Elektromobilität 04.09.2009, 19:42 Uhr

„Nicht nur das Auto, auch die Infrastruktur neu denken“  

Schon vor 2020 könnte es in Deutschland einen selbsttragenden Markt für Elektroautomobile geben, hofft Wolf-Dieter Lukas im Gespräch mit den VDI nachrichten. VDI nachrichten, 4. 9. 09, moc

Lukas: Das „Forum Elektromobilität“ hat die Funktion einer Kommunikations-Drehscheibe. Wir wollen hier die wichtigsten Akteure aus Politik, Industrie und Wissenschaft zusammenbringen. Das Forum soll aber auch die Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen in der Elektromobilität informieren. Derzeit werden Exponate zusammengestellt, die dort gezeigt werden. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat es übernommen, dieses Forum aufzubauen. Denn die Fraunhofer-Gesellschaft will sich im Bereich Elektromobilität positionieren und einen neuen Systemansatz für die Entwicklung von Elektroautos vorantreiben. Die Industrie wird dabei den Forschungsbedarf definieren. Das unterstützt das Bundesforschungsministerium mit 30 Mio. €.

Ein weiterer Schritt zur Umsetzung des „Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität“ der Bundesregierung?

So ist es. Wir wollen in der aktuellen Krise verhindern, dass wichtige Forschungsvorhaben liegen bleiben – und natürlich die Industrie in die Pflicht nehmen, die sich in diesem attraktiven Geschäftsfeld etablieren will.

Wobei man ja kaum weiß, wie dieses Geschäftsfeld aussehen wird.

Genau darum geht es. Wir müssen alle Player zusammenbringen, vom Hausbesitzer, bei dem man als Mieter sein Elektroauto aufladen kann, bis hin zu Handelsketten, wo sich ja vielleicht mal derjenige, der einen Großeinkauf macht, derweil sein Auto umsonst aufladen kann. Wir müssen bei der Elektromobilität nicht nur das Auto neu denken, sondern auch die Infrastruktur, letztlich den gesamten Verkehr.

Aber zentrales Thema bleibt derzeit die Batterieentwicklung?

Es war ja von Anfang an klar, dass wir Batterien – das Herzstück eines Elektroautos – in hohen Stückzahlen und zu vernünftigen Preisen produzieren müssen. Und jetzt geht die erste Batteriegeneration in die Massenproduktion. Die wird ab 2012 in großen Stückzahlen zu haben sein, ab 2015 kommt dann langsam die zweite Generation auf den Markt, deren Entwicklung vom BMBF gefördert wird.

Das große Geld fließt in die Lithium-Batterien. Verbaut man sich mit dieser Konzentration der Mittel nicht Alternativen für die Zukunft?

Wir setzen bei der Produktion derzeit eindeutig auf die Lithium-Batterie. Diese Technologie beherrschen die Hersteller. Parallel prüfen wir aber auch alle anderen Technologien, bis hin zu Brennstoffzelle und Wasserstoff.

Wann wissen Sie, welches die richtige Technologie für die Elektroautos ist?

Wenn wir ein exponentielles und selbsttragendes Wachstum haben. Erst dann läuft die Technologie von allein.

Wann ist Ihrer Ansicht ein solches Wachstum erreicht?

Wenn wir jedes Jahr die Zahl der Elektroautos auf dem Markt verdoppeln. Und das über mehrere Jahre hinweg. Das sollte ab 2015 der Fall sein.

Bisher war von einer Million Autos bis 2020 die Rede.

Mit Blick auf die Wettbewerber ist mir das eigentlich zu spät. Aber einfach wird das sicher nicht.

Lithium ist ein knappes Gut und könnte im weltweiten Wettlauf um die Elektroautomobile teuer werden.

Deshalb haben wir von Anfang an konsequent auf Recycling gesetzt. Und das im großen Maßstab. Das hat ökologische, aber auch ganz klar ökonomische Gründe.

Ganz ungefährlich ist Lithium ja auch nicht, wenn man an die explodierenden Batterien von Laptops denkt.

Das ist eine ganz große Herausforderung. Ohne sichere Batterien läuft nichts. Aber das Fahren mit Benzin galt ja auch einmal als sehr gefährlich.

Als Zwischenschritt zum reinen Elektroautomobil erwarten Sie aber immer noch die Hybride?

Wir schließen das nicht aus. Wir wissen einfach nicht, wo der Massenmarkt liegt. Forschungspolitik muss so lange Optionen offenhalten, bis wir das Pferd erkannt haben, das als erstes durchs Ziel geht. So lange müssen wir auch den anderen Hafer geben.

Vor Jahren wurde die Solartechnik massiv gefördert und war auch im Markt sehr erfolgreich, jetzt laufen die Chinesen deutschen Herstellern den Rang ab. Ist diese Gefahr bei den Batterien gebannt?

Das ist ein ernstes Problem. Wir müssen deshalb nicht nur die Batterien selbst, sondern auch wettbewerbsfähige Herstellungsverfahren entwickeln. Darin investieren wir viel Geld. Und wir brauchen Sicherheitsstandards für Produktion und Betrieb, damit wir nicht mit billigen Produkten überschwemmt werden. Die verabredet die Bundesregierung gerade mit unseren europäischen Partnern.

Wie sehen Sie Deutschland im internationalen Wettbewerb um die Elektroautos positioniert?

Die Karten werden weltweit neu gemischt, aber unsere Chancen stehen nicht schlecht. Wir haben alle Voraussetzungen, ganz vorn mitzuspielen. moc

Von Wolfgang Mock
Von Wolfgang Mock

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