Tesla baut Giga-Factory in Berlin und Texas 06.02.2020, 10:46 Uhr

Muss die Batterieproduktion in Deutschland neu gedacht werden?

Tesla baut seine europäische Fabrik für die Herstellung von Batterien und Elektrofahrzeugen in Berlin. Ein Kaufvertrag für ein Grundstück in Brandenburg wurde unterschrieben. Nach dieser Ankündigung fordern Branchenexperten ein Umdenken der Bundesregierung bei der Förderung der Batterieproduktion.

Tesla E-Auto in Rot vor Tesla Gebäude

Berlin soll zur Tesla-Hochburg in Europa werden.

Foto: panthermedia.net/textura

Tesla unterschreibt Kaufvertrag

Der Fabrikbau von Tesla nimmt Gestalt an: Die Ansiedlung des US-Elektroautoherstellers im brandenburgischen Grünheide ist unter Dach und Fach. Wie Landes-Regierungssprecher Florian Engels in Potsdam bekanntgab, stimmte der Tesla-Vorstand dem Kaufvertrag zum Erwerb des rund 300 Hektar großen Geländes zu. Verkäufer des Grundstücks östlich von Berlin ist der brandenburgische Landesforstbetrieb. Tesla erwirbt das Grundstück für 40,91 Millionen Euro. Die Höhe des Kaufpreises stand in der Kritik, weil dieser pro Quadratmeter unter dem anderer zur gewerblichen Nutzung vorgesehener Flächen liegt. Das Areal ist als Industriefläche ausgewiesen und wird aktuell auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht, denn es werden dort US-Blindgänger vermutet. Tesla plant bereits Mitte 2021 die Produktion aufzunehmen und pro Jahr 150.000 Elektrofahrzeuge herzustellen.

Einige Bundesländer wollten die neue Giga-Factory des US-Unternehmens bei sich sehen, mit Berlin rechnete so gut wie niemand. Dass Elon Musk ausgerechnet nahe des Flughafens Berlin-Brandenburg bauen will, sorgte für so manche Lacher im Netz. Es sei zu hoffen, dass die Tesla-Fabrik schneller fertig werde als BER, so die einhellige Meinung der Social Media-User. Musk selbst gibt an: „Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen.“ Auf der Veranstaltung von „AutoBild“ und „Bild am Sonntag“ wurde zudem bekannt, dass in der Fabrik zunächst die künftigen Kompakt-SUV Model Y sowie auch Batterien und Antriebe gebaut werden.

Altmaier begrüßt die Entscheidung von Tesla

Diese Pläne veranlassen nach Ansicht des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer die Bundesregierung zu einem Umdenken bei der Förderung der Batterieproduktion. Mit dieser Entscheidung ist das Projekt einer europäischen Giga-Fabrik für aufladbare Batterien für E-Mobile erfolgreich abgeschlossen. Es würde nun wenig Sinn machen eine zweite Fabrik mit Zuschüssen aus Steuermitteln zu fördern.

In Deutschland gibt es seit Jahren eine rege Forschungsszene, die u.a. Lithium-Ionen-Batterien mit einer Lebensdauer von mehr als 10.000 Ladezyklen hervorgebracht hat. Und die Politik hatte sich stets bemüht, den Transfer solcher Forschungsergebnisse in die Anwendung zu beschleunigen. Sie gründete die Plattform Elektromobilität, baute Lehrstühle für Elektrochemie auf und erleichterte die Erforschung von Batterien seit 2008 mit rund 400 Millionen Euro Fördergeldern.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU lobt nun die Standortentscheidung des Autobauers. Berlins Wissenschaftssenatorin rechnet sogar mit bis zu 7.000 neuen Jobs allein in Brandenburg. Für Altmaier ist Teslas Entscheidung, „ein weiterer Beweis für die Attraktivität des Automobilstandortes Deutschland“. Doch greift das nicht zu kurz? Musk stellt sich in direkte Konkurrenz zu den deutschen Autobauern und scheut es nicht im Land des Autos seine 4.  Giga-Factory aufzubauen. Für Brandenburg ist das definitiv ein großer Pluspunkt in Sachen Attraktivität als Wirtschafts- und Lebensstandort, doch für die deutsche Automobilindustrie, die Tesla stets belächelt hat, ein weiterer Wettbewerbstreiber.

Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen gibt daher zu bedenken, dass der Sinn der geplanten Investition Altmaiers in eine deutsche Lithium-Ionen-Fabrikation zu hinterfragen seien. Eine Milliarde Euro sollen fließen doch ist das nach der Ankündigung von Musk noch sinnvoll oder sollten die Mittel nicht lieber anderen Bereichen der Automobilbranche zu Gute kommen? In Nordrhein-Westfalen soll ebenfalls eine Batterieforschungsfabrik mit 200 Millionen Euro Landesmitteln gebaut werden. Mit Tesla als bekanntes Zugpferd könnte sich das negativ auf die Attraktivität der selbst geplanten Giga-Fabriken auswirken. Tesla wird nämlich ein Ingenieurs- und Designzentrum in Berlin ansiedeln. Für viele angehende und berufserfahrene Ingenieure ein neuer möglicher Arbeitgeber. Ob Musks ambitionierte Wachstumspläne greifen, bleibt aber abzuwarten. Tesla steht angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe immer wieder in der Kritik. Zugleich wird oftmals diskutiert, ob die Nachfrage nach Elektroautos generell stark genug ist, um einen Marktdurchbruch zu schaffen.

Weitere Gigafactory in Texas

Nun wurde bekannt, dass Tesla offenbar den Bau einer weiteren Gigafactory in den USA plant. Diese soll in Texas entstehen. Das tweete Elon Musk. Musk hat bei Twitter eine Umfrage gestartet, die lediglich aus den Worten „Giga Texas?“ besteht.

Tesla bringt häufiger Ankündigungen auf sozialen Netzwerken, sodass man davon ausgehen kann, dass eine weitere Gigafactory in den USA entsteht. Die Musk-Community freut sich schon über die neue Fabrik, auch wenn weitere Details zunächst ausbleiben.

TerraE Pläne zu Giga-Fabrik gescheitert

Auch andere Unternehmen haben sich bereits an das Projekt Giga-Fabrik gewagt, so zum Beispiel die TerraE Holding GmbH. Das Unternehmen wollte eine Batteriezellproduktion in Frankfurt am Main aufbauen, doch das ist offenbar gescheitert. Mittlerweile besteht das Unternehmenskonsortium Terra E aus 17 Köpfen. Bis 2028 sollten 2 Zellfertigungsstätten entstehen. 34 Millionen kWh Produktionskapazität stellten sich die Gründer vor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich vor 2 Jahren noch optimistisch. Sie sehe gute „Chancen wieder eine moderne Produktion der nächsten Zellgeneration nach Deutschland oder Europa zu holen“. Mit Terra E hat es nicht geklappt. Doch mit den Tesla-Plänen zieht frischer Wind auf.

In Kamenz baut Daimler seine Batterieproduktion aus

Geschlafen hat Deutschland nicht, denn die Batterieproduktion wächst stetig. Im sächsischen Kamenz steht Daimlers Gegenentwurf zu Teslas Gigafactory in Nevada. Die Deutsche Accumotive GmbH produziert mit einer zweiten Produktionsstätte Lithium-Ionen-Batterien für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Das Tochter-Unternehmen des Autoherstellers liefert die Batterien für alle E-Modelle von Mercedes und Smart. Die Lessingstadt Kamenz verfügt somit über eine der größten Batteriefabriken Europas. Der E-Mobilität wird hier Energie gegeben.

Das Werk ist auch für Sachsen ein Riesengewinn. Denn mit der neuen Batterieproduktion entstehen wertvolle Arbeitsplätze in der Region.

Batterie entscheidet über den Durchbruch der Elektromobilität

Daimler-Chef Dieter Zetsche begründete den späten Start der Batterieproduktion in Deutschland mit der zugrundeliegenden Technologie: „Jetzt haben wir die technischen Voraussetzungen, Elektroautos zu entwickeln, die dem Verbrenner in puncto Reichweite kaum noch unterlegen sind.“ Die Automobilindustrie stehe deshalb vor einer fundamentalen Transformation.

Sicher scheint eines: Umso mehr Unternehmen in die serienmäßige Batterieproduktion einsteigen und umso schneller der Transfer bestehender Forschungsergebnisse in die Industrie voranschreitet, desto günstiger werden künftig Elektroautos und desto eher gelingt Elektroautos auch in Deutschland der Durchbruch.

Die Tesla-Fabrik in Deutschland soll voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen. Der genaue Standort ist noch nicht bekannt. Die erste Tesla-Gigafactory, die Batterien produziert, steht in der Wüste im US-Bundesstaat Nevada. Erst vor kurzem wurde  eine Fabrik in China fertig gebaut. Im September kündigte das Unternehmen eine Millionen-Meilen-Batterie an, die mehr als 1,6 Millionen Kilometer übersteht. Ingenieur.de berichtet hier darüber.

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