Mobilität 17.06.2022, 09:29 Uhr

Elektroauto-Batterie kaputt: Ungewöhnliche Idee löst Problem

Was passiert mit Batterien aus E-Autos, wenn sie den Geist aufgeben? Ein deutsch-indisches Start-up schenkt den Akkus ein zweites und womöglich sogar drittes Leben. Das schont die Umwelt und spart Ressourcen.

Was passiert mit der verbrauchten Batterie aus dem Elektroauto? Das Start-up Nunam schenkt Akkus ein zweites Leben in einer E-Rikscha. Das Projekt soll Grundlagen schaffen. Foto: Audi AG

Was passiert mit der verbrauchten Batterie aus dem Elektroauto? Das Start-up Nunam schenkt Akkus ein zweites Leben in einer E-Rikscha. Das Projekt soll Grundlagen schaffen.

Foto: Audi AG

Irgendwann ist Schluss: Nach etwa 15 Jahren gibt eine Elektroauto-Batterie allmählich den Geist auf. Dabei steckt noch Energie in ihr. Das deutsch-indische Start-up Nunam zeigt einen Weg auf, bei dem die Akkus aus E-Autos ein Leben nach dem vermeintlichen Tod haben.

Die Idee: Die Batterien werden zum Antrieb weniger energiehungriger Fahrzeuge verwendet. Nunam bringt zum Start drei elektrische Rikschas auf Indiens Straßen, die mit gebrauchten Batterien aus Erprobungsfahrzeugen der e-tron-Testflotte von Audi angetrieben werden. Ziel sei es, auszuloten, wie Module aus Hochvoltbatterien nach ihrem Einsatz im Auto weiterverwendet und zu einem alltagstauglichen Second-Life-Anwendungsfall werden, heißt es bei dem Start-up.

Batterie aus Elektroauto bekommt zweites Leben

Überdies könne man so die Erwerbschancen vor allem von Frauen in Indien stärken: Ihnen werden die E-Rikschas zur Verfügung gestellt, um ihre Waren zu den Märkten zu transportieren, die sie so ohne Zwischenhändler verkaufen können. Gefördert wird das gemeinnützige Start-up mit Sitz in Berlin und Bangalore von der Audi Umweltstiftung. Die Elektro-Rikscha-Prototypen hat Nunam in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsteam des Audi-Standorts Neckarsulm entwickelt.

Noch steht das Projekt in den Startlöchern, Anfang 2023 sollen die ersten E-Rikschas mit Second-Life-Batterien in einem Pilotprojekt in Indien auf der Straße fahren – angetrieben von gebrauchten Batterien. „Die alten Batterien sind noch äußerst leistungsfähig“, sagt Nunam-Co-Gründer Prodip Chatterjee. „Wenn sie in den richtigen Anwendungen eingesetzt werden, können Second-Life-Batterien eine große Wirkung haben und Menschen in herausfordernden Lebenssituationen helfen, ein Einkommen und ökonomische Unabhängigkeit zu erzielen – auf eine nachhaltige Art und Weise.“
Sprich: Das Leben einer Batterie wird potentiell verlängert, Ressourcen können effizienter genutzt werden.

„Für Fahrzeuge mit geringer Anforderung“

„Eine Autobatterie ist auf ein gesamtes Autoleben ausgelegt, doch selbst nach dem Ersteinsatz im Fahrzeug verfügen sie noch über einen großen Teil ihrer Leistung“, so Chatterjee. „Für Fahrzeuge mit geringeren Anforderungen an Reichweite und Leistung sowie geringerem Gesamtgewicht sind sie äußerst vielversprechend. Wir setzen Elektroauto-Batterien in diesem Second-Life-Projekt erneut in Elektrofahrzeugen ein, quasi als eine leichtere Form der Elektromobilität. So möchten wir herausfinden, wie viel Leistung die Batterie in diesem anspruchsvollen Anwendungsfall noch bereitstellen kann.“

So testen Sie die Batterie im E-Auto

Die Ökoeffizienz einer E-Rikscha sei optimal, so der 31-Jährige. Die Batterie hat eine hohe Energiedichte, das Gewicht der Rikschas ist wiederum gering. Der Elektromotor muss also keine große Leistung bringen. E-Rikschas sind in Indien schon heute keine Seltenheit mehr, aber meist werden sie mit Blei-Säure-Batterien angetrieben, die eine kurze Lebensdauer haben und häufig nicht fachgerecht entsorgt werden. Die meisten Fahrerinnen und Fahrer würden die Batterien zudem mit Strom aus dem öffentlichen Netz laden, heißt es bei Nunam. Und der Kohlestrom-Anteil in Indien ist sehr hoch.

Solarenergie für die Batterie

Deshalb werde man Solarladestationen installieren: Die Solarpanels befinden sich auf den Dächern des örtlichen Projektpartners. Tagsüber lädt die Sonne eine e-tron-Batterie als Pufferspeicher mit Energie auf, abends wird der Strom von dort weiter in die E-Rikschas übertragen. Die Fahrt mit einer Rikscha werde so lokal „weitestgehend CO2-emissionsfrei“, teilt das Start-up mit.

Während des Pilotprojekts will Nunam Leistung und Reichweite der E-Rikschas permanent überprüfen. Alle Daten sollen dann auf der Open-Source-Plattform circularbattery.org verfügbar sein – als Grundlage für potenzielle Nachahmer. „Initiativen wie die von Nunam sind nötig, um für E-Waste neue Anwendungsfälle zu finden. Nicht nur in Indien, sondern weltweit. Deshalb wird Nunam sein Wissen teilen, um weitere Initiativen zu motivieren, Produkte mit Second-Life-Komponenten zu entwickeln, die den ökologisch-sozialen Wandel weitertreiben können“, sagt Rüdiger Recknagel, Geschäftsführer der Audi-Stiftung für Umwelt.

Wenn die Batterie dann irgendwann auch die Rikscha nicht mehr antreiben kann, ist ein drittes Leben denkbar. Die restliche Energie könnte für stationäre Anwendungen wie etwa LED-Beleuchtungen genutzt werden. „Wir wollen aus der Batterie alles herausholen, bevor sie ins Recycling geht“, sagt Co-Gründer Prodip Chatterjee.
Die Nutzung von Elektromobilität und Solarenergie könne dazu beitragen, die enorme Abhängigkeit Indiens von fossilen Energieträgern wie Kohle zu reduzieren und das Abgasvolumen auf den Straßen zu verringern.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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