Kritik an Politik 03.07.2015, 11:36 Uhr

E-Mobilität: „Autoindustrie hat Hausaufgaben gemacht“

Die Politik trägt die Hauptschuld dafür, dass die E-Mobilität in Deutschland nicht richtig vorankommt. Nach Meinung von Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität (BEM), hat die deutsche Autoindustrie ihre Hausaufgaben mit inzwischen 17 rein elektrischen Modellen gemacht. Nicht so die Politik. 

Stromtankstelle in Duisburg: Der Bundesverband eMobilität wirft der Politik vor, beim Thema Infrastruktur zu versagen. Nach wie vor gebe es keine ausreichende Ladeinfrastruktur.

Stromtankstelle in Duisburg: Der Bundesverband eMobilität wirft der Politik vor, beim Thema Infrastruktur zu versagen. Nach wie vor gebe es keine ausreichende Ladeinfrastruktur.

Foto: Roland Weihrauch/dpa

„Die Politik hat es nicht kapiert“, wettert Sigl in den VDI nachrichten. Fördermaßnahmen griffen zu kurz, Berater der Bundesregierung agierten gezwungenermaßen im Sparmodus. Man könne die Elektromobilität „nicht Menschen überlassen, die das nebenbei im Ehrenamt tun“, meint Sigl. „Das wäre, als wenn die Kanzlerin bei Siemens arbeitet und nebenher Bundeskanzlerin ist.“

Verbandschef Sigl sieht Autostandort Deutschland in Gefahr

Sigl sieht angesichts der Untätigkeit der Politik den Autostandort in Gefahr. „Wenn Deutschland nicht in die Pötte kommt, riskieren wir den Automobilstandort Deutschland – wir sind kurz davor“, so Sigl. Technisch sei Deutschland Leitanbieter. „Vom Leitmarkt dagegen sei man noch meilenweit entfernt.“

Als Witz bezeichnet Sigl den Versuch, Elektroautos durch das E-Mobilitätsgesetz im Verkehr zu bevorzugen. „In Berlin werden die Busspuren vom Lieferverkehr blockiert. Dort Elektroautos draufzulassen, führt zu einem kompletten Chaos.“ In Städten wie München gäbe es nur 1,6 km Busspuren. Sigl: „Was soll das bringen?“

Politik hat bei Infrastruktur Hürden aufgebaut

Im Gegenteil hemme der Gesetzgeber die Elektromobilität sogar. So sei das Laden beim Arbeitgeber immer noch mit einem „geldwerten Vorteil“ verbunden. Beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum gebe es mehr bürokratische Hürden als Kosten. Das nationale Roaming von einem Stromanbieter zum nächsten sei immer noch nicht gelöst.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel „tankt“ auf der Hannover Messe das Volkswagen Milano Taxi auf: Der Bundesverband eMobilität wirft der Politik vor, beim Thema versagt zu haben.

Foto: Marcus Brandt/dpa

Die Niederlande nennt Sigl dagegen ein Vorbild. Dort habe man beschlossen, eine Infrastruktur aufzubauen, und ein halbes Jahr später hätte sie gestanden. Hierzulande sei man noch im Teststatus. „In Deutschland erforschen wir noch die Ladeinfrastruktur.“

Als größtes Versäumnis der letzten Jahre wertet Sigl die fehlende Akku-Strategie. „Bei den Zellen ist der Zug schon abgefahren.“ Die müsse man aus Asien und den USA beziehen. „Wenn wir es jetzt nicht hinkriegen, eine Akku-Produktion aufzubauen, dann geht auch dieses wichtige strategische Feld verloren.“

Des gesamten Beitrag zur Sigl-Kritik lesen Sie in den aktuellen VDI nachrichten.

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