Studie des CAR-Instituts 28.05.2015, 11:28 Uhr

Bundesregierung wird eine Million E-Autos bis 2020 verfehlen

Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu schicken, ist utopisch: Das behauptet eine Studie des CAR-Instituts der Unversität Duisburg-Essen um Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer. Derzeit seien Neuzulassungen der E-Autos um rund ein Viertel rückläufig. 

Ein mit grünem Kunstrasen überzogener Volkswagen Käfer bei der Hannover Messe in Hannover. Die Politik sieht bis 2020 hierzulande auf den Straßen eine Million Elektroautos. Kaum schaffbar, ist Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer überzeugt. 

Ein mit grünem Kunstrasen überzogener Volkswagen Käfer bei der Hannover Messe in Hannover. Die Politik sieht bis 2020 hierzulande auf den Straßen eine Million Elektroautos. Kaum schaffbar, ist Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer überzeugt. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Von den insgesamt im Jahr 2014 gemeldeten 62,4 Millionen Pkws in Deutschland fahren etwa 1,6 % mit alternativem Antrieb. Der Anteil ist gegenüber dem Vorjahr nahezu gleich geblieben. Von den 1,6 % fahren fast 500.000 Autos mit Flüssiggas und bilden damit noch den größten Teil der alternativen Antriebe. Es folgen 107.754 Hybridfahrzeuge und 18.948 Elektroautos. Während der Automarkt insgesamt im April saisonbedingt um 10 % verlor, büßten reine E-Autos im Vergleich zum Vormonat jedoch 23 % und Plug-In-Hybride 21 % ein.

Ziel der Bundesregierung scheint utopisch

Damit rückt das Ziel der Bundesregierung in scheinbar unerreichbare Ferne: „Das Kanzlerwort von einer Million Elektroautos im Jahre 2020 ist definitiv nicht erreichbar“, kommentierte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen am Dienstag eine bis 2011 zurückreichende Marktanalyse. „Wenn man es trotzdem behauptet, sagt man bewusst die Unwahrheit.“ Auch Elmar Degenhart, Chef des Autozulieferers Continental, hält das geplante Millionenziel für unrealistisch.

Der A3 e-tron: Audi exportiert die meisten Exemplare des Hybridautos in Länder, die die Elektromobilität stärker fördern. 

Der A3 e-tron: Audi exportiert die meisten Exemplare des Hybridautos in Länder, die die Elektromobilität stärker fördern.

Quelle: Audi

„Ohne zusätzliche Anreize wird es das E-Auto sehr schwer haben“, meint auch Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg im Interview mit der Zeitschrift auto motor und sport. Zwar werde reichlich in die öffentliche Ladeinfrastruktur investiert. Doch das allein reiche nicht aus, wie die Marktzahlen zeigten. Anders sieht es im Ausland aus, wo Elektroautos im Verkehr eine Bevorzugung genießen. „In den USA bieten schon die für E-Autos privilegierten Autobahnspuren in den Ballungszentren hohe Anreize zum Kauf.“

Audi exportiert die meisten A3 e-tron Hybridautos

„Wir haben aktuell über 10.000 Bestellungen für den Audi A3 e-tron, die aber weitgehend aus Ländern kommen, in denen die E-Mobilität viel stärker gefördert wird als in Deutschland“, erklärt Hackenberg und bedauert, dass solch eine Regelung in Deutschland bisher noch nicht möglich ist. Ein Beispiel: „In Deutschland hat eine Freigabe der Busspuren für E-Autos in den Kommunen keine politische Mehrheit gefunden.“

Das Interesse an steckdosentauglichen Autos ist weit zurückgegangen. Obwohl in Deutschland das Angebot mit 43 E-Modellen und 72 Hybriden so groß ist wie noch nie. Wer ein Elektroauto fährt, nutzt es zudem meist als Zweitwagen, erklärten 80 % der Befragten einer Studie vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Etwa die Hälfte der Privatnutzer der E-Autos wohnen in Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern. Etwa jeder Fünfte wohnt in einer größeren Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Und das, obwohl dem E-Auto in Städten die größten Chancen eingeräumt wurden.

 

Ein Beitrag von:

  • Petra Funk

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