Feldversuch zur Elektromobilität 11.06.2013, 13:33 Uhr

Eine App verhindert leere Akkus

Künftig sollen Elektroautos nicht nur Strom tanken, sondern auch dazu beitragen, Zeiten mit Strommangel zu überbrücken. Damit normale Elektroautos als Energielieferanten dienen können, müssen sie umgerüstet werden. Dies soll zunächst im Rahmen eines Feldversuches geschehen.

Blick in den Innenraum des e-up! Das Batteriesystem sitzt im Unterboden zwischen den Achsen.

Blick in den Innenraum des e-up! Das Batteriesystem sitzt im Unterboden zwischen den Achsen.

Foto: Volkswagen

Es gibt bei weitem zu wenige Speichermöglichkeiten für überschüssigen Wind- und Solarstrom. Elektroautos sollen künftig zusätzlich als Puffer dienen. Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass die Batterien vor allem dann aufgeladen werden, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist. Umgekehrt geben sie einen Teil ihrer Energie ab, wenn Mangel herrscht. In einem Flottenversuch im Rahmen des Leuchtturmprojekts INEES (Intelligente Netzanbindung von Elektrofahrzeugen zur Erbringung von Systemdienstleistungen) wird getestet, ob sich die fremdbestimmten Lade- und Entladezeiten der Akkus mit den Fahrgewohnheiten der Teilnehmer in Übereinstimmung bringen lassen. Dafür gehen im nächsten Jahr in Berlin allerdings nur 20 Kleinwagen der Marke Volkswagen (e-up!) an den Start.

Normale Elektroautos können nur Strom aufnehmen. Für den Versuch rüstet Volkswagen die Fahrzeuge so um, dass der Strom in beide Richtungen fließen kann. Lade- und Entladestationen, die SMA Solar Technology entwickelt, werden an den Wohn- und Arbeitsorten der Teilnehmer eingerichtet. Die Steuerungssoftware liefert der Stromanbieter LichtBlick, der bereits Kleinkraftwerke in Einfamilienhäusern, die von Volkswagen gebaut werden, in das Stromnetz einbindet.

Für die Teilnehmer heißt es dann: Gut planen, damit sie nicht mit leerem Akku dastehen, wenn sie morgens zur Arbeit oder abends heimfahren wollen. Per Smartphone mit einer speziellen App können sie sicherstellen, dass zu einer bestimmten Zeit so viel Energie vorhanden ist, dass sie ihr Ziel sicher erreichen.

An Tagen mit festen Arbeitszeiten ist das kein großes Problem. Da reicht eine feste Einstellung. Doch spontane abendliche Ausflüge sind nicht mehr mit Sicherheit möglich, weil das Netz die Akkus möglicherweise gerade leergesaugt hat. Und am Wochenende müssen Besuche und Einkaufszeiten exakt vorausgeplant werden.

Autostrom wird gut bezahlt

Andererseits hat die aktive Einbindung von Elektroautos ins Stromnetz handfeste finanzielle Vorteile für die Fahrzeugbesitzer. Spitzenstrom, den ihre Fahrzeuge ins Netz liefern, wird besonders gut bezahlt, sodass sich die höheren Kosten für Elektroautos schneller amortisieren. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Batterien schneller verschleißen, wenn die Zahl der Ladezyklen zusätzlich erhöht wird. All das soll in dem Feldversuch überprüft werden. Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel wird zusätzlich die Auswirkungen der intelligenten Einbindung von Elektrofahrzeugen auf das Stromnetz simulieren.

Der Beitrag zur Netzstabilisierung einer großen Elektroautoflotte ist allerdings überschaubar. Wenn es bis 2020 tatsächlich gelingt, in Deutschland eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen – so will es die Bundesregierung –, steht eine Stromspeicherkapazität von allenfalls 50 Millionen Kilowattstunden zur Verfügung. Das entspricht weniger als vier Prozent des täglichen Stromverbrauchs in Deutschland.

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