Motor an der Tretkurbel 12.10.2018, 13:13 Uhr

Wie sächsische Ingenieure aus jedem Rad ein Pedelec machen

Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu sehen, dass unser Redaktionsrad einen elektrischen Antrieb hat. Warum? Weil Ingenieure in Zwickau einen Nachrüstsatz fürs Fahrrad entwickelt haben, der erst beim zweiten Blick auffällt. Schon über 10.000 Räder in Deutschland haben den Sachsenmotor zum Nachrüsten an der Kurbel.

Mann sitzt neben seinem Bike vor einer Backsteinwand

Der Pendix-Antrieb zum Nachrüsten fällt an einem Fahrrad kaum auf. Inzwischen ist Pendix Marktführer bei Nachrüstsätzen. Ingenieur.de hat den Antrieb getestet.

Foto: Pendix

Rotes Bike in der Natur

Feuerwehr-Rad mit Pendix-Antrieb.

Foto: Zeptar/Pendix

Bike an einem hölzernen Brückengeländer

MTB mit Pendix-Antrieb.

Foto: Pendix

Mann im Anzug sitzt neben seinem Klapprad auf einer Treppe

Selbst an Falträdern lässt sich der Nachrüstsatz montieren.

Foto: Pendix

Links die Antriebseinheit, die einfach auf der linken Seite auf die Kurbel montiert wird, rechts der Akku, der wie eine Trinkflasche auf dem Unterrohr befestigt wird.

Links die Antriebseinheit, die einfach auf der linken Seite auf die Kurbel montiert wird, rechts der Akku, der wie eine Trinkflasche auf dem Unterrohr befestigt wird.

Foto: Pendix

Mann auf Fahrrad im Wald

Bewährt sich auch im Gelände, der Elektroantrieb zum Nachrüsten.

Foto: Pendix

Wie sächsische Ingenieure aus jedem Rad ein Pedelec machen

Fahrrad mit Pendix-Antrieb.

Foto: Pendix

Weißes Bike steht am Stahlgerüst einer Brücke

Fahrrad mit Pendix-Antrieb.

Foto: Pendix

Viele Ingenieure machen sich Gedanken darüber, wie man ein „normales“ Fahrrad nachträglich mit einem Elektromotor zum Pedelec aufrüsten kann. Bereits Kultstatus hat der rote Antrieb „Copenhagen Wheel“ in Scheibenform, den das Massachusetts Institute of Technology 2009 für Europas Fahrradhauptstadt Kopenhagen entwickelt und 2013 zur Serienreife gebracht hat. Diese Scheibe lässt sich einfach am Hinterrad montieren. Antrieb und Akku sind in der Scheibe untergebracht. Genial.

Eine spannende Idee ist auch das noch junge Geo Orbital Wheel: Bei diesem Konzept muss man nur das Vorderrad seines Fahrrads austauschen. Der Motor sitzt in der Mitte des Vorderrades, die Felge wird über Walzen angetrieben. Auch der Akku ist im Rad untergebracht.

Und elegant und mit 1,6 kg federleicht ist der Velospeeder. Der besteht aus zwei kleinen Antriebsmotoren, die sich ähnlich wie ein Dynamo gegen die Metallflächen des Vorderrades kippen lassen. Kleiner geht ein Antrieb kaum.

Nachrüstsatz aus Zwickau

Eine ganz andere Idee nun aus Sachsen: 2015 hat das Start-up Pendix einen Antrieb auf den Markt gebracht, der einfach links auf die Tretkurbel montiert wird. Das Rad sieht aus, als hätte es zwei Kettenblätter. Der Akku gleicht einer schicken, etwas zu groß geratenen Trinkflasche – und wird genau an gleicher Stelle auf dem Unterrohr montiert. Akku und Antrieb sind über ein kaum auffallendes Kabel verbunden. Zusätzliche Griffe oder Schalter am Lenker sind überflüssig. Je nach Akkugröße wiegt das System komplett zwischen 6,5 und 6,9 kg.

Oben am Akku gibt es die Möglichkeit, die drei Unterstützungsstufen durch Drehen des Rings zu wählen: Bei „Eco“ wird die Tretleistung des Radfahrers mit 75 Prozent verstärkt, bei „Smart“ kommen 150 Prozent hinzu, bei „Sport“ gibt es 200 Prozent oben drauf. Zugegeben: Da fliegt man selbst im Bergischen Land bei Bonn nur so die Anstiege hinauf. Suchtgefahr.

Die eingebrachte Tretkraft des Fahrer misst ein Sensor im Tretlager. Das Gute an dem System: Der getriebelose Direktantrieb überträgt seine Kraft wie der Radfahrer über Tretkurbel, Kettenblatt und Kette auf das Hinterrad. Im Grunde nutzt das System die gesamte vorhandene Antriebsmechanik. Und da der Motor an der stabilsten Stelle des Rades montiert ist, an der auch der Radfahrer mit seinem Fuß die stärkste Kraft ausübt, verspricht Pendix, dass auch Serienräder keinen Schaden nehmen.

Wenn der Motor arbeitet, herrscht Stille

Was während der Fahrt besonders auffällt: Der Motor arbeitet absolut geräuschlos. Kein Brummen, keine mechanischen Antriebsgeräusche. Das unterscheidet den Pendix-Antrieb von vielen anderen Pedelecs.

Prima ist zudem, dass der Motor fast keinen Widerstand leistet, wenn man die Schwelle von 26 km/h erreicht. Pedelec-Motoren dürfen nur bis 25 km/h Unterstützung leisten. Fährt man schneller, schalten sie ab. Während jedoch bei vielen Pedelecs dann das Radfahren zur Tortur wird, weil nicht nur das höhere Gewicht, sondern auch noch ein gar nicht so leichter Widerstand zu überwinden ist, lässt der Pendix los.

Pendix-CEO Thomas Herzog beziffert im Gespräch mit ingenieur.de den Widerstand im Freilaufmodus auf nur vier Watt. Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls, dass der Motor noch einen Moment weiterschiebt, wenn man das Treten zum Abbremsen unterbricht.

Und was kann der Motor? Er leistet maximal 400 Watt bei 250 Watt Nennleistung. 50 Nm Kraft sind für den Normalbetrieb im Flachland und Mittelgebirgen in Ordnung. Der Antrieb passt laut Herzog an 80 Prozent der Serienräder: vom Hollandrad über das Trekkingbike bis zum MTB.

Grüne Lieferräder stehen an einem Fluss

Lieferräder des Postdienstleisters Pin Mail werden jetzt auch mit dem Antrieb nachgerüstet.

Foto: Pin Mail

Besonders beliebt ist der Nachrüstsatz jedoch bei professionellen Anwendern. Denn dann lohnt sich die Investition von 2000 Euro für die große Version mit zwei 500-Wh-Akkus in jedem Fall und ermöglicht bis zu 320 km Reichweite. Die kleine 300-Wh-Version für das Normalrad ist mit 1490 Euro auch kein Schnäppchen. Grund für die Preise: Sämtliche Komponenten werden in Zwickau hergestellt, auch die Akkus. Entsprechend hochwertig ist die gesamte Verarbeitung und das gewählte Material: viel Edelstahl, kaum Plastik. Alles sehr wertig. 40 Mitarbeiter beschäftigt Pendix inzwischen in Zwickau.

Niederländische Post setzt auf Nachrüstantrieb

Und so wundert es nicht, dass zum Beispiel die deutschen Post- und Kuriertöchter der niederländischen PostNL, die Pin Mail und die PostCon, derzeit ihre Kurier- und Lastenräder mit dem Antrieb nachrüsten. Das tut auch der ostdeutsche Blitz-Kurier. Gleiches gilt für Lieferdienste, die auf Lastenräder setzen und nicht gleich in neue Räder investieren wollen.

Ein voll beladenes Zustellrad kann bis zu 60 Kilogramm wiegen, so Pin Mail. Da ist ein Nachrüstsatz ein Muss für den Zusteller. Und so wird verständlich, dass Pendix in nur drei Jahren zum Marktführer bei Nachrüstsätzen aufgestiegen ist. Mit überzeugender Technik „Made in Germany“.

Und hier lesen Sie die acht wichtigsten Fakten zu Pedelecs und E-Bikes.

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