Kabelloses Laden für E-Fahrzeuge 14.09.2017, 13:53 Uhr

Österreicher präsentieren konduktives Ladesystem für E-Fahrzeuge

Das konduktive Ladesystem des österreichischen Unternehmens Easelink könnte in sämtliche Serienfahrzeuge integriert werden und das induktive Laden als Lösung der Zukunft verdrängen. Auf dem Papier beeindruckt das System mit seinen Leistungszahlen.

Bei der konduktiven Ladelösung aus Österreich muss das Elektroauto über dem Ladepad stehen, um sich mit ihm zu verbinden.

Bei der konduktiven Ladelösung aus Österreich muss das Elektroauto über dem Ladepad stehen, um sich mit ihm zu verbinden.

Foto: easelink/Jungwirth

Die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt stand jahrelang im Zeichen kraftstrotzender Automarken und glänzender Limousinen. Dieses Jahr drängen die Elektroautos mehr denn je in den Vordergrund. Obwohl das Hauptmanko von Elektroautos noch immer nicht behoben ist: ihre geringe Reichweite in Kombination mit der unzureichenden Ladeinfrastruktur. Deshalb wird nicht nur am Aufbau der Ladesäulen gearbeitet, sondern auch an alternativen Lösungen – dem kabellosen Laden etwa.

Österreicher stellen Induktions-Ladelösungen in den Schatten

Gemeinsam mit dem asiatischen Autohersteller Great Wall präsentiert das österreichische Unternehmen Easelink ein neuartiges kabelloses Ladesystem: Den konduktiven „Matrix Charger“. Er  besteht aus einem Ladepad, das am Boden befestigt wird und einem schlauchartigen Konnektor, der im Auto verbaut wird. Mit diesem überschaubaren System peilt das junge Unternehmen aus der Steiermark an, den „internationalen Standard für das Tanken von Elektrofahrzeugen zu setzen“.

Das Ladepad hat eine Größe von rund 60 cm auf 60 cm und muss ans Stromnetz angeschlossen werden. Das System kann größte Lasten tragen und könnte auf öffentlichen Parkplätzen, in Parkhäusern oder der heimischen Garage installiert werden.

Das Auto verbindet sich selbstständig mit dem Ladepad

Das Elektrofahrzeug verbindet sich mittels eines flexiblen schlauchartigen Konnektor mit der Ladestation.

Das Elektrofahrzeug verbindet sich mittels eines flexiblen schlauchartigen Konnektor mit der Ladestation.

Foto: CS

Ganz ohne Verbindungsstück fließt der Strom allerdings nicht vom Ladepad zur Autobatterie. Statt einem Kabel, das bisher die Ladesäule mit dem Fahrzeug verband, kommt die Verbindung nun allerdings aus dem Fahrzeug selbst. Es ist ein im Unterboden eingelassener fünf Kilogramm schwerer Konnektor, der sich vollautomatisch auf das Pad absenkt, wenn das Auto steht.

Die eigentliche Verbindungskomponente stellen die metallischen Kontaktflächen dar, die an seiner Unterseite angebracht sind. Sie ermöglichen eine konduktive Ladung. Das österreichische Unternehmen spricht davon, mittels Gleichstrom eine Leistung von bis zu 43 kW übertragen zu können. Bei Wechselstrom verringert sich die Leistung auf 22 kW, was einer Normalladung bei herkömmlichen Kabelsystemen entspricht. Die Effizienz betrage in beiden Fällen über 99 Prozent. Diese Werte übertreffen bisherige induktive Ladeleistungen, die auf Magnetfelder setzen, um ein Vielfaches.

Flexibel und sicher soll er sein, der Ladevorgang

Auch die Sicherheit soll gegenüber herkömmlichen Methoden zunehmen. „Die Stromübertragung wird während des gesamten Ladevorgang überwacht“, sagt easelink-Gründer Hermann Stockinger. Damit sei das Ladepad sicherer als gewöhnliche Haushaltssteckdosen. Da die Kontaktfelder erst aktiviert werden, wenn der Konnektor daran angedockt ist, stellt die Elektrizität keinerlei Gefahr für da, sollte ein Mensch etwa direkt darüber laufen.

Easelink-Gründer Hermann Stockinger demonstriert die Ungefährlichkeit des Ladepads, das seine Energie erst freigibt, wenn ein Auto sich mit ihm verbindet.

Easelink-Gründer Hermann Stockinger demonstriert die Ungefährlichkeit des Ladepads, das seine Energie erst freigibt, wenn ein Auto sich mit ihm verbindet.

Foto: easelink/Jungwirth

Vor allem dürfte es aber bequemer sein: Das Anschließen des Autos an die Ladesäule könnte künftig wegfallen. Das Abstecken vor dem Wegfahren ebenfalls. Auch aufwendige Wartungsarbeiten sollen nicht anfallen, da sich das Ladepad durch ein eigenes Reinigungssystem selbst von Wasser, Schmutz und kleinen Steinen befreien kann.

Das System der Österreicher zeichnet sich außerdem durch eine gewisse Flexibilität aus, die induktive Ladestrukturen bisher kaum bieten können. Durch die matrixartige Anbringung der Kontaktflächen am Konnektor kann sogar eine Ladeverbindung hergestellt werden, wenn das Auto schräg in der Parkbucht steht und somit nicht punktgenau über dem Pad geparkt wurde. Ein gewisses Talent sollte der oder die Einparkende allerdings mitbringen: Mehr als 38 cm Abweichung kann auch das Ladepad aus Österreich nicht ausgleichen.

Prototyp könnte bald in Serie gehen

Obwohl das System noch in der Entwicklung ist, sieht Stockinger große Chancen auf einen internationalen Durchbruch. Das System, bestehend aus dem Ladepad und dem relativ leichten Konnektor sei „um ein Vielfaches günstiger als bestehende und absehbare Ladelösungen“ und damit für den Massenmarkt geeignet. Und darauf kommt es an, denn die Infrastruktur wird sich flächendeckend durchsetzen müssen, um den Einbau in die Fahrzeuge zu rechtfertigen. Wenngleich der vergleichsweise einfach sein dürfte. Das System kann in jedes bestehende Serienfahrzeug integriert werden.

Auf der IAA 2017 präsentiert Easelink-Gründer Hermann Stockinger (li.) gemeinsam mit Wey-Gründer Wei Jianjun das Konzeptfahrzeug des chinesischen Herstellers, bei dem die österreichische Ladetechnik verbaut wurde.

Auf der IAA 2017 präsentiert Easelink-Gründer Hermann Stockinger (li.) gemeinsam mit Wey-Gründer Wei Jianjun das Konzeptfahrzeug des chinesischen Herstellers, bei dem die österreichische Ladetechnik verbaut wurde.

Foto: CS

Einen aktuellen Prototypen des Systems stellten die Österreicher auf der IAA 2017 in einem Oberklasse-Konzeptfahrzeug von Wey vor, einer Marke des chinesischen Automobilherstellers Great Wall. Deren Konzeptfahrzeug soll nach Angaben des Gründers Wie Jianjun bald in Serie gehen. Wenn das Ladesystem von Easelink dann mit an Bord ist, wäre der erste wichtige Schritt für Stockinger getan.

An induktiven Ladelösungen wird weiter geforscht

Ungeachtet der konduktiven Ladelösung aus Österreich forschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit an Ladelösungen, die induktive Verfahren nutzen. So präsentierten Forscher des Londoner Imperial College Ende 2016, wie Drohnen in der Luft induktiv mit Strom versorgt werden könnten. Und ebenfalls  in Großbritannien wurde eine induktive Ladetechnik für Autobahnen getestet. Denn dass das Stecker-Kabel-Prinzip in der Elektromobilität keine Zukunft hat, war Automobilherstellern und Forschern schon lange klar. Thomas Nindl von Qualcomm Halo hatte bereits 2013 vom induktiven Laden als einzig tragfähige Lösung gesprochen.

Von Lisa Schneider

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