Zu wenig Sonne 26.05.2015, 13:26 Uhr

Solar Impulse 2 hat Pazifiküberquerung nach Hawaii abgebrochen

Schlechte Nachrichten der Pioniere des Solarfliegers Solar Impulse 2: Wegen zu wenig Sonnenlicht hat die Flugkontrolle den Etappenstart von China nach Hawaii in der Nacht zu Dienstag abgebrochen. Jetzt heißt es weiter Warten auf perfekte Bedingungen für die gefährliche Pazifiküberquerung. 

Die Solar Impulse 2 hängt seit fünf Wochen im chinesischen Nanjing fest. Unklar ist, wann sich das nächste Fenster für die riskante Pazifiküberquerung öffnet. Das ist keine Werbung für das Fliegen mit Solarenergie.

Die Solar Impulse 2 hängt seit fünf Wochen im chinesischen Nanjing fest. Unklar ist, wann sich das nächste Fenster für die riskante Pazifiküberquerung öffnet. Das ist keine Werbung für das Fliegen mit Solarenergie.

Foto: Solar Impulse/dpa

„Jeden Tag müssen wir genug Energie von der Sonne einsammeln, um Tag und Nacht zu fliegen“, sagt Pilot Andrè Borschberg. Doch das ist momentan über dem Pazifik nicht gewährleistet. Deswegen hat die Flugkontrolle wenige Stunden vor dem Start den Flug vom chinesischen Nanjing nach Hawaii abgebrochen. Ursprünglich sollte das Flugzeug in der Nacht zu Dienstag um 3:00 Uhr Ortszeit abheben.

Für die Crew ist die erneute Verschiebung des Starts deprimierend. Sie hängt auf ihrer Weltumrundung schon seit fünf Wochen in China fest. Und bislang ist ungewiss, wann sich wieder ein Flugfenster öffnet.

Pazifiküberquerung ist die gefährlichste Etappe der Weltumrundung

Und nicht nur der bedeckte Himmel war ein Grund für den Abbruch: Derzeit müsste Borschberg auch noch eine Kaltfront über dem Pazifik durchqueren. Das würde die Flugzeit um einen Tag verlängern. Für den Piloten in den Augen der Flugkontrolle zu kritisch. Denn bereits die geplanten fünf Tage werden den 62-Jährigen an die Grenzen seiner körperlichen Belastbarkeit führen.

Yoga-Training im Cockpit der Solar Impulse: Pilot Andrè Borschberg muss während des fünf- bis sechstägigen Fluges nach Hawaii meistens wach bleiben. Er darf sich nur acht 20-minütige Powernaps Schlaf gönnen.

Yoga-Training im Cockpit der Solar Impulse: Pilot Andrè Borschberg muss während des fünf- bis sechstägigen Fluges nach Hawaii meistens wach bleiben. Er darf sich nur acht 20-minütige Powernaps Schlaf gönnen.

Foto: Solar Impulse

Er muss auf dem 8172-km-Flug nach Hawaii die meiste Zeit wach bleiben, um das Flugzeug unter Kontrolle zu halten – leisten kann er sich lediglich acht 20-minütige Powernaps. Es ist die gefährlichste Etappe der Weltumrundung.

Nachts wird es im Cockpit -20° C

Sobald das Wetter mitspielt, startet das solarbetriebene Karbonfaserflugzeug die Pazifiküberquerung: Borschberg fliegt dann tagsüber relativ niedrig in 1500 m Höhe. Dann können die 17.000 Solarzellen genügend Strom produzieren. Nachts steigt er auf eine Höhe von 8500 m, um in den Segelflug überzugehen und Motoren und Lithiumbatterien zu schonen.

Versammlung der Flugcrew: Die Experten suchen nach einem Zeitraum mit optimalen Wetterbedingungen für den 8172-km-Flug nach Hawaii.

Versammlung der Flugcrew: Die Experten suchen nach einem Zeitraum mit optimalen Wetterbedingungen für den 8172-km-Flug nach Hawaii.

Foto: Solar Impulse

Körperlich belastend ist dabei der Temperaturunterschied im unklimatisierten Cockpit: Im Niedrigflug steigt die Temperatur auf bis zu 40° C, nachts sinkt sie hingegen auf frostige -20° C. Borschberg wird zudem mit den hohen Druckunterschieden zu kämpfen haben, die das Cockpit nicht ausgleicht.

Abenteurer wollen Sonnenergie noch populärer machen

Borschberg nimmt diese Strapazen auf sich, um Werbung für Sonnenenergie zu machen. „Wir wollen jeden anspornen, die Technologie für einfache Lösungen zu nutzen, um das Problem anzugehen, dass wir unseren Planeten ausplündern und mehr Energie verbrauchen, als die Welt zur Verfügung stellen kann.“ Dieser Meinung ist auch sein Kollege Betrand Piccard, mit dem Borschberg auf den zwölf Etappen der Weltreise im Cockpit wechselt.

Pilot Andrè Borschberg muss im Cockpit der Solar Impulse 2 nachts Temperaturen von bis zu -20° C aushalten.

Pilot Andrè Borschberg muss im Cockpit der Solar Impulse 2 nachts Temperaturen von bis zu -20° C aushalten.

Foto: Solar Impulse

Nach Hawaii sind Landungen in Phoenix und New York vorgesehen. Danach geht über den Atlantik zurück nach Europa. Bislang machte Solar Impulse 2 Zwischenstationen in Oman, Indien, Myanmar und China.

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