Stromtanken im Ausland 17.06.2013, 15:10 Uhr

Startschuss zum Ladesäulen-Roaming für Elektroautos

Was, wenn die Batterieladung zu Ende geht, aber keine Ladesäule des eigenen Stromanbieters in Sicht ist? Wie wird das Nachladen im Ausland funktionieren? Wie beim Mobilfunk soll in solchen Fällen automatisch abgerechnet werden. Und zwar über die Roaming-Plattform der Hubject GmbH. Ende Mai hat sie den operativen Betrieb aufgenommen.

Symbolischer Knopfdruck: Herbert Diess (BMW, v. li.), Volkmar Denner (Bosch), Thomas Weber (Daimler), Andreas Pfeiffer (Hubject), Frank Mastiaux (EnBW), Arndt Neuhaus (RWE), Dirk John (Siemens) starteten Hubject Ende Mai.

Symbolischer Knopfdruck: Herbert Diess (BMW, v. li.), Volkmar Denner (Bosch), Thomas Weber (Daimler), Andreas Pfeiffer (Hubject), Frank Mastiaux (EnBW), Arndt Neuhaus (RWE), Dirk John (Siemens) starteten Hubject Ende Mai.

Foto: Peter Trechow

Stück für Stück nimmt das Zukunftsprojekt Elektromobilität Gestalt an. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für den „Markthochlauf“, der nach den Plänen der Nationalen Plattform Elektromobilität 2015 starten soll. Ladeinfrastruktur sprießt schon heute.

Europaweit listet das Webportal Chargemap 11 500 Ladepunkte auf, davon 2300 in Deutschland und über 6000 in den Niederlanden. Theoretisch kann ein Aachener Elektroauto die 34 km nach Maastricht wagen. Auch für Freiburg-Basel-Pendler sollte es möglich sein, die 50 km in einem Plug-in-Hybrid oder einem Stromer mit Range-Extender weitgehend elektrisch zurücklegen. Doch wie läuft die Abrechnung, wenn sie im Ausland nachladen?

Hubject ermöglicht günstiges Laden auch im Ausland

Darüber hat sich die Berliner Hubject GmbH – ein Joint Venture von BMW, Bosch, Daimler, EnBW, RWE und Siemens – seit ihrer Gründung im März 2012 jede Menge Gedanken gemacht. „eRoaming“ ist das Stichwort. Hubject stellt eine Plattform, über die sie Ladesäulen verschiedener Anbieter in ganz Europa im Sinne automatisierter Ladestromabrechnung vernetzt.

Allein die beiden Stromkonzerne im Hubject-Gesellschafterkreis stellen hierzulande 40 % aller Ladepunkte. Verhandlungen mit weiteren Energieversorgern im Inland laufen. Zudem hat das Joint Venture Kooperationsvereinbarungen mit Anbietern in europäischen Nachbarländern. Etwa mit dem belgischen Elektromobilitätsbetreiber Blue Corner NV, dessen Netzwerk aktuell 1000 Ladepunkte betreibt und noch einmal so viele plant. Oder mit dem finnischen Konsortium Electrictraffic.fi, dem allein 35 finnische Energieversorger angeschlossen sind. Auch drei österreichische Partner und Elektromobilitätsanbieter aus den Niederlanden sowie der Technologiekonzern ABB wollen mit Hubject grenzüberschreitende Elektromobilität möglich machen. Gemeinsames Motto: „Charge wherever you like“.

Im Laufe des Jahres werden alle Ladesäulen der Hubject-Partner an die Plattform angebunden und tragen dann das „Intercharge“-Logo mit QR-Code. Kunden können sich beim Laden wahlweise per Smartphone-App, RFID-Karte oder per Plug&Charge autorisieren jeweils so, wie sie es von ihrem Anbieter gewohnt sind.

eRoaming-Plattform regelt die Bezahlung über heimischen Anbieter

Die eRoaming-Plattform im Hintergrund übernimmt den Rest: Sie übermittelt die konkreten Daten der Ladestation, oder genauer des Ladestations-Managementsystems ans Kundenmanagementsystem des jeweiligen Elektromobilitätsanbieters. Letzterer rechnet den Ladevorgang mit seinem Kunden ab und begleicht die Stromrechnung beim Ladestationsbetreiber. Dafür schließen beide Parteien vorab über Hubject einen Roaming-Vertrag. Die Endkunden brauchen sich um all das nicht zu kümmern. Sie haben einen Kundenvertrag mit ihrem Elektromobilitätsanbieter und bekommen am Monatsende eine Fahrstromrechnung, auf der alle Ladevorgänge an allen Säulen der unterschiedlichen Anbieter erfasst sind.

Das System setzt reibungslose Kommunikation zwischen den IT-Landschaften der Partner voraus. Hubject hat dafür im März ein Open Intercharge Protocol (OICP) offengelegt. Mit der standardisierten Schnittstelle können interessierte Unternehmen die technischen Voraussetzungen schaffen, um sich ins eRoaming einzuklinken – seien es Betreiber von Ladestationen oder Elektrofahrzeugflotten, Carsharinganbieter oder Fahrzeug- bzw. Navigationssystemhersteller, die ihren Kunden den Weg zu freien Ladesäulen weisen wollen.

Mit einem symbolischen Knopfdruck am Rand der internationalen Elektromobilitäts-Konferenz in Berlin haben sechs Vorstände der Gesellschafter die eRoaming-Plattform zusammen mit Hubject-Geschäftsführer Andreas Peiffer Ende Mai in Gang gesetzt. „Mit dieser gemeinsamen Initiative kommen wir weg von nationalen und regionalen Insellösungen“, freute sich BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess. Nun sei der Weg zu einem europaweiten Netzwerk der unterschiedlichen Ladestationsbetreiber offen.

Bosch: Damit überwinden wir ein Akzeptanzprobleme der Elektromobilität

Bosch-Chef Volkmar Denner sieht mit dem eRoaming ein großes Akzeptanzhemmnis der Elektromobilität überwunden. Und der RWE-Vorstandsvorsitzende Arndt Neuhaus zeigte sich erfreut über die frühzeitige Vernetzungslösung. „Ein intelligentes Energiesystem und eine intelligente Ladeinfrastruktur sind zentrale Bestandteile des angestrebten deutschen Leitmarktes“, erklärte er. Jeder müsse künftig laden können, wo er ohnehin parke. Und nicht zuletzt freute sich Neuhaus, dass RWE-Autostromkunden künftig auch die Ladesäulen aller anderen Hubject-Partner offen stehen.

Der Kreis der Partner dürfte sich in naher Zukunft erweitern: „Wir sind in konkreten Gesprächen mit Stadtwerken und Energieversorgern in Deutschland und stoßen mit unserer Lösung auf europaweites Interesse“, berichtete Hubject-Chef Pfeiffer.

Von Peter Trechow

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