Verbindungstechnik 08.06.2012, 11:00 Uhr

Harting-Vorstand Brode: „Riskant, über Trends nicht nachzudenken“

Künftig sollen Maschinen miteinander kommunizieren, Fahrzeuge ans Stromnetz ankoppeln und automatisierte Produktionsanlagen kleine Losgrößen fertigen. Keine dieser Anwendungen käme ohne Steckverbindungen aus, die den Daten- und Stromfluss sichern. Dafür neue Lösungen zu finden, ist Aufgabe von Harting-Vorstand Frank Brode.

Steckverbindungen: Das klingt spannend, wie Büroklammern herstellen, oder Graubrot. Dem Laien erschließt sich nicht direkt, wie viel Hightech darin steckt. Er muss schon einen Experten fragen, einen wie Frank Brode, Vorstand Neue Technologien in der Unternehmensgruppe Harting.

Brode spricht ganz anders, als man es von einem Berliner erwartet: leise, eindringlich, jedes Wort abwägend. Auch nach einer Stunde ist er noch hoch konzentriert. Es geht um die großen Herausforderungen unserer Zeit: die alternde Gesellschaft, knappe Ressourcen und die Energiewende. Darum, wie der CO2-Ausstoß reduziert werden kann, und was Harting zu alledem beitragen kann.

Brode treibt der Wunsch an, intelligente Lösungen für die Bedürfnisse der Menschen zu finden

Die Westfalen sind auf vielen Technologiefeldern tätig, die sich mit Zukunftsthemen befassen. Für den promovierten Physiker, der den größten Teil seines Berufslebens in Berlin verbracht hat, war das im vergangenen Sommer ein Grund, die Hauptstadt mit Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke einzutauschen. „Neue Technik reizt mich unheimlich. Schon in frühester Jugend habe ich gebaut und gebastelt – und war dann ganz begeistert, wenn die Konstruktionen funktionierten“, gibt der Naturwissenschaftler einen kleinen Einblick in sein Innenleben. Brode ist vom Wunsch angetrieben, intelligente Lösungen für die Bedürfnisse der Menschen zu finden.

Lösungen für umweltschonende Mobilität zum Beispiel. „Transport und Bewegung spielen in unserem Alltag eine ganz wesentliche Rolle, für den Weg zur Arbeit ebenso wie in der Freizeit. Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen“, ist Frank Brode überzeugt. „Wir wissen aber, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher, wenn wir die Umwelt nicht zerstören wollen.“

Elektromobilität könnte ein Teil der Lösung sein. „Aber nur eingebunden in ein Konzept der verbundenen Mobilität“, meint der Technikvorstand. Weg vom eigenen Fahrzeug, hin zu einer Kombination aus Carsharing und anderen Verkehrsmitteln. „Wenn Sie mit dem Smartphone das Auto öffnen und starten können, die Nutzungsgebühr bezahlen – das ist doch genial“, schwärmt der Physiker. „Und Sie können sich über Ihr Smartphone das nächstgelegene Leihauto anzeigen lassen, müssen also nicht lange suchen.“

Dann kommt wieder der nüchterne Analytiker durch: „Das ist natürlich nur in Großstädten und Ballungsräumen umsetzbar. Jetzt muss noch eine Lösung für den ländlichen Bereich gefunden werden.“

Steckverbindunen von Harting werden in viele Branchen eingesetzt

Harting sieht darin einen Megatrend, einen Anreiz neue Technologien zu entwickeln. Die Firma hat sich gewandelt, wie ihre Produkte: Kochplatten und Bügeleisen in den Nachkriegsjahren, Musik- und Warenautomaten in den 50er- und 60er-Jahren, intelligente Steckverbindungen für die Fabrikautomation heute. Zwölf Zielmärkte hat das Familienunternehmen derzeit definiert. Harting-Steckverbinder werden u. a. im Bergbau eingesetzt, in der Automatisierungstechnik, in der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie und in der Automobilindustrie.

„Diese Lösungen müssen immer maßgeschneidert sein“, erklärt Brode. „Die eine Produktgruppe muss Salzwasser und bestimmte Umweltbedingungen aushalten können, eine andere muss besonders zuverlässig sein oder hohe Steckzyklen ertragen.“ Beim Elektroauto gibt es hohe Steckzyklen, zusätzlich müssen die Verbinder extrem hohe Ströme vertragen. „Wenn da die Übergangswiderstände nicht extrem niedrig gehalten und kontrolliert werden, kann das zu Problemen führen.“

Mal geht die Entwicklung von einem konkreten Kundenwunsch aus, mal geht es darum, die künftigen Kundenbedürfnisse zu antizipieren. „In der Vorlaufforschung schauen wir uns die Megatrends an. Dann analysieren wir, welche regulatorischen oder preislichen Folgen diese haben werden, und was das für Harting bedeutet“, beschreibt der Berliner das Vorgehen. Das Risiko von Fehlinvestitionen ist dabei beachtlich. Aber: „Für uns wiegt das Risiko schwerer, über die Folgen eines Trends für unsere Kunden nicht nachgedacht oder bei der Entwicklung von Lösungen die Gefahren nicht richtig eingeschätzt zu haben. Wir würden den Kunden und den Markt enttäuschen“, ist der Vorstand überzeugt.

Umweltschutz sorgt bei Harting für Bewegung in Richtung Elektronik und Software

Auch der Umweltschutz ist ein Megatrend. „Wenn wir den CO2-Ausstoß verringern möchten, müssen wir auch über optimale Verkehrskonzepte nachdenken, z. B. darüber, mehr Verkehr auf die Bahn zu verlagern“, so Brode. Mehr Schienentransport erfordere, die Logistikkette zu optimieren. „Und daraus leiten sich dann ganz konkrete Anforderungen an unsere Produkte ab“, führt der Manager aus. Nach Vorgabe der EU sollen schnellere Gütertransporte getestet werden, mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 km/h. Mittels „condition based monitoring“, zu Deutsch etwa „Zustandsüberwachung“, muss dafür der Zustand des Güterwagons permanent kontrolliert und bewertet werden. Um empfindliche Produkte kühlen zu können, müssen die Wagen erst elektrifiziert werden.

Energierückgewinnung, etwa aus den Bremsprozessen, verringert die Transportkosten. Ebenso die effiziente Gestaltung der Umschlagpunkte, an denen Güter von der Bahn auf die Straße umgesetzt werden. RFID-Lösungen können dabei helfen. Sie können aber auch die Ortung der Wagons erleichtern und damit die Disposition der Vermieter unterstützen. „An diesen Beispielen sieht man, dass wir uns viel stärker über das traditionelle Geschäft von Harting – Stecker zu fertigen – hinaus in Richtung Elektronik und Software bewegen“, erklärt Frank Brode. „Wir wollen unseren Kunden also vermehrt komplette Lösungen liefern.“

Steckverbindungen: Bei Harting bedeutet das weit mehr, als Kabel abzulängen und Kontakte zu löten. Über 400 Ingenieure und Naturwissenschaftler sind in der gesamten Unternehmensgruppe aktiv. Deren Engagement und aktive Beteiligung an Forschungsverbünden und -netzwerken verdankt der Konzern seit Jahren den Technologievorsprung auf viele andere „Marktbegleiter“, wie die Konkurrenz genannt wird.

Kontaktdesign und -materialien unterliegen einem fortlaufenden Wandel. Nanotechnologie ermöglicht bei Dichte, Härte oder Übertragungsverhalten neue Werkstoffeigenschaften. Zudem halten neue Legierungen Einzug Sensorik und Software spielen eine immer wichtigere Rolle. Hartings Anspruch in Brodes Worten: große Zuverlässigkeit, hohe Standzeiten. Steckverbindungen bleiben für ihn auch in Zukunft spannend.

Von Martin Volmer

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