Hannover Messe: MobiliTec 20.04.2012, 11:58 Uhr

Elektromobilität setzt deutsche Industrie unter Strom

Auf dem Weg zum Massenmarkt mangelt es der Elektromobilität bislang an effizienten Fertigungslösungen für Batterien, Motoren und Leistungselektronik. Die Branche entdeckt nun Potenziale im Maschinen- und Anlagenbau, wo seit Jahrzehnten elektrische Antriebe zum Einsatz kommen. Auf der Hannover Messe findet Elektromobilität auf der MobiliTec in Halle 25 ein Schaufenster – und besitzt Strahlkraft auf viele weitere Bereiche des Industrietreffs.

„Deutschland ist nicht der ideale Leitmarkt für die Elektromobilität“, erklärte Bosch-Chef Franz Fehrenbach jüngst auf dem Technischen Kongress des Automobilverbands VDA in Sindelfingen. Wer häufiger in Peking und Shanghai unterwegs sei, wisse, wo der Leitmarkt entstehen muss – und wird. Die deutsche Industrie habe die Chance, dort wie hier Leitanbieter zu werden – sofern sie den Aufbruch im „wirklichen Leitmarkt“ nicht verpasse.

Die Konkurrenz in Japan, den USA und in China schläft nicht. Deshalb hat sich die deutsche Industrie unter dem Dach der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) zusammengefunden. Unternehmen aus Fahrzeug- und Energiebranche, Maschinen- und Anlagenbau, Kunststoff-, Chemie- und weiteren Branchen knüpfen neue Netzwerke, entwerfen Forschungs-, Normungs- und Qualifizierungs-Roadmaps sowie gemeinsame Strategien für den Markteintritt. Mittlerweile gehen erste branchenübergreifende Joint Ventures an den Start. So die von BMW, Daimler, Siemens, Bosch und den Energiekonzernen EnBW und RWE gegründete Hubject. Analog zu Autosar für die IT im Fahrzeug soll Hubject eine industrieübergreifende Datenplattform im Bereich der Ladeinfrastruktur anstoßen.

Leitmärkte für Elektromobilität wahrscheinlich in Japan, USA und China

Neben Neugründungen und Kooperationen wimmelt es von Initiativen und Projekten. Etwa die Spitzencluster „Elektromobilität Süd-West“ und „MAI Carbon“, die acht Modellregionen oder die Bewerber für die Schaufensterregionen, die vorige Woche ausgewählt wurden (wir berichteten). Ein weiterer Brennpunkt ist das Forum E-Motive im VDMA, an dem 20 Fachverbände, Foren und Forschungsvereinigungen aus dem Maschinen- und Anlagenbau mitwirken.

Gerade in den Forschungsvereinigungen Antriebstechnik (FVA) und Verbrennungskraftmaschinen (FVV) treffen sich regelmäßig Forscher und Entwickler aus Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, um gemeinsame Fragestellungen in vorwettbewerblicher Gemeinschaftsforschung anzugehen. Mal geht es um Batteriesimulation, mal um Werkstoffe für die unterschiedlichen Arten von Elektromotoren, mal um Prüfstandentwicklung, Kühlkonzepte oder Klimatisierung. Rund 40 solcher Vorhaben treiben die zwei Forschungsvereinigungen aktuell im Bereich E-Motive voran. Zusätzlich hat der VDMA im Herbst einen „Industriekreis Batterieproduktion“ ins Leben gerufen, der durch ständigen branchenübergreifenden Austausch den Weg aus der Grundlagenforschung und Vorentwicklung in die Großserienproduktion abkürzen soll.

Auf der Hannover Messe (23. bis 27. April) werden viele dieser Initiativen und Projekte aus dem Hintergrund ins Messelicht treten. Fast 150 Aussteller haben sich zur MobiliTec 2012 in Halle 25 angekündigt, darunter allein 16 Aussteller auf dem Gemeinschaftsstand des Forums E-Motive. Zudem steigt an allen Messe-tagen ein Forum mit Expertenvorträgen zur Fertigung und Funktion von Antriebskomponenten und Batterien, Ladeinfrastruktur und Stromnetzen oder zu neuartigen Mobilitätsangeboten und politischen Rahmenbedingungen.

Laut Messe-Vorstandschef Wolfram von Fritsch strahlt die Elektromobilität auf weitere Bereiche der weltgrößten Industriemesse aus: „Auf der CoilTechnica werden Aussteller Wickeltechnik für effiziente E-Motoren zeigen, auf der Energy sind Smart-Grid-Technologien zu sehen und auf der Industrial Automation Automatisierungslösungen“. Auch die Messe Metropolitan Solutions, die Gebäudeautomation in den Blick nehme, biete Schnittstellen zur Elektromobilität.

Elektromobilität: Mehr als 500 000 Elektrofahrzeuge in Deutschland im Einsatz

FVA-Geschäftsführer Hartmut Rauen betont, dass Elektromobilität für viele Verbandsmitglieder längst Alltag ist. „In Deutschland sind über eine halbe Million Elektrofahrzeuge im Einsatz“, erklärt er. Dazu zählten allein über 400 000 Elektrogabelstapler. Deren Hersteller würden teilweise bereits seit Jahrzehnten elektrische Antriebe einsetzen. Bau- und Landmaschinenhersteller sind ebenfalls auf dem Sprung – und im stationären Bereich sind elektrische Antriebe samt Leistungselektroniken ohnehin Standard.

Ihr Know-how machen Unternehmen wie Linde Material Handling, Still oder Wittenstein auch Autoherstellern zugänglich. So hat VW Kleinserien seiner „twinDrive“-Hybride mit Antrieben und Leistungselektroniken von Wittenstein ausgestattet. Und der Hamburger Nachrüster Karabag setzte bei der Konfiguration seines elektrischen Fiat 500 auf die Expertise von Linde MH. Deren Spezialisten entwickeln zudem elektrische Antriebslösungen für Spezialfahrzeuge, die in Flughäfen und Häfen eingesetzt werden.

Zukunftsmarkt Elektromobilität muss in Deutschland Fahrt aufnehmen

Noch geht es nach außen um erste, zaghafte Schritte in den Zukunftsmarkt Elektromobilität, der laut NPE-Plänen Ende des laufenden Jahrzehnts Fahrt aufnehmen soll. Hinter den Kulissen geht es längst um mehr. In VDMA-Kreisen diskutieren Autokonzerne, Zulieferer und Maschinenbauer aktuell die Chance, über standardisierte, modular ausgelegte Batteriesysteme schnell jene Skaleneffekte zu erzielen, die auch Kleinserien- und Forschungsfahrzeuge bezahlbar machen. Dafür sollen die Systeme für nicht identische Zelltypen tolerant werden. Zwar kommt das „Kompetenzzentrum Energiespeicher“ auf der Hannover Messe 2012 für diese Standardsysteme noch zu früh. Doch die Botschaft ist klar. „Unsere Netzwerke sind voll handlungsfähig“, unterstreicht der E-Motive-Koordinator Bernhard Hagemann.

Von Peter Trechow

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