Elektromobilität 18.02.2022, 10:51 Uhr

Elektroauto laden: Im Asphalt versteckt sich ungeahntes Potenzial

Elektroautos und Busse, die während der Fahrt aufgeladen werden: Ein deutsches Projekt nutzt dafür eine außergewöhnliche Ladetechnik unter dem Asphalt.

E-Bus auf Straße

Kontaktloses Laden von elektrisch betriebenen Bussen wird in Karlsruhe auf einer Teilstrecke möglich.

Foto: EnBW

Elektrisch angetriebene Busse, schwere Lkw und möglicherweise auch kleinere Fahrzeuge haben künftig eine nahezu unbegrenzte Reichweite, obwohl sie weit weniger Batterien an Bord haben als heutige Modelle und Prototypen. Lkw können also mehr Ladung transportieren, ein für Speditionen extrem wichtiges Argument, Busse mehr Fahrgäste und Pkw-Fahrer müssen keine langen Ladepausen mehr in Kauf nehmen. Das Geheimnis: Die Fahrzeuge rollen von Zeit zu Zeit über eine besonders präparierte Strecke mit einer Länge von vielleicht zwei Kilometern. Dort werden die Bordbatterien aufgeladen – Ladestopps werden überflüssig.

Batterien von Elektroautos aufladen: Premiere in Tel Aviv

Die Technik hat das israelische Unternehmen ElectReon entwickelt und zunächst in Tel Aviv umgesetzt. Dort ließen die Ingenieure und Ingenieurinnen auf einer Straße zwischen dem Hauptbahnhof der Stadt und der Universität Spulen in eine 600 Meter lange Rinne versenken, die mit Asphalt wieder verschlossen wurde. Die Batterien der entsprechend umgerüsteten Busse werden beim Passieren der Strecke aufgeladen. Durch die Spulen im Untergrund fließt, wenn die Fahrzeuge sich darüber befinden, ein hoher elektrischer Strom, der ein äußeres elektromagnetisches Feld erzeugt. Dieses wird von einer Spule aufgefangen, die unter den Bussen befestigt ist und in geringem Abstand über die verborgenen Spulen geführt wird. Die eingefangene Energie wird in Gleichstrom umgewandelt und in den Bordbatterien gespeichert.

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Karlsruhe begnügt sich vorerst mit 100 Metern

In Kürze geht auch in Karlsruhe eine Versuchsstrecke in Betrieb. Sie ist nur 100 Meter lang, soll aber auf 400 Meter erweitert werden. Sie lädt Batterien von Bussen auf, die zwischen dem Ausbildungszentrum des Stromversorgers EnBW am Rheinhafen und dem Hauptbahnhof der Stadt verkehren. Auch in Schweden ist eine Versuchsstecke in Betrieb. Auf der „Smart Road Gotland“ auf der gleichnamigen Ostseeinsel werden die Speicher eines schweren Lkw aufgeladen. Hier ist es gelungen, 45 Kilowatt auf das rollende Fahrzeug zu übertragen.

 

Mobile Stromübertragung: Wirkungsgrad bis zu 85 Prozent

Der Wirkungsgrad liegt, so Andreas Wendt, Regional Director ElectReon Germany bei 80 bis 85 Prozent. Dass es nicht noch mehr ist, liegt an dem relativ großen Abstand zwischen den beiden Spulen. Die beste Übertragungsleistung lässt sich erreichen, wenn sie sehr nah beieinander sind. Das ist bei der mobilen Stromübertragung unmöglich, denn zwischen den Spulen befinden sich ein paar Zentimeter Asphalt und ein Luftspalte – die Spule unter dem Lkw muss, damit sie nicht beschädigt wird, einen gewissen Abstand zu Fahrbahn haben.

Elektrobusse laden: 125 Kilowatt sind das Ziel

Ziel von ElectReon ist die Erhöhung der Übertragungsleistung auf 125 Kilowatt. Das soll bei einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gelingen. Damit würde die Leistung von vielen stationären Schnellladestationen erreicht.

Autonome Busse rasen durch unterirdische Tunnel

In der Lombardei in Italien ist auf der Autostrada 35 zwischen Brescia und Mailand eine 1000 Meter lange Teststrecke in Betrieb, die Schwerlaster mit Strom versorgt. Jüngstes Projekt ist Detroit, die Autostadt in den USA. Ford hat dort im Jahr 2018 einen stillgelegten Bahnhof gekauft, um einen Forschungscampus für Elektromobilität zu bauen. Eine der Komponenten ist die Ladestraße, die 1600 Meter lang werden soll. Im nächsten Jahr soll sie in Betrieb genommen werden.

Elektroauto: Straße aus Solarmodulen

ElectReon ist damit ein ganzes Stück weiter als das Berliner Unternehmen Somove. Es hat eine Straße konzipiert, die aus Solarzellen besteht. Integriert sind Spulen, die darüber hinwegrollende Autos mit dem von der Straße produzierten Strom versorgt. Ohne zusätzliche Energieeinspeisung wird es allerdings nicht gehen.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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