Alternative zu Tankstellen 27.11.2013, 11:15 Uhr

Laternen sollen zu Ladestationen für E-Autos werden

Fahrer von Elektroautos könnten zukünftig bequem an der Straßenlaterne tanken und mit dem Smartphone bezahlen. Möglich machen soll das ein neues Ladesystem mit Mini-Computer. Erste Tests finden nächstes Jahr in Leipzig statt. 

Die neue Ladetechnik der Leipziger Wissenschaftler hat einen Computer an Bord, der nur so groß wie eine Kreditkarte ist. Er steuert den Ladevorgang und kommuniziert mit dem Smartphone des Benutzers. 

Die neue Ladetechnik der Leipziger Wissenschaftler hat einen Computer an Bord, der nur so groß wie eine Kreditkarte ist. Er steuert den Ladevorgang und kommuniziert mit dem Smartphone des Benutzers. 

Foto: HTWK

Elektroautos sind leise und stoßen kein klimaschädliches CO2 aus. Die Bundesregierung hat sich deswegen ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2020 sollen mindestens eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen fahren. Bislang sind es knapp 15.000. Achillesferse der Technologie ist die Stromversorgung. Elektrozapfsäulen sind an Tankstellen noch die Ausnahme und die meisten Batterien reichen für maximal 200 Kilometer.

Mit dem Smartphone an der Laterne zahlen

Damit das Laden eines E-Autos zukünftig einfacher ist, haben sich deutsche Wissenschaftler eine Alternative einfallen lassen: Sie haben ein Ladesystem für Straßenlaternen erfunden. Diese sollen zukünftig Verbindungspunkte zum Stromnetz sein. „Der Elektromobilitätsnutzer soll bei unserem System entweder über eine Smartphone-App, Ladekarte oder über ein TAN-Verfahren die Ladesäulen verschiedener Betreiber nutzen können“, erklärt Martin Leutelt, Forscher an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). 

Pilotprojekt in Leipziger Straße

Die Ladeeinheit soll an alle vorhandenen Laternentypen passen und keine Umrüstungen erfordern. „Wir verwenden dafür einen embedded Computer, also einen nur kreditkartengroßen Rechner, der ins System eingebettet ist. Dieser steuert dann auch den Ladevorgang“, erklärt Leutelt. In einem Pilotprojekt wollen die Wissenschaftler nächstes Jahr eine Straße in Leipzig mit den Ladesystemen ausstatten. Um darauf vorbereitet zu sein, analysieren sie derzeit, wie das Stromnetz auf den Anschluss reagieren wird, welche Chancen und Risiken sich ergeben könnten. „Das Ziel ist es, die Grundlage für ein zukünftiges Ladenetz in Leipzig zu schaffen.“

Konkurrenz kommt aus Berlin

Konkurrenz erhalten die Leipziger Wissenschaftler durch das Berliner Start-up-Unternehmen Ubitricity. Es will Laternen ebenfalls zu Zapfsäulen machen. Die Kosten für einen solchen Ladepunkt im öffentlichen Raum sollen lediglich 300 Euro betragen. Deutlich günstiger also als eine konventionelle Zapfsäule für rund 10.000 Euro.

Ubitricity setzt beim Bezahlen auf intelligentes Stromkabel

Beim Bezahlen setzt Ubitricity auf ein intelligentes Kabel, in das ein Modul mit einer SIM-Karte integriert ist. Stöpselt der Fahrer es in die Laterne ein, erkennt ihn die E-Laterne als autorisiert und lässt Strom fließen. Abrechnen kann er später mit seinem eigenen Stromversorger. „Sie bekommen also sozusagen Strom der Stadtwerke Köln auch aus Berliner Straßenlaternen“, erklärt Geschäftsführer Knut Hechtfischer in einem Bericht von n-tv. Das Kabel selbst koste rund 200 Euro.

Auch Ubitricity startet derzeit einen Testlauf. Bis Ende des Jahres sollen 100 Laternen in Berlin mit der neuen Ladetechnik ausgerüstet sein. Dann könnte der Roll-out in ganz Deutschland starten: Laut Hechtfischer zeigen derzeit Stadtwerke in ganz Deutschland Interesse an der Technik. 

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