Serienreife noch weit entfernt 11.09.2009, 18:29 Uhr

IAA 2009: Elektroautos in aller Munde

Mit aufwendiger Technik senken die Autohersteller den Verbrauch ihrer Pkw mit Benzin- und Dieselmotoren. Das Angebot von Fahrzeugen mit Hybridantrieb steigt. Doch auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main dreht sich vom 17. bis 27. September fast alles um das Elektroauto. Dabei ist das E-Mobil von der Serienreife und breiten Markteinführung noch weit entfernt.

Die Euphorie für das Elektroauto ist verfrüht. Fachleute sind sich einig, dass noch etliche Jahre ins Land ziehen werden bis rein elektrisch angetriebene Autos einen nennenswerten Betrag zur Mobilität leisten können. So sind die heute verfügbaren Akkus noch viel zu teuer und das Gewicht zu hoch. Die hohen Kosten machen nach Angaben der Experten ein Elektroauto um mindestens 5000 € bis 10 000 € teurer als einen Pkw mit konventionellem Antrieb – und das bei spürbaren Einschränkungen in der Fahrpraxis mit E-Mobilen.

Auf der IAA “09 gehören trotzdem Elektroautos sowie Hybridantriebe zu den Hauptanziehungspunkten. Aber allzu leichtfertig werden dabei die deutlichen Fortschritte bei den Verbrennungsmotoren übersehen. Gerade die deutschen Hersteller bieten in jüngster Zeit Ökomodelle unter Bezeichnungen wie „BlueMotion“ (VW), „EfficentDynamics“ (BMW) oder „BlueEfficiency“ (Mercedes) an.

BMW und VW lieferten zuerst Pkw mit geringerem Verbrauch und niedrigerem Schadstoffausstoß aus, inzwischen gibt es kaum noch einen Anbieter, der nicht kraftstoffsparende Versionen oder Modellreihen im Programm hat. Bei den meisten liegt die Kraftstoffeinsparung zwischen 10 % und 20 % gegenüber den Vorgängermodellen. Die „Sparer“ heißen bei Ford „Econetic“, bei Opel „Ecoflex“ und bei Volvo „Drive“.

BMW zum Beispiel setzt mit dem in vielen Modellen serienmäßigen Maßnahmenpaket EfficientDynamics auf Breitenwirkung und hat damit den Flottenverbrauch um 25 % gesenkt. So beispielsweise beim BMW 118d, bei dem der Kraftstoffkonsum je 100 km um fast 20 % von 5,6 l auf 4,5 l sank, trotz gleichzeitiger Leistungssteigerung von 90 kW auf 105 kW.

VW Polo mit 1,6-l-Diesel und 77 kW Leistung verbraucht lediglich 3,7 l/100 km

Besonders niedrigen Verbrauch haben Kleinwagen mit Diesel, wie etwa der VW Polo mit 1,6-l-Turbodiesel (77 kW), der es auf 3,7 l/100 km bringt. Ähnlich günstige Werte finden sich bei Modellen der VW-Töchter Audi, Skoda und Seat. Die ab Spätherbst zu bestellenden BlueMotion-Versionen Polo (55 kW), Golf und Passat (beide 77 kW) glänzen mit einem EU-Normverbrauch je 100 km von 3,3 l, 3,8 l und 4,4 l Diesel, entsprechend einer CO2-Emission von 87 g/km, 99 g/km und 114 g/km. – Zum Vergleich: Der neue Benzin-Hybrid Toyota Prius konsumiert in der 3. Generation 3,9 l/100 km.

Die Fortschritte sind nur durch ein Paket technischer Maßnahmen zu erreichen. Das Ziel bei jeder Lösung heißt: Wirkungsgradsteigerung. So sind neue Motoren häufig nach dem „Downsizing“-Prinzip entwickelt worden, haben also weniger Hubraum als bisher, bekommen aber Turboaufladung und erzielen dadurch gleiche oder höhere Leistungen.

Einen weiteren Beitrag leisten Start-Stopp-Systeme. Im Stadtverkehr senken sie bis zu 10 % den Kraftstoffverbrauch. VW und Audi setzen für Start-Stopp einen verstärkten Starter/Generator von Bosch ein, dessen Lebensdauer auch höher ist als beim herkömmlichen Anlasser. Riemengetriebene Starter/Generatoren, die den Verbrauch noch etwas stärker absenken, verwenden beispielsweise Mercedes und PSA (Peugeot/Citroën).

Für einen Verbrauchsvorteil bis 3 % sorgt die Bremsenergie-Rückgewinnung. In Schub- und Bremsphasen wird durch Zuschalten des Starters/Generators Strom erzeugt und in der Batterie gespeichert.

Bei BMW geht man noch einen Schritt weiter, indem Reibungsverluste reduziert werden und insbesondere der Dauerlauf von Nebenaggregaten und damit deren Strombedarf verringert wird – alles überwacht und geregelt durch elektronisches Energiemanagement. Betroffen sind davon z. B. Klimakompressor, Öl- und Wasserpumpe. Bei geringem Kühlbedarf kann zudem der Kühlergrill mit Klappen verschlossen werden. Darüber hinaus verbessert das stufenlose Verstellen beider Nockenwellen in neuen BMW-Benzinmotoren zunächst mit 3,0 l Hubraum den Motorwirkungsgrad und senkt die Verbrauchswerte weiter.

Im aerodynamischen Feinschliff der Karosserie, einschließlich Unterbodenverkleidung und Tieferlegung, steckt weiteres Potenzial, den Kraftstoffverbrauch zu vermindern. Rollwiderstandsarme Leichtlaufreifen und längere Getriebeübersetzungen mit Anzeige zur Schaltempfehlung ergänzen bei durchzugsstarken Motoren die Anstrengungen der Ingenieure, den Spritverbrauch der Fahrzeuge zu senken.

In den nächsten Jahrzehnten wird der Verbrennungsmotor die wichtigste Antriebsquelle bleiben. Doch die Technik, den Verbrauch und damit die CO2-Emission zu senken, wird immer aufwendiger. Bereits das Downsizing, verbunden mit Aufladung und Direkteinspritzung, ist kostentreibend. Dazu kommen variabler und demnächst vollelektrischer Ventiltrieb für den drosselfreien Betrieb des Motors. Mehr als 10 % Kraftstoffeinsparung soll dies bringen.

Außerdem sollen in den nächsten Jahren neuentwickelte Motoren auf den Markt kommen, die die Vorzüge von Diesel- und Ottomotor kombinieren. Auch beim Diesel ist das Verbrauchsziel ausgemacht: Um weitere 30 % soll sein Konsum gedrosselt werden. Das bedeutet, dass zwar der Verbrauch sinkt, aber auch die Pkw-Preise weiter steigen werden.

Sind die Käufer bereit, mehr zu bezahlen? Auf dem Markt sind spezielle Sparmobile bisher wenig erfolgreich gewesen, auch wenn sie bei sehr zurückhaltender Fahrweise nur 2,9 l/100 km brauchten, wie etwa das „3-l-Auto“, der Lupo von VW. Er erwies sich als Verkaufsflop, weil er zu teuer und zu kompromisslos war. „Sparautos“ befinden sich offensichtlich auf einer Gradwanderung, wenn sie beim Publikum ankommen wollen. I. REUSS/WOP

 

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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