Hochschule 22.02.2013, 17:00 Uhr

Die vollelektrische Hochschul-Innovation

Noch kurvt das „BOmobil“ nur auf dem Campus der Hochschule Bochum. Doch bald wird der vollelektrische Kleintransporter auch auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Das Auto ist eine Koproduktion des Instituts für Elektromobilität mit Unternehmen aus dem Automobil-und Zuliefererbereich.

Das „BOmobil“ der Hochschule Bochum fährt zu 100 % mit Elektroenergie.

Das „BOmobil“ der Hochschule Bochum fährt zu 100 % mit Elektroenergie.

Foto: dpa

Wolf Ritschel vom Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum hat Grund zur Freude: Erstmals hat eine Hochschule in Kooperation mit namhaften Unternehmen aus dem Automobil-und Zuliefererbereich einen vollelektrischen Kleintransporter bis zur Serienreife entwickelt. „An diesem Auto ist einfach alles dran, angefangen von einer Klimaanlage bis zum Regensensor“, sagt der Ingenieur-Professor.

Künftig wird ein Nutzfahrzeug auf Deutschlands Straßen unterwegs sein, das komplett von einer Hochschule in Verbindung mit der Industrie entwickelt worden ist. Dieser kleine und dazu nur 1000 kg leichte Elektrokleintransporter kann umweltschonend im Stadtverkehr eingesetzt werden und insbesondere Kleinunternehmern, wie Handwerkern und sonstigen Gewerbetreibenden, als Transportfahrzeug dienen.

Das Fahren im Straßenverkehr sei mit dem „BOmobil“ „kinderleicht“: Erforderlich ist lediglich ein normaler Führerschein. Das Fahrzeug, das im schlichten Weiß gehalten wurde, fährt geräuscharm wie ein Automatikwagen, hat klare Linien und eine schnittige Form. Statt des sonst üblichen Automatikhebels gibt es mehrere kleine Tasten.

Die Bochumer haben an diesem Projekt einige Jahre getüftelt. Mit seinen Kollegen Michael Schugt und Friedbert Pautzke setzte sich Ritschel erstmals 2009 zusammen, um ein Elektrofahrzeug bis zur Serienreife zu konstruieren. Damals wurde von ihnen das Institut für Elektromobilität gegründet, das der Hochschule Bochum angegliedert ist.

Absolventen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, wie Maschinenbau/Mechatronik, Elektrotechnik und Informatik sowie Fahrzeugtechnik, kamen im Laufe der Jahre dazu. Mittlerweile gehören zum Institut 30 Mitarbeiter, die unter der Projektleitung von Heinrich Zöllner gemeinsam mit den Partnern Composite Impulse, Delphi, Scienlab, Stadtwerke Bochum und TÜV Nord das BOmobil serienreif entwickelten. Das Projekt wurde im Rahmen des Wettbewerbs ElektroMobil.NRW gefördert.

Viele ehemalige Studenten absolvierten am Institut Praktika oder schrieben Bachelor- und Masterarbeiten, um dann – nach dem Studium – ihr Wissen bei der Projektentwicklung einfließen zu lassen.

Einer von ihnen ist Christian Hain: „Es war spannend, in der Vorlesung die Theorie zu hören und diese in der Praxis umzusetzen“, sagt der diplomierte Mechatroniker. „Die Arbeit im Team macht Spaß und man kann sich jederzeit aufeinander verlassen.“ Der 35-Jährige schrieb hier auch seine Diplomarbeit über das Erstellen von „Lehrgangsunterlagen für die Ausbildung im Umgang mit Hochvolt eigensicheren Fahrzeugen“.

Das BOmobil ist technisch auf aktuellstem Stand: Es hat keine zentrale Antriebseinheit mehr, statt dessen gibt es Radnabenmotoren. Der flotte Zweisitzer erzielt eine maximale Geschwindigkeit von über 130 km/h und eine Reichweite von mehr als 150 km – dann muss er allerdings wieder an eine ganz normale Steckdose.

„Alle Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs werden im sogenannten Skateboard untergebracht, der tragenden Struktur, die unterschiedliche Karosserievarianten zulässt“, erklärt Wolf Ritschel. „Die Batterie, die Traktionswechselrichter und die Motoren sind organisch zueinander angeordnet. Dadurch lassen sich kurze Leitungswege und ein niedriger Schwerpunkt realisieren.“ Durch die selbst entwickelten Radnabenmotoren werde das Antriebsmoment dort generiert, wo es benötigt wird die eingesparte Antriebseinheit im Aufbau vergrößere das Ladevolumen des Fahrzeugs.

Das Skateboard des BOmobils besteht aus Aluminium-Leichtbau-Profilen, die von den Ingenieuren bei der Montage genietet und verklebt werden. Das ist deshalb sinnvoll, weil diese Variante des Aufbaus eine hochfeste Struktur ermöglicht, die sowohl die Tragfähigkeit für einen Kleintransporter als auch die nötige Crash-Sicherheit eines modernen Fahrzeug bietet.

Damit die Kosten in einem überschaubaren Rahmen blieben, wurden für das Fahrwerk u. a. Standardkomponenten des Opel Zafira verwendet. Dabei mussten die komplette Bremsanlage inklusive Assistenzsystemen wie ABS, ESP und EBV, die Dreieckslenker und Stabilisatoren sowie die Federbeine übernommen und in das Design des Fahrzeugs integriert werden. „Zur Kompensation der erhöhten ungefederten Massen durch die Radnabenmotoren erhalten die Dämpferelemente eine neue Abstimmung“, erläutert Ritschel. „Die Karosserie wurde aus ABS-Kunststoff und Faserverbund-Kunststoff gefertigt.“

Die Kunststoffbauteile haben sowohl strukturelle als auch wärme- und geräuschdämmende Funktion. Während in konventionellen Autos Einscheibensicherheits- und Verbund-Glas eingesetzt werden, erfolgt im BOmobil die Verwendung von Kunststoffscheiben. Für die Batterie kommt die Lithium-Eisen-Phosphat-Technologie zum Einsatz. Die Auswahl thermisch isolierender Karosserie- und Scheibenwerkstoffe ist wichtig, um aktive Kühlung bzw. Heizung in geringerem Maße als in konventionellen Fahrzeugen zu erzielen.

Das Projekt dämmert nicht im hochschulischen Elfenbeinturm vor sich hin: Die neu gegründete Westfälische Automobilwerk AG wird das BOmobil in diesem Jahr in Kleinserie produzieren. Abnehmer haben sich schon gemeldet.  SABINE NEUMANN

www.institut-elektromobilitaet.de

Von Sabine Neumann

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