Motor von Bosch 30.09.2016, 07:29 Uhr

DDR-Kultroller Schwalbe kommt als E-Version zurück

Sie hat ähnlichen Kultstatus wie der Trabi, die Simson Schwalbe aus Suhl in Thüringen. Über eine Million Roller hat Simson bis 1986 in der DDR gebaut. Jetzt, nach 30 Jahren, soll die Schwalbe wieder über die Straßen fliegen. Allerdings nicht mit knatternden Zweitakt-Ottomotor, sondern mit einem leisen Elektromotor von Bosch.

Nein, das ist nicht der alte Simson Schwalbe-Roller mit Zweitakter, sondern die neue Version mit Elektromotor. Im nächsten Jahr soll der Kultroller aus der DDR auf den Markt kommen.

Nein, das ist nicht der alte Simson Schwalbe-Roller mit Zweitakter, sondern die neue Version mit Elektromotor. Im nächsten Jahr soll der Kultroller aus der DDR auf den Markt kommen.

Foto: Govecs

Die Neuauflage des DDR-Rollers kommt im originalen Retrolook daher, fährt aber nicht mehr mit einem Zweitakt-Ottomotor, sondern elektrisch. Entwickelt hat das E-Moped der Münchner Roller-Hersteller Govecs. Mehr als eine Million Exemplare des kultigen Vorbilds wurde von 1964 bis 1986 von Simson im thüringischen Suhl gefertigt.

Die Elektro-Schwalbe fährt 100 km weit

Die Höchstgeschwindigkeit der Elektro-Schwalbe ist auf 47 km/h begrenzt, damit kann der Roller mit einem normalen Pkw- oder Mofa-Führerschein gefahren werden. Damit ist die Neuauflage um 13 km/h langsamer, als es das Original aus der DDR mit seinen 60 km/h war. Der elektrische Antrieb und die Batterie der Schwalbe stammen vom Technologiepartner Bosch, der für die Zusammenarbeit mit Govecs extra die Abteilung „uDrive Systems“ gegründet hat.

Dem Original sehr ähnlich: Der Münchner Roller-Hersteller Govecs hat eine Elektroversion des DDR-Kultrollers Simson Schwalbe entwickelt. Der Elektroantrieb kommt von Bosch.

Foto: Govecs

Foto: Govecs

Foto: Govecs

Foto: Govecs

Foto: Govecs

Foto: Govecs

Foto: Govecs

Gleich fünf Fahr-Modi bietet die Schwalbe. Das beginnt bei „Crawl“ mit einer Unterstützung zum leichteren Schieben, über dem energiearmen „Eco“ bis zum sportlichen „Power“-Modus. Die Schwalbe ist das erste Fahrzeug mit der neu entwickelten Antriebstechnik, die laut Govecs-Geschäftsführer Thomas Grübel einen guten Teil der 5.000 Euro ausmachen, die die Schwalbe kostet.

Elektroantrieb von Bosch

Mit dem fest verbauten Lithium-Ionen-Akku schafft sie etwa 100 km, danach muss sie an einer Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Ein 5 m langes Kabel mit Schukostecker versteckt sich unter dem Sitz. Nach knapp zwei Stunden ist der Akku zu 80 % geladen, die Komplettladung dauert knapp fünf Stunden.

Eine ganze Serie originaler Expemplare des Kult-Rollers Simson Schwalbe in einer Berliner Werkstatt: Mehr als eine Million Roller wurden bis 1986 bei Simson in Suhl gebaut.

Eine ganze Serie originaler Expemplare des Kult-Rollers Simson Schwalbe in einer Berliner Werkstatt: Mehr als eine Million Roller wurden bis 1986 bei Simson in Suhl gebaut.

Foto: Gero Breloer/dpa

Elektroantrieb und Akku haben allerdings Folgen für das Gewicht. Mit einem Leergewicht von 120 kg ist die Elektroversion etwa 40 kg schwerer als der Oldie. Beibehalten hat Govecs die markante Optik der Schwalbe mit den auffälligen Drahtspeichenfelgen und dem Gepäckträger. Innen ist hingegen alles komplett neu.

Simson-Roller kommt 2017 auf den Markt

Ab dem kommenden Sommer ist das Zweirad erhältlich, im Online-Shop von Govecs kann man die Schwalbe schon bestellen. Die neue Schwalbe wird der breiten Öffentlichkeit erstmals auf der internationalen Motorrad-, Roller- und E-Bike-Messe Intermot vom 5. bis 9. Oktober in Köln vorgestellt.

Die Govecs-Schwalbe ist bereits der zweite Versuch einer Neuauflage. Den ersten gab es schon vor fünf Jahren in Suhl. Dort wollten die neugegründeten „Elektrofahrzeugwerke“, kurz efw, die Schwalbe als Elektroroller auf den Markt bringen. Doch mehr als einen Stand auf der Intermot hat efw nicht zustande gebracht.

Eine Simson Schwalbe im Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt in Brandenburg.

Eine Simson Schwalbe im Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt in Brandenburg.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Nun will es Govecs richten. „Wir sollen es nicht wieder schlecht enden lassen“, betont Grübel im Gespräch mit dem MDR. „Wir haben mehr Erfahrung, wir haben 20 Leute im Engineering. Manche von denen bauen seit Jahrzehnten Zweiräder, konstruieren, entwickeln sie. Das jetzige Team baut seit sieben Jahren einige Tausend Elektro-Roller.“

Im Frühjahr 2017 soll in Berlin ein erster Govecs-Shop eröffnen, in dem es die Schwalbe zu kaufen gibt. Der Sommer kann kommen.

Von Detlef Stoller

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