Elektromobilität 24.09.2021, 11:53 Uhr

Batterie-Allianz: Daimler durchbricht Abhängigkeit von China

Daimler geht eine große Batterie-Allianz ein, die autarke Entwicklungen für Elektroautos ermöglichen soll. Warum die Abhängigkeit von China unnötig war.

Einblick Batteriefabrik

Daimler beteiligt sich an der Batterie-Allianz mit Automotive Cells Company.

Foto: Daimler

Daimler geht zur Versorgung seiner Elektroautos eine Batterie-Allianz mit den französischen Großkonzernen Stellantis und Totalenergies ein. Unter dem Namen „Automotive Cells Company“ (ACC) bietet die Allianz seit 2020 vor allem für den französischen und deutschen Raum Produktionen von Batteriemodulen an. Das selbst erklärte Ziel: ACC wird der europäische Marktführer für Autobatterien werden, die saubere und effiziente Mobilität für alle ermöglichen.

Maßgeschneiderte Batteriezellen für Daimler

Mercedes-Benz beteiligt sich als Pkw-Sparte mit einem Drittel. Insgesamt plant Mercedes weniger als eine Milliarde Euro zu investieren. Dafür soll vor allem Technologie und Produktions-Know-how eingebracht werden.

“Gemeinsam mit ACC werden wir Batteriezellen und -module in Europa entwickeln und effizient produzieren – maßgeschneidert auf die spezifischen Anforderungen von Mercedes-Benz”, sagt Daimler-Chef Ola Källenius.

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Produktionskapazität von mehr als 200 Gigawattstunden

Im Juli hatte Daimler verkündet, selbst in Batteriezellwerke zu investieren. So soll die Selbständigkeit am Markt und Versorgung der produzierten E-Autos mit Akkus gesichert werden. Mit der Allianz geht Daimler einen weiteren Schritt in diese Richtung. Für Ende des Jahrzehnts hat sich der Autobauer das Ziel gesetzt, eine Produktionskapazität von mehr als 200 Gigawattstunden (GWh) an Batteriezellen pro Jahr auf die Beine zu stellen. Bis 2030 sollen nur noch vollelektrisch angetriebene Mercedes-Benz-Pkw verkauft werden. Die Rechnung sieht wie folgt aus: 200 Gigawattstunden an Zellkapazität reichen rechnerisch für 2,5 Millionen aktuelle Mercedes EQC-Modelle mit jeweils 80 Kilowattstunden (kWh) Stromspeicher.

Die neue Batterie-Allianz soll ihren Teil beitragen, damit die Rechnung aufgeht. Zu Stellantis gehören beispielsweise die Marken Peugeot, Citroen, Opel und Fiat. ACC will bis 2030 nach Angaben von Daimler mindestens 120 Gigawattstunden an Batteriezellen pro Jahr produzieren. Wie viel davon für Daimler vorgesehen ist, wurde nicht bekannt. Ab 2025 soll die Allianz Mercedes-Benz mit Batteriezellen und -modulen aus Fabriken in Deutschland und Frankreich beliefern. Die Gesamtinvestitionen in ACC belaufen sich auf mehr als sieben Milliarden Euro.

Mercedes-Benz beteiligt sich am europäischen Batteriezellenhersteller Automotive Cells Company (ACC). Foto: Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz beteiligt sich am europäischen Batteriezellenhersteller Automotive Cells Company (ACC).

Foto: Mercedes-Benz AG

Chinesische Batterielieferanten: Daimler geht Schritt in Unabhängigkeit

Mit der Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen wächst auch die benötigte Anzahl von Batterien – und hier sind chinesische Lieferanten klare Vorreiter. Deutsche Hersteller versuchen sich zunehmend davon loszumachen und unabhängiger zu werden. Grüne Mobilität, neue Antriebe, nachhaltiger Verkehr: Über diese Themen wurde auf der IAA 2021 hauptsächlich gesprochen. Dass Batteriezellen für all diese Entwicklungen nötig sind, ist klar. Die Komponenten bestehen meistens aus Lithium-Ionen-Akkus mit Nickel, Mangan und Kobalt – und diese Ressourcen stammen inzwischen überwiegend aus China. Das birgt riskante Abhängigkeiten für Autohersteller. Ganz oben auf der Liste steht der weltweit größte E-Auto-Batteriehersteller Catl. Jahr für Jahr meldet das Unternehmen mehrere Hundert Patente rund um E-Auto-Batterien an. Deutsche Autobauer verfolgten lange Zeit den Standpunkt, dass sich eigene Produktionen von Batteriezellen nicht lohnen. Zu teuer und nicht profitabel lauten die Einwände. Nun das Umdenken. Daimler stärkt mit dem Einstieg in ACC den europäischen Markt.

„Durch die Partnerschaft sichern wir uns die Lieferumfänge, nutzen Skaleneffekte und können unseren Kundinnen und Kunden überlegene Batterietechnologie bieten. Außerdem leisten wir einen Beitrag dazu, dass Europa ein Zentrum der Automobilindustrie bleibt – auch im Zeitalter der Elektromobilität. Im Zuge der neuen Kooperation plant ACC, die Kapazität seiner europäischen Werke mehr als zu verdoppeln. Das stärkt auch die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas bei der Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen“, so Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG.

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Dass die Entwicklung anders hätte laufen können, zeigt eine Studie zur diesjährigen Automobilmesse IAA. Vor Jahren sei Daimler bereits “Vorreiter bei der E-Auto-Forschung” gewesen. Doch die eigenen Bestrebungen wurden zurückgefahren. Bosch hat sich ebenfalls früh mit E-Auto-Batterien befasst. Zu den bekanntesten Patentanmeldern in diesem Sektor gehören aber BASF und Siemens.

Die EU hat das Milliardengeschäft für sich erkannt und gründete 2017 die Batterieallianz EBA. Der Markt der Batteriezellenproduktion wird auf 250 Milliarden Euro geschätzt.

CO2-neutrale Fertigung von Batteriezellen steht auf der Agenda

Damit E-Autos nicht zu Umweltsündern durch die Hintertür werden, setzt ACC auf eine CO2-neutrale Fertigung von Batteriezellen. Die Anforderung wird an alle Partner gestellt. ACC setzt nach eigenen Angaben vorrangig auf Strom aus erneuerbaren Energien für die Fertigung von Hochleistungsbatterietechnologien. Für die Batteriezellen werden ausschließlich Rohstoffe aus zertifiziertem Abbau genutzt. Die Batteriezellen aus der Allianz sollen zudem zu 95 % recyclebar sein.

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Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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