Modell Zetta 28.11.2019, 07:00 Uhr

Das erste russische Elektroauto kommt auf den Markt

Der Markt für Elektroautos wächst. Auch Russland will nun einsteigen. Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass soll der „Zetta“ bereits ab Frühjahr 2020 in Serie produziert werden – und auffällig günstig sein.

Illustration E-Auto

Zum russischen ZETTA gibt es derzeit noch unterschiedliche Angaben, was die Reichweite betrifft. Ab Frühjahr 2020 soll er gebaut werden.

Foto: panthermedia.net/Boarding_Now

Bislang hat Russland nicht zu den relevanten Playern auf dem Markt für Elektroautos gehört. Nur wenige Tausend E-Autos sind dort auf den Straßen unterwegs, und russische Automobilbauer hatten bislang keine elektrischen Modelle im Programm. Das soll sich jetzt ändern, und interessanterweise kommt diese Ankündigung nicht vom größten russischen Hersteller AwtoWAS – international bekannt durch seine Marke Lada. Obwohl Lada an einem Elektroauto arbeitet, ist noch kein eigenständiges E-Modell entwickelt worden. Stattdessen soll Zetta für den Einstieg in die Elektromobilität sorgen.

Zetta steht für „Zero Emission Terra Transport Asset“, was frei übersetzt so viel heißt wie „emissionsfreies Wirtschaftsgut für den Transport auf der Erde“. Das russische Ministerium für Industrie und Handel scheint das Projekt zu fördern. Laut verschiedenen Medienberichten hat Industrieminister Denis Manturow vor wenigen Tagen der russischen Agentur TASS einen schnellen Produktionsstart des Zettas angekündigt. Schon ab dem nächsten Frühjahr soll er in Serie vom Band laufen. Einen exakten Termin gab Manturow allerdings nicht bekannt. In jedem Fall wäre der Zetta das erste E-Auto aus Russland.

Der Zetta soll extrem günstig sein

Zetta ist bereits mit einer Homepage im Netz vertreten und zeigt dort Konstruktionszeichnungen sowie ein Video des Prototypen. Die technischen Angaben sind allerdings zum Teil widersprüchlich. Drei Türen soll der Zetta haben und eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern erreichen. So viel scheint klar zu sein. Doch während Zetta selbst eine Reichweite von maximal 200 Kilometern für eine Akku-Ladung angibt, wird Manturow mit der Aussage zitiert, die Reichweite liege, je nach Akku-Ausbau, zwischen 200 und 560 Kilometern. Das wäre allerdings stattlich. Ist es ein Zufall, dass die Maximalzahl exakt der Normreichweite des Tesla 3 entspricht? In einem ganz anderen Bereich bewegt sich dafür der Preis des Zetta. Er wird von russischen Tageszeitungen mit umgerechnet etwa 6.400 Euro beziffert – der Tesla mit der vergleichbaren Reichweite ist nicht unter 54.000 Euro zu haben.

Ein teurer Zukauf von Teilen über internationale Automobilzulieferer dürfte bei dieser Preisansage nahezu ausgeschlossen sein. Und so verwundert es nicht, dass 99 % der Zetta-Einzelteile aus Russland kommen sollen. Nur die Batterien würden aus China geliefert. Die ersten Käufer wird es wohl nicht stören. Denn der Zetta soll zunächst ausschließlich in Russland selbst verkauft werden. Das erste Modell ist ein Kleinwagen, der mit seinen Abmessungen noch einen Smart unterbietet. Auf der Homepage gibt Zetta eine Länge von unter zwei Metern an. Der Dreitürer ist auch nur für zwei Personen gedacht. Trotzdem soll, nach Angaben des Herstellers, die aktive und passive Sicherheit gewährleistet sein.

Der Antrieb erfolgt über Radnabenmotoren

Ungewöhnlich ist ohne Frage der Antrieb des Zetta. Verbaut werden Radnabenmotoren, die also in den Rädern sitzen und sie einzeln antreiben. Auch deutsche Wissenschaftler arbeiten daran, diese eigentlich alte Technologie für Elektroautos weiterzuentwickeln.

Ein Termin für einen internationalen Verkaufsstart hat Manturow nicht genannt. Fürs Inland soll die Produktion moderat mit etwa 2.000 Stück starten. Bis zu 15.000 Elektroautos pro Jahr sind nach aktuellem Stand geplant. Allerdings soll es nicht beim Zetta bleiben. Auf der Homepage weist das Unternehmen darauf hin, dass es möglich sei, auf dieser einen Plattform verschiedene Fahrzeugtypen umzusetzen, von Sportautos bis zu Nutzfahrzeugen.

So soll der Zetta aussehen

Auf der Zetta-Homepage ist ein Video mit Zeichnungen und einem Prototypen zu sehen. Allerdings stammt es aus dem Jahr 2017. Unklar ist daher, welche technischen Komponenten sich seitdem verändert haben.

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Von Nicole Lücke

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