattdessen werden allein in Deutschland 100 Millionen von ihnen in Schubladen oder sonst wo im Haushalt gebunkert.

Stopp: Alte Handys dürfen nicht in den Hausmüll. Und dort landen sie auch nicht. Stattdessen werden allein in Deutschland 100 Millionen von ihnen in Schubladen oder sonst wo im Haushalt gebunkert.

Foto: dpa

84 Prozent der Einwohner in Deutschland haben derzeit mindestens ein altes Handy oder Smartphone in der Schublade. Im Jahr zuvor kam bei der gleichen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom noch ein Wert von 75 Prozent heraus. Seit Jahren steigen diese Zahlen immer weiter, obwohl Politik, Branchen- und Verbraucherverbände eindringlich dafür werben, die Geräte fachgerecht zu entsorgen. 72 Millionen lagen im Jahr 2010 nutzlos herum, inzwischen sind es schon 100 Millionen.

Woran das liegt, welche Motive die Besitzer haben, wurde nicht erfragt. Klar ist aber: Weniger als die Hälfte der Verbraucher hat bis heute überhaupt auch nur ein einziges Mal ein Handy entsorgt. Und das, obwohl die Erneuerungsfrist bei den meisten Kunden höchstens zwei Jahre beträgt. Nach den Ergebnissen der Umfrage hängen manche Menschen sogar so sehr an ihren Telefonen, dass sie vier oder mehr alte Geräte zu Hause bunkern.

Daten sind recht einfach zu löschen

Die Nutzer scheuen offenbar weiterhin den Weg zur Entsorgung, weil Handys eben nicht in den Hausmüll dürfen. Ein weiterer Grund könnte die Furcht sein, private Daten preiszugeben. Bitkom rät denn auch, vor der Abgabe beim Recyclinghof alle privaten Daten wie das Adressbuch, Nutzerprofile von sozialen Netzwerken, Online-Banking-Zugänge oder auch Fotos und Videoclips zu löschen. Am einfachsten sei es, alle Nutzerdaten des Telefons über entsprechende Funktionen („Zurücksetzen des Gerätes in den Auslieferungszustand“) komplett zu löschen.

Handys zu recyceln macht Sinn: In jedem Altgerät stecken Gold, Silber, Kupfer, Iridium und mehr als 50 weitere wertvolle Metalle und so genannte Seltene Erden.

Handys zu recyceln macht Sinn: In jedem Altgerät stecken Gold, Silber, Kupfer, Iridium und mehr als 50 weitere wertvolle Metalle und so genannte Seltene Erden.

Quelle: Robert Haas/dpa

Von denen, die sich überhaupt schon einmal um die Zukunft ihres Althandys gekümmert haben, brachte es nur knapp ein Viertel zu einer Entsorgungsstelle – der Rest verkaufte oder verschenkte es weiter. Dabei sind die Mobiltelefone durchaus eine gute Rohstoffquelle: Gold, Silber, Kupfer, Iridium und mehr als 50 weitere wertvolle Metalle und so genannte Seltene Erden stecken in jedem Gerät. Zwar sind es jeweils nur sehr geringe Mengen, aber die Masse macht es: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums stecken in den 100 Millionen Handys allein rund 15 Tonnen Silber.

Alte Handys können portofrei an Provider geschickt werden

Wer sein Handy übrigens nicht beim örtlichen Recyclinghof abgeben will, der kann es auch portofrei per Post an seinen Provider schicken. Zumindest alle großen Netzbetreiber stellen dafür kostenlose Versandtaschen zur Verfügung und spenden oft sogar noch für jedes Handy einen Betrag an Umweltprojekte.

Noch einfacher dürfte die Entsorgung werden, wenn die derzeit diskutierte Novelle des Elektrogerätegesetzes verabschiedet ist. Sie sieht unter anderem vor, dass jedes größere Geschäft kleinere Elektrogeräte kostenlos zurücknehmen muss.

 

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